In Julias Tierheim wird täglich gegen das Katzenelend gekämpft

hzKatzenschutz

Im Kreis gilt die Pflicht, Freigänger-Katzen kastrieren zu lassen. So soll die Zahl an verwilderten Haustieren eingedämmt werden. Fundtiere landen in Julias Tierheim. Ein Erfahrungsbericht.

Ahaus

, 19.09.2019, 18:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verfloht, voller Parasiten, Katzenschnupfen inklusive – es ist ein elendes Katzendasein, das Julia Rehermann tagtäglich zu Gesicht bekommt. „Momentan vergeht kein Tag, am dem keine Fundkatze zu uns kommt“, sagt die Leiterin von „Julias Tierheim“ in Ahaus im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mal sind es sieben, in miserablem Gesundheitszustand auf einem Firmengelände in Alstätte gefundene, vier Wochen alte Kätzchen. Mal sind es sechs Kätzchen in einem Karton, abgestellt auf dem Tierheim-Parkplatz in Sabstätte. Mal ist es ein Wurf, gefunden in einem Container in Gescher. Julia Rehermann kann über viele solcher Tierschicksale berichten. „Es scheint gang und gäbe zu sein, Katzen auszusetzen, wenn sie überzählig sind.“

Heimtierregister

Seit Anfang des Jahres gilt im Kreis Borken die Pflicht für Katzenhalter, ihre Katzen, die Freigang genießen dürfen, zu kastrieren. Die Tiere werden zudem mit einem Mikrochip versehen und in einem Heimtierregister registriert. Das Setzen des Chips kostet rund 30 Euro, das Kastration eines Katers etwa 50 bis 60 Euro, für eine Katzendame sind um die 120 Euro zu zahlen. Reine Wohnungskatzen sind nicht betroffen.

In Julias Tierheim wird täglich gegen das Katzenelend gekämpft

Tierheimleiterin Julia Rehermann mit dem fünf Monate alten"Percy", der ein neues Zuhause sucht. © Christian Bödding

Julia Rehermann findet die Katzenschutzverordnung gut und wichtig. „Wir sind Anlaufstelle für 13 Kommunen, die die Fundtiere zu uns bringen. Wir sehen jedes Jahr aufs Neue, dass es viel zu viel Katzenelend auf den Straßen gibt.“

Grundproblem ist laut Julia Rehermann die unkontrollierte Vermehrung. „Jede vermehrungsfähige Katze, die frei draußen laufen darf, wird sich früher oder später auch vermehren.“ Rein rechnerisch können eine unkastrierte Katze und ihr Nachwuchs in sieben Jahren insgesamt 370.092 Katzen zeugen. „Elterntiere geben ihre Krankheiten an den Nachwuchs weiter, so entsteht immer wieder neues Katzenelend.“

Unkontrollierte Vermehrung

Das Problem mit den Freigängerkatzen gebe es vor allem im landwirtschaftlichen Bereich. „Viele Hofbesitzer wissen gar nicht, wie viele Katzen sie überhaupt haben.

10? 15?“ Die Mäusefänger auf den Höfen würden sich oftmals unkontrolliert vermehren. „Irgendwann wird der Platz auf dem Hof zu eng, dann wandern die Kater ab und suchen sich neue Reviere.“ Das kann ein Friedhof sein, ein verlassenes Grundstück oder einfach die freie Natur.

„Auch wenn Katzen laut Studien nicht alleine verantwortlich für den Rückgang der heimischen Vogel- und Insektenpopulation sind – unnatürlich hohe Katzenbestände können dem Vogelbestand empfindlich schaden“, heißt es in einer Broschüre des Netzwerks Katzenschutz.

Aktiver Katzenschutz tut not. Doch die Katzenschutzverordnung ist längst noch nicht bei allen entsprechenden Katzenhaltern angekommen, hat Julia Rehermann festgestellt.

In Julias Tierheim wird täglich gegen das Katzenelend gekämpft

Rund 500 Fundkatzen werden pro Jahr in Julias Tierheim in Ahaus abgegeben. © Christian Bödding

Noch am Dienstagmorgen war das der Fall. „Da ist zum Glück eine Fundkatze abgeholt worden. Es gehen ja nur sehr wenige Tiere zurück zum Besitzer. Es handelte sich um ein fünf Monate altes Tier, einen unkastrierten Draußengänger. Dass er kastriert werden muss, das wussten die Halter gar nicht.“

Zur „Rücknahmequote“ berichtet Julia Rehermann folgendes: Von den im Ahauser Tierheim aufgenommenen Fundkatzen kommen drei bis vier Prozent wieder nach Hause. „Bei den Fundhunden ist es genau anders herum. Da bleiben vielleicht drei bis vier Prozent im Tierheim“, berichtet die Tierheimleiterin.

500 Fundkatzen pro Jahr

An die 500 Fundkatzen werden pro Jahr in Julias Tierheim in Sabstätte abgegeben. Kleine, große, alte, junge. „Häufig natürlich krank.“ Sie leiden an Katzenschnupfen, sind unkastriert und haben sämtliche Parasiten. „Viele müssen wir erst einmal gesund pflegen.“ Julia Rehermann weiß dann schon: Für Katzen, die in einem schlechten Gesundheitszustand ankommen, wird sich niemand melden.

Dabei könnte es deutlich weniger Tierleid geben. „Es müssten sich nur alle an die Verordnung halten“, sagt Julia Rehermann.

Doch wer soll die Kastration, Kennzeichnung und Registrierung der Freigänger kontrollieren? Julia Rehermanns Antwort: „Ich vergleiche das immer so ein bisschen mit der Hundesteuer. Es muss irgendwann so normal sein, dass man dieses Prozedere gar nicht mehr hinterfragt.“

Ihr Vergleich: „Hundehalter holen sich einen Hund und melden ihn bei der Stadt. Das ist über die Jahrzehnte zur Routine geworden. So muss sich das auch in den Köpfen der Leute mit Freigängerkatzen festsetzen. Ich habe eine Katze, ich lasse sie nach draußen, ich muss sie kastrieren lassen.“

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