Ärger am Alstätter Schwiepinghook: Mit Gewehr auf Hunde gezielt oder nur Foto geknipst?

hzAmtsgericht Ahaus

Eine 58-Jährige behauptet, dass ein Alstätter mit seinem Jagdgewehr auf sie und ihre Hunde gezielt habe. Der erklärt jedoch, dass er lediglich ein Foto geknipst habe.

Ahaus

, 12.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kurioser Prozess, der selbst den Richter immer wieder zum Schmunzeln brachte, fand am Freitag am Amtsgericht Ahaus statt. Dabei hatte es die Anklageschrift in sich. Eine 58-jährige Alstätterin warf einem 31-Jährigen vor, im Februar vergangenen Jahres mit seinem Gewehr zunächst ihre Hunde und dann sie selbst ins Visier genommen zu haben.

„Ich war mit meinen Hunden auf dem Fahrrad am Schwiepinghook unterwegs. Sie waren nicht angeleint. Plötzlich tauchte der Mann mit einem großen Auto auf, stieg aus, hat mit einem großen Gewehr auf meine Hunde gezielt und gedroht, sie zu erschießen. Ich hatte riesige Angst“, berichtete die 58-Jährige im Zeugenstand. Wer „der Mann“ allerdings war, konnte sie zumindest am Freitag nicht genau sagen. „Ich bin nicht gut im Personen erkennen.“

Vater und Sohn trotz Größenunterschiedes verwechselt

In ihrer schriftlich festgehaltenen Aussage vor der Polizei hatte das noch anders geklungen: „Der Mann war definitiv über 1,96 Meter groß. Ich kannte ihn von einem anderen Vorfall, wo er sich ebenfalls über meine Hunde aufgeregt hat.“ Den Beamten nannte sie damals auch den Namen des Verdächtigen: den Vater des nun Angeklagten.

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Von ihren Anschuldigungen ließ die Alstätterin auch dann nicht ab, als sich herausstellte, dass an diesem Tag der Sohn des zunächst Verdächtigen mit dem Auto am Schwiepinghook unterwegs gewesen war. Obwohl dieser nur rund 1,80 Meter groß und naturgemäß deutlich jünger als sein Vater ist.

Fotos geknipst und nicht mit Gewehr gezielt?

Der Junior hatte damals sofort das Gespräch zur 58-Jährigen gesucht und am Telefon erklärt, dass es sich um eine Verwechslung handeln müsse. Er selbst habe an diesem Tag zwar tatsächlich mit seinem Auto an dieser Stelle geparkt. Allerdings nur, um am Revier seines Vaters ein Fotos mit seinem Smartphone zu machen und nicht, um auf irgendjemanden zu zielen.

„Ich wollte die freilaufenden Hunde fotografieren, weil ich mit meinem Vater über genau dieses Thema eine Woche zuvor gesprochen hatte“, erklärte der 31-Jährige. Einen Jagdschein besäße er zwar, sein Gewehr habe er aber nicht einmal dabei gehabt. Und tatsächlich konnte der Angeklagte dem Gericht auch die geknipsten Fotos samt Zeitstempel vorlegen.

Stimmung im Gerichtssaal kippt

Als die 58-jährige merkte, dass die Stimmung im Saal kippte, und auch der Richter seine Zweifel an ihrer Version offen zur Schau stellte, ging sie noch einmal in die Offensive: „Ich weiß, was ich gesehen habe und wie ein Gewehr aussieht. Er soll sagen, was er gemacht hat, dann ist es gut. Aber Lügen kann ich nicht leiden.“

Zu ihren widersprüchlichen Ausführungen bei Polizei und vor Gericht äußerte sie sich ebenfalls: „Ich habe damals klar gesagt, dass ich nicht genau weiß, wer es war. Sie müssen die Polizei fragen, warum sie so etwas schreiben.“ Sie habe die Aussage unterschrieben, ohne sie sich noch einmal durchgelesen zu haben.

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Das reichte allerdings nicht aus, um den Vertreter der Staatsanwaltschaft zu überzeugen. Der sprach in seinem Plädoyer von einer „schwammigen Zeugenaussage“ und forderte, den Angeklagten freizusprechen. Der Richter brauchte keine zwei Sekunden, um sich dieser Forderung anzuschließen: „Ich bin von den Schilderungen der Zeugin alles andere als überzeugt. Es gibt nicht den geringsten Anhaltspunkt.“ In Richtung des Angeklagten sagte er: „Sie haben das absolut nicht gemacht. Davon bin ich überzeugt.“

Für die 58-Jährige offenbar ein unbefriedigender Ausgang. Sie verließ den Saal mit den Worten: „Es wirkt so, als wäre ich die Beschuldigte. Ich merke schon, dass ich Sie nerve, Herr Richter.“

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