29-Jähriger muss wegen Messerangriff auf Ex-Frau ins Gefängnis

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In dem Prozess gegen einen 29-Jährigen ist ein Urteil gefallen. Er muss ins Gefängnis, weil er seine Ex-Frau mit dem Messer angegriffen hat. Ein versuchter Totschlag war es aber nicht.

von Klaus Möllers

Ahaus

, 30.07.2020, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu fünf Jahren Gefängnis hat das Landgericht Münster am Donnerstag den 29 Jahre alten Mann verurteilt, der seine Frau mit einem Messer in Alstätte angegriffen hat. Belangt wurde der Handwerker wegen gefährlicher Körperverletzung. Nicht – wie ursprünglich angeklagt – wegen versuchten Totschlags. Im Zuge der Haft wird er eine zweijährige Entzugsbehandlung wegen seines Alkoholmissbrauchs machen müssen.

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Die Staatsanwältin hatte in ihrem Schlusswort eine Strafe wegen versuchten Totschlags gefordert mit einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren. Der Anwalt der Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat, beantragte aus demselben Grund sieben Jahre Gefängnis. Anders bewertete die Verteidigerin die Tat – als versuchte gefährliche Körperverletzung. Das Gericht solle eine milde Strafe verhängen und ihren Mandanten direkt aus der Untersuchungshaft entlassen.

Wuchtige Stöße mit einem Messer

Im Gefängnis wird der Mann jedoch bleiben. „Bei dem, was auf sie zukommt, sehen wir nach wie vor Fluchtgefahr“, sagte die vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Der 29-Jährige habe am Tatabend, am 16. Oktober um kurz nach 22.30 Uhr, versucht, seiner (mittlerweile Ex-) Frau mit einem langen Küchenmesser „mit immer wieder wuchtigen Stößen“ in den Bauch unter ihrem kurzen Top zu stechen.

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„Sie versuchte, ihren Bauch mit Armen und Beinen zu schützen“, so die Richterin. Die 27-Jährige habe „Todesangst“ gehabt. Der Mann habe bei ihr auch „potenziell lebensgefährliche Verletzungen“ in Kauf genommen. Ein „Tötungsvorsatz“ sei sogar „sehr wahrscheinlich“.

29-Jähriger wollte Trennung nicht akzeptieren

„Sie wollten die Trennung ihrer Frau von ihnen nicht akzeptieren und hofften, dass die Beziehung weitergehen würde“, erklärte die Vorsitzende. Am frühen Abend bereits war der Mann im ehemals gemeinsamen Haus aufgetaucht und hatte nach Überzeugung der Richter seiner Frau in angetrunkenem Zustand unter anderem gedroht, dass sie aufpassen solle, dass sie „den nächsten Tag noch erlebt“. Durch die geschlossene Badezimmertür erklärte die Frau, sie nehme seine Drohungen gerade mit dem Handy auf.

Vater sollte die Kinder nie wiedersehen dürfen

Der 29-Jährige sei später wiedergekommen. „Voller Wut“, wie die Richterin sagte, weil die Frau ihm in einem zwischenzeitlichen WhatsApp-Dialog geschrieben hatte, sie würde dafür sorgen, dass er die drei Kinder der Familie „nie wiedersehen“ werde, er also aus dem gemeinsamen Leben ausgeschlossen würde. Im Haus habe er das Handy der Frau an sich nehmen wollen, um seine Drohungen aus dem Speicher zu löschen. Mit dem Messer habe er sie zur Herausgabe zwingen wollen.

Richterin sieht Rücktritt von der Tat

Als Polizisten von außen vehement gegen die Haustür klopften und riefen, habe der Angeklagte „das Stechen beendet“. Er hätte zeitlich noch die Gelegenheit gehabt, seine Tat „weiterzuführen“, weil die Beamten noch nicht ins Haus konnten.

Aus dem rechtlichen „Zweifel-Grundsatz“ heraus könne es deshalb sein, dass sich der Angeklagte von sich aus zum „Rücktritt“ von der Tat entschlossen habe. Es gebe also einen „Rücktritt vom unvollendeten Versuch“ und eine „vollendete gefährliche Körperverletzung“.

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Weil die Tat eine „Alkohol-Tat“ gewesen sei und laut psychiatrischem Gutachten Wiederholungsgefahr besteht, ordnete das Gericht als Teil der Haftstrafe die Alkohol-Entzugs-Therapie an.

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