31-Jähriger sieht Prozess als Zeitverschwendung an und zieht Einspruch zurück

hzAmtsgericht Ahaus

Schwer genervt von einem Prozess am Amtsgericht zeigte sich am Dienstagmorgen ein 31-jähriger Ahauser. Er zog seinen Einspruch schließlich zurück. Seine Zeit sei kostbar.

Ahaus, Heek

, 26.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst hatte ein 31-jähriger Ahauser auf der A31 in Höhe Heek einen anderen Autofahrer mit dem Mittelfinger beleidigt. Ein paar Wochen später hatte er dann seine Lebensgefährtin mit Faustschlägen und Tritten verletzt. Für beide Taten war ein Strafbefehl gegen ihn ausgesprochen worden. Insgesamt 60 Tagessätze zu je 60 Euro. Doch der Mann legte Einspruch ein. Doch das überlegte er sich vor dem Ahauser Amtsgericht am Dienstagmorgen noch einmal.

Kein Widerspruch gegen Tatvorwürfe

Die zwei Taten, die ihm vorgeworfen wurden, bestritt er gar nicht. Hatte aber Erklärungen parat: An die Beleidigung auf der Autobahn könne er sich beim besten Willen nicht erinnern. Ob er da einen Blackout oder mit den Gedanken bei der Arbeit gewesen sei, könne er sich nicht erklären. Mit dem betreffenden Auto, das die Zeugen bei der Polizei samt Kennzeichen beschrieben hatten, fahre aber nur er. „Falls es so gewesen ist, tut es mir leid“, sagte er vor Gericht. Das habe er auch den Zeugen schon gesagt. „Ich lade sie gerne zu einem Essen ein und bezahle dafür“, erklärte er. „Darum geht es hier nicht“, antwortete der Richter kopfschüttelnd.

Auch die Schläge und Tritte gegen seine damalige Lebensgefährtin räumte der 31-Jährige ein. Sie habe ihn aber zuerst angegriffen, geschlagen und gekratzt. Das habe die Zeugin jedoch anders geschildert, hielt ihm der Richter vor. Dennoch kam dem Angeklagten die Höhe der Geldstrafe zu hoch vor.

Mehrfach betonte er vor Gericht, dass er als Marktleiter für 6,2 Millionen Euro verantwortlich zeichne und 20 Mitarbeiter beschäftige. Der Richter nahm es gleichgültig hin. Eigentlich habe er am Dienstag auch eine wichtige Inventur vorbereiten müssen. Die Verhandlung vor Gericht betrachtete als reine Zeitverschwendung. Auch wolle er in seiner Position nicht in weitere Verfahren verwickelt werden.

Tagessätze hätten sich eher noch erhöht

Nach seinem Gehalt gefragt, gab er 2700 Euro netto an. Daraufhin empfahl ihm der Richter eindringlich, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen. „Durch ihr Gehalt würde sich die Höhe der Tagessätze eher noch erhöhen“, sagte er. Auf 90 Euro pro Tagessatz. Das Geld sei kein Problem, er wolle die Sache anders aus der Welt schaffen, entgegnete der 31-Jährige. Dafür sah der Richter jedoch keine Möglichkeit.

Der Angeklagte machte daraufhin seinem Ärger Luft. Das hätte ihm der Richter auch schreiben oder telefonisch mitteilen können. „Das ist für mich kostbare Zeit“, klagte er. Auch das nahm der Richter geduldig hin. „Die Verhandlung hat bis hier hin zehn Minuten gedauert. Diesen Arbeitszeitverlust werden sie verkraften“, sagte er lakonisch. Der Angeklagte nahm den Einspruch zurück. Die geladenen Zeugen mussten vor Gericht nicht mehr aussagen. Verhandlung geschlossen.

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