Absage von Großveranstaltungen trifft „Audiokonzept“ hart: „Keiner hat Eier in der Hose.“

hzAhauser Unternehmer besorgt

Zahlreiche Großveranstaltungen werden wegen des Coronavirus abgesagt. Für das Ahauser Unternehmen „Audiokonzept“ ist das ein riesiges Problem. Scharfe Kritik gibt es an der Bundesregierung.

Ahaus

, 09.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Messen „Light + Building“ in Frankfurt und „Logimat“ in Stuttgart locken normalerweise Hundertausende Besucher an. In diesem Jahr wurden aber unter anderem diese beiden Großveranstaltungen wegen des sich immer weiter verbreitenden Coronavirus abgesagt. Das hat nicht nur direkte Auswirkungen auf die Veranstalter und Aussteller, sondern auch auf die Dienstleister, die Messen in dieser Größe erst ermöglichen.

Dazu zählt auch die Firma „Audiokonzept“ aus Ahaus, die sich als technisches Dienstleistungs- und Serviceunternehmen auf den Veranstaltungs-, Installations-, und Showbereich sowie den Messebau spezialisiert hat. Jürgen Brüning, Geschäftsführer von Audiokonzept, macht sich große Sorgen wegen der vielen Absage von Großveranstaltungen. „Wir sitzen auf der anderen Seite des sinkenden Schiffes“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Jürgen Brüning: „Das Problem ist die fehlende Lobby.“

Was er damit meint: „Bei uns herrscht richtig Alarm, aber die Politiker haben uns nicht auf dem Schirm. Das Problem ist die fehlende Lobby unsere Branche.“ An NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will zu Gast war, lässt er kein gutes Haar: „Er sitzt da auf dem Sessel und spricht von den vollen Büchern der Handwerker. Da hat jemand nicht verstanden, wer alles betroffen ist.“

Dass Jens Spahn am Wochenende empfohlen hat, Großveranstaltungen ab einer Größe von 1000 Besuchern abzusagen, kritisiert Brüning ebenfalls scharf: „Die Verantwortung liegt meiner Meinung nach beim Staat. Alle sprechen von Empfehlungen, aber keiner hat die Eier in der Hose, Veranstaltungen verbindlich abzusagen.“ Denn dann liege auch die Verantwortung für die Absage in der Hand des Staates. „So sind sie schön raus“, sagt Brüning.

Firmenchef verweist auf Italien und Frankreich

Dass Spahn und Co. im Prinzip die Hände gebunden sind, weil für die Absage solcher Veranstaltungen die Veranstalter selbst oder die lokalen Behörden zuständig sind, lässt Brüning nicht als Argument gelten und verweist auf andere europäische Staaten: „In Frankreich und Italien wird gar nicht lange diskutiert. Da gibt es eine Anordnung und fertig. Dann haben wir eine andere Situation, wo vielleicht sogar Versicherungen greifen könnten.“

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Der bisher für Audiokonzept entstandene Schaden liegt nach eigenen Angaben im untereren fünfstelligen Bereich. Mit jeder weiteren Absage erhöht sich die Summe. „In Frankfurt waren schon drei Lkw mit Material von uns vor Ort. Die konnten einfach wieder umdrehen. Auf den Kosten für Sprit, Fahrzeuge und Mitarbeiter bleiben die Unternehmen sitzen“, erklärt Jürgen Brüning und berichtet von einem besonders extremen Fall: „Wir hatten Glück, dass wir unser Hotel umbuchen konnten. Ein Geschäftspartner ist auf den 90.000 Euro sitzen geblieben, die er für seine 85 Mitarbeiter im Voraus bezahlt hatte.“

Jürgen Brünings Hoffnung ist nun, dass zeitnah eine klare Entscheidung gefällt wird, denn: „Wir haben im Frühjahr noch mehrere Großveranstaltungen vor der Brust und brauchen langsam Planungssicherheit.“

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