Morddrohung und Spuck-Attacke gegen Ahauser Polizisten – Richter platzt der Kragen

hzProzess in Ahaus

Ein 34-jähriger Ahauser soll mehrfach gegenüber Polizeibeamten ausfällig geworden sein. Vor Gericht gingen die Beleidigungen weiter. Den Richter trieb er zur Verzweiflung.

Ahaus

, 17.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manchmal ist es nicht die Qualität, sondern die Quantität der Taten, die Menschen strafrechtlich in die Bredouille bringt. Ein 34-jähriger Ahauser hat es geschafft, innerhalb weniger Monate gleich ein ganzes Dutzend Anklagen zu sammeln. Diese wurden nun in einem gesammelten Verfahren vor dem Amtsgericht verhandelt.

Die Zahl klingt zunächst dramatisch, eine schwere Straftat enthielt allerdings keine der Anklageschriften. Stattdessen zeigte sich ein immer wiederkehrendes Muster: Der 34-jährige trifft auf (Polizei-) Beamte und wird ausfällig und aggressiv. Mal fallen nur Beleidigungen, mal wird gespuckt, getreten oder zum Schlag ausgeholt.

Mehrfach Polizisten den Mittelfinger gezeigt

Zwischen April 2018 und März 2019 wird dem Ahauser alleine vier Mal vorgeworfen, Polizisten den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt und damit in ihrem Ehrgefühl „nicht unerheblich“ verletzt zu haben.

Auch die Beleidigungen „Scheiß Bulle“, „Arschloch“, Hurensohn“ und „Bastard“ seien immer wieder gefallen. Einem Bundespolizisten soll er an einer Ahauser Tankstelle mit den Worten gedroht haben: „Ich bring dich um, du Bullenschwein.“

Den Anwesenden, die noch keine Bekanntschaft mit dem 34-jährigen gemacht hatten, fiel es nicht schwer, den Ausführungen der Staatsanwaltschaft Glauben zu schenken. Denn auch im Gerichtssaal hielt sich der Ahauser mit Äußerungen unterhalb der Gürtellinie nicht zurück. Sein Zorn richtete sich abwechselnd gegen Zeugen, Außenstehende oder die anderen Bewohner in seiner Ahauser Notunterkunft.

Richter: „Sie halten jetzt mal für fünf Minuten die Klappe.“

Da fuhr selbst der sonst für seine sehr ausgeglichene Art bekannte Richter kurz aus der Haut: „Mir reicht es jetzt. Sie halten jetzt mal für fünf Minuten die Klappe.“ Sein eigener Anwalt drohte ihm: „Wenn Sie noch einmal auf den Tisch hauen, beantrage ich, Ihnen Handschellen anlegen zu lassen.“

Ein Appell mit kurzer Wirkung. Den Gedankengängen des 34-jährigen konnte auch im Anschluss niemand im Saal folgen, dabei fiel er den anderen immer wieder ins Wort. Von einem angeblichen Gespräch mit der Bürgermeisterin, in der er ihr die Meinung gegeigt habe, sprang er zu einem ihm bekannten Drogenhändler, der angeblich Ecstasy an schwangere Frauen verkauft. Danach sagte er: „Ich liebe diese Stadt.“

Übermäßiger Alkoholkonsum sorgt für Stimmungsschwankungen

Ein Grund für diese wirren Aussagen ist der übermäßige Alkoholkonsum des Ahausers. Bei einem der Zwischenfälle hatte er wenigstens 2,4 Promille intus. Für den 34-jährigen kein Grund, an seiner Schuldfähigkeit zu zweifeln: „Ich wurde mal mit 4,7 Promille erwischt. Nach acht Bier und ein paar Korn kann ich mich noch an alles erinnern.“

Auch zur Verhandlung erschien er mit einer Tasche voller Bierdosen und einer Wasserflasche, die kein Wasser enthielt. Über sich selbst sagt er aber: „Ich bin kein Hardcore-Trinker.“

Ohne Alkoholrausch hätte er vielleicht früher begriffen, dass einige der Anklagepunkte – zum Beispiel gemeinschaftlicher Diebstahl – fallen gelassen wurden. So aber wehrte er sich auch noch lange danach gegen die Anschuldigung, an einem Raub am Wüllener Jugendheim beteiligt gewesen zu sein. „Sie werfen mich mit diesen kriminellen Mohammedanern in einen Topf“, schrie er.

Polizisten ins Gesicht gespuckt

Während er die verschiedenen Beleidigungen gegenüber Polizisten zugab, wies der 34-jährige die Vorwürfe von sich, im März dieses Jahr in einem Ahauser Supermarkt für Unruhe gesorgt zu haben. Ebenfalls stritt er ab, einem Polizisten nach einem Zwischenfall am Ahauser Ordnungsamt ins Gesicht gespuckt zu haben. „Ich wollte nur auf den Boden spucken, um über Nacht auf der Wache bleiben zu dürfen“, sagte er zu seiner Verteidigung.

Er könne sich allerdings kaum an etwas erinnern und entschuldigte sich deshalb auf Drängen des Richters widerwillig beim Beamten: „Wenn es so war, tut es mir leid.“ Anschließend unterbrach der Vorsitzende die Verhandlung für wenige Minuten und sagte schon fast verzweifelt in Richtung des Ahausers: „Wenn es Sie etwas beruhigt, trinken Sie eine Kanne Bier.“

Richter vertagt die Verhandlung auf Freitag

Eigentlich war vereinbart, dass der geladene Psychologe sich in der nächsten Woche mit dem Angeklagten trifft und anschließend ein psychologisches Gutachten erstellt. Allerdings sagte er am Dienstag: „Dieses Treffen braucht es aus meiner Sicht nicht. Für mich hat sich heute ein sehr eindeutiges Krankheitsbild ergeben.“

Nach drei Stunden hatte der Richter vom Angeklagten genug gehört und gesehen. „Ich kann Ihren Ausführungen leider nicht folgen. Wir machen Feierabend für heute.“ Weiter geht am Freitag um 9 Uhr in Saal 1 des Amtsgerichtes.

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