Polyclean-Geschäftsführer Ulrich Pohlmann (61) demonstriert das neue Produkt: Sein Microfaser-Tuch soll sechs bis zwölf Monate halten und für glasklaren, beschlagfreien Durchblick sorgen. © Stephan Rape
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65 Mitarbeiter sorgen in Ahaus für klaren Durchblick – trotz Maske

In einem Brillenputztuch vermutet man nicht viel Hightech. Doch die Ahauser Firma Polyclean hat über zwei Jahre Entwicklung investiert. Und will jetzt für beschlagfreien Durchblick sorgen.

Brillenträger kennen das Problem: Corona-Schutzmaske vors Gesicht, einen Schritt in den Supermarkt gemacht – und dann geht erst einmal nichts mehr, weil die Brille komplett beschlägt. Völlig egal mit welcher Maske und wie gut auch immer die im Gesicht sitzt.

Jochen Pohlmann (61) bietet eine Lösung: Mit seinem Ahauser Unternehmen Polyclean bringt er in diesen Tagen neue Brillenputztücher auf den Markt, die beschlagene Brillengläser endgültig zur Vergangenheit erklären sollen.

Ulrich Pohlmann hat Polyclean vor 20 Jahren gegründet. Mittlerweile ist das Unternehmen auf 4000 Quadratmeter Produktionsfläche und 65 Mitarbeiter angewachsen.
Ulrich Pohlmann hat Polyclean vor 20 Jahren gegründet. Mittlerweile ist das Unternehmen auf 4000 Quadratmeter Produktionsfläche und 65 Mitarbeiter angewachsen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Brillenputztücher. Gegen beschlagene Gläser. Aus Mikrofaser. Klingt jetzt erst einmal nicht nach einer besonderen oder gar neuen Erfindung. Doch das Besondere liegt im Detail: Mit dem Mikrofasertuch wird ein ganz dünner Film eines Mittels aufgetragen, das verhindern soll, dass die Brille beschlägt. Dessen Inhaltsstoffe: streng geheim. Aber zu 100 Prozent in Ahaus an der Einsteinstraße entwickelt und produziert.

Klar ist nur, dass es keine Per- und Polyfluoralkyl-Substanzen (PFAS) erhält. Vor diesen Stoffen in vielen Antibeschlagmitteln hatte die Verbraucherzentrale noch Ende 2020 gewarnt.

Zwei Jahre Entwicklung für den beschlagfreien Durchblick

Auf die Idee mit den Tüchern kam er dabei allerdings nicht wegen der Coronakrise. „Auch wenn das natürlich gerade gut passt“, sagt er lachend. Nein, die Antibeschlag-Tücher seien schon seit Ende 2018 in der Entwicklung. Erst kurz vor den vergangenen Weihnachtsfeiertagen war das Produkt so weit, dass Ulrich Pohlmann es auf den Markt bringen wollte. Denn in den unscheinbaren Tüchern stecke eine Menge Know-how.

Teamwork ist bei Polyclean kein leerer Begriff. Innovation, Qualität und Schnelligkeit seien die obersten Schlagworte in seinem Unternehmen, sagt Geschäftsführer Ulrich Pohlmann. In der Branche gelte er ein wenig als Exot, weil er noch in Deutschland produziere.
Teamwork ist bei Polyclean kein leerer Begriff. Innovation, Qualität und Schnelligkeit seien die obersten Schlagworte in seinem Unternehmen, sagt Geschäftsführer Ulrich Pohlmann. In der Branche gelte er ein wenig als Exot, weil er noch in Deutschland produziere. © Polyclean © Polyclean

„Wir haben wirklich lange gebraucht, bis wir die optimale Kombination aus Material, Inhaltsstoffen und Verarbeitung gefunden hatten. Eine echte Sisyphusarbeit: „Das kann man nicht planen. Da mussten wir viel experimentieren“, sagt Ulrich Pohlmann. Wie oft die Entwicklung dabei in eine Sackgasse gelaufen sei, hat er irgendwann gar nicht mehr gezählt.

Doch schließlich gelang der Durchbruch. Natürlich macht er ein großes Geheimnis aus den genauen Prozessen. Nur so viel: Hitze und Druck in einem genau ausgeklügelten Verhältnis und Ablauf spielen eine große Rolle.

Keine neugierigen Blicke in die Hallen an der Einsteinstraße

Auch in die Produktionshallen an der Einsteinstraße möchte er eigentlich niemanden blicken lassen. Es habe schon Fälle von Industriespionage gegeben. Denn auch die Maschinen passt seine Unternehmen individuell an die eigenen Anforderungen an. „Wir machen alles selbst“, sagt er. Von der Werkzeugproduktion über Entwicklung, Verpackung und Marketing bis hin zum Vertrieb. Und weil die Produktion vor Ort in Ahaus geschehe, könne er eben schnell und auch in kleinen Stückzahlen produzieren.

65 Mitarbeiter hat Polyclean in Ahaus an der Einsteinstraße inzwischen. Durch die Coronakrise seien im Moment gut 25 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Insgesamt komme die Firma aber gut durch den Lockdown und sei sicher aufgestellt.
65 Mitarbeiter hat Polyclean in Ahaus an der Einsteinstraße inzwischen. Durch die Coronakrise seien im Moment gut 25 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Insgesamt komme die Firma aber gut durch den Lockdown und sei sicher aufgestellt. © Polyclean Joachim Reissig © Polyclean Joachim Reissig

Sein Unternehmen Polyclean hat er schon vor 20 Jahren gegründet. „Das war am Anfang eine echte One-Man-Show“, sagt er im Rückblick. Die erste Produktion fand wortwörtlich bei ihm Zuhause im Keller statt. Es folgten mehrere Umzüge zu verschiedenen Standorten in Ahauser Gewerbegebieten. Schließlich 2013 der Neubau an der Einsteinstraße.

Heute hat Ulrich Pohlmann 65 Mitarbeiter und tausende Kunden, vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien. „Einige in Südeuropa gehören auch noch dazu“, zählt er auf.

Eigene Produktion statt „Heckmeck“ mit Lieferanten aus Fernost

Aber so viele Kunden können doch kein Interesse nur an Brillen-Putztüchern haben, oder? Stimmt: Die Kunden kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Etwa die Automobilindustrie, die spezielle Reinigungstücher für die finale Politur ihrer Lacke braucht, Elektronikunternehmen, die Displays auf Hochglanz polieren wollen, Kamerahersteller, die die Reiniger für ihre Linsen nutzen… Ulrich Pohlmann könnte noch eine ganze Reihe mehr aufzählen.

Produktion aus einer Hand: Von der Werkzeugproduktion über die Anpassung der Maschinen bis hin zum fertigen Reinigungsprodukt kommt bei Polyclean alles aus einer Hand. Die Produktion findet komplett im Ahauser Gewerbegebiet an der Einsteinstraße statt.
Produktion aus einer Hand: Von der Werkzeugproduktion über die Anpassung der Maschinen bis hin zum fertigen Reinigungsprodukt kommt bei Polyclean alles aus einer Hand. Die Produktion findet komplett im Ahauser Gewerbegebiet an der Einsteinstraße statt. © Polyclean, Joachim Reissig © Polyclean, Joachim Reissig

Zu allem gebe es natürlich eine große Konkurrenz aus Fernost. Auch er selbst habe vor 20 Jahren, als er sich mit 41 Jahren selbstständig machte, erst einmal mit dem Import und Weiterverkauf dieser Reinigungsutensilien beschäftigt. „Es gab aber immer Probleme“, sagt er. Mal waren Lieferungen unvollständig, mal erfüllten sie nicht die geforderten Qualitätsstandards. „Ein riesiger Heckmeck“, nennt es Ulrich Pohlmann.

Er habe deswegen auf eigene Entwicklungen gesetzt und seine Kapazitäten nach und nach ausgebaut. Inzwischen erstreckt sich die Produktion auf rund 4000 Quadratmeter. Das große Lager kommt noch dazu. Und ein weiterer Ausbau ist geplant und dringend nötig. Er zieht sich aber noch etwas hin, weil Flächen fehlen.

Industriekunden haben spezielle Wünsche

„Unsere Kunden schätzen unser Knowhow“, sagt Ulrich Pohlmann. Beispielsweise die Autoindustrie: Ein Hersteller wollte auf seine Politurtücher unbedingt eine Codierung für die eigene Dokumentation gedruckt haben. Diesen Druck so anzubringen, dass er eben nur auf dem Tuch zu sehen sei und sich später nicht in irgendeiner Form im oder auf dem Lack wiederfinde, sei die große Kunst.

Dieses Wissen nahm er wiederum mit in andere Bereiche: Sein Unternehmen sei vor Jahren das erste in ganz Deutschland gewesen, das Brillenputztücher vierfarbig bedrucken konnte, sagt er. Damit war ein Schritt in Richtung Werbebranche getan, den Ulrich Pohlmann nicht bereut. Eine große Bandbreite von bedruckten Werbeartikeln sind ein weiteres Standbein.

Klar, auch er importiert noch fertige Ware und vertreibt sie weiter. Wischmops, Politur- oder Geschirrtücher. Das sei aber nur ein Nebengeschäft. Im Fokus stehen die selbst produzierten Reinigungstücher. Für die Industrie und den Endverbraucher.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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