Ahaus verliert seinen Titel als Hochschul-Standort

hzWestfälische Hochschule

Seit 2009 gibt es die Westfälische Hochschule in Ahaus, doch über die Jahre gab es in den dualen Studiengängen immer weniger Studenten. Jetzt zieht die Hochschule die Reißleine.

Ahaus

, 22.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Ahaus verliert seinen Titel als Hochschul-Standort. Die Westfälische Hochschule wird ihren Standort an der Parallelstraße aufgeben. Der Studienort Ahaus habe sich in den vergangenen Jahren „trotz des enormen Engagements Vieler nicht so entwickelt, wie erhofft.“ Das hatte Hochschul-Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann in einem Brief an verschiedene Unternehmen geschrieben, die sich seit Jahren für das Duale Studium in Ahaus einsetzen.

Rückgang bei den Studienanfängern

Die Studierendenzahlen seien weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Für dieses Jahr zeichnet sich sogar wieder ein Rückgang der Studienanfänger ab“, heißt es in dem Schreiben. Aktuell gibt es weniger als zehn Studenten in Ahaus. Prof. Kriegesmann: „Nach zehn Jahren wir uns daher entscheiden müssen, zum Wintersemester 2019/20 in Ahaus letztmalig in den Studiengang Informatik/Softwaresysteme einzuschreiben.“ Dieser Schritt falle der Hochschule nicht leicht, die Verantwortung für einen vertretbaren Ressourceneinsatz lasse aber keine andere Möglichkeit.

„Wir hatten einmal drei Studiengänge in Ahaus“, blickt Bernd Kriegesmann im Gespräch mit unserer Redaktion zurück. Neben Informatik/Softwaresysteme waren das die Studiengänge Mechatronik und Angewandte Elektrotechnik. Diesen Dreiklang gab es seit dem Wintersemester 2009/10 in Ahaus. „Über Jahre gab es in den Bereichen Mechatronik und Elektrotechnik kaum Nachfrage.“ Beide Studiengänge waren in Ahaus im vergangenen Jahr aufgegeben worden. Kriegesmann spricht von gerade einmal zwei bis drei Studenten pro Semester. Im Bereich Informatik/Softwaresysteme seien die Anfängerzahlen im höheren einstelligen Bereich und manchmal leicht darüber hinaus gewesen. „Informatik funktionierte halbwegs.“

„Nicht-akademischer Bereich ausgeprägt“

Kriegesmann ist nach wie vor überzeugt vom dualen Studium, bei dem sich Studienzeiten und betriebliche Arbeitstage verzahnen. „Unser Studienangebot ist attraktiv.“ Der Hochschul-Präsident will auch den Firmen kein mangelndes Engagement vorwerfen. Zumindest nicht denen, die sich in Sachen duales Studium an der Westfälischen Hochschule engagierten. Gleichwohl hätten es noch mehr Firmen sein können. Aber: „Möglicherweise ist bei diesen Unternehmen der nicht-akademische Bereich stärker ausgeprägt.“ Manche Firmen hätten Platz für einen Studienanfänger gehabt, aber keinen Interessenten gefunden. „Manche sagten mir im Gespräch, sie würden bei Bedarf lieber einen fertigen Ingenieur einstellen. Dabei sind unsere Absolventen nach durchlaufenem Studium exzellent qualifiziert.“

Unterm Strich sei es allerdings so, dass der hohe Aufwand für wenige Studenten in Ahaus nicht mehr zu verantworten sei. Sollten sich zum Wintersemester weniger als eine Handvoll Studenten einschreiben, müsse über einen Transfer zum Hochschul-Standort Bocholt nachgedacht werden. „Wir haben zehn Jahre versucht, den Standort Ahaus zu halten und sogar auszubauen. Aber wir müssen mit den uns zur Verfügung gestellten Steuermitteln verantwortungsvoll umgehen.“

Neue Entwicklungen möglich

Wann der Mietvertrag für die Räume an der Parallelstraße gekündigt wird, darüber werde sich die Hochschule noch Gedanken machen.

Gleichwohl will Prof. Kriegesmann nicht völlig ausschließen, dass sich die Westfälische Hochschule eines Tages nicht doch wieder in Ahaus ansiedelt. „Vielleicht sind dann andere Studienangebote möglich, auf Grund welcher Entwicklungen auch immer. Man soll nie Nie sagen.“ Aktuell sei mit lediglich zwei Professoren-Stellen am Standort Ahaus aber nicht viel zu reißen.

Studium in Ahaus beenden

Die Hochschule will nun den Studienbetrieb in Ahaus geregelt zu Ende bringen. Bernd Kriegesmann hatte schon vor einiger Zeit im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, dass jeder, der sein Studium in Ahaus beginne, auch die Gelegenheit bekommen solle, es in Ahaus zu Ende zu beenden.

Neben den Firmen hat der Hochschul-Präsident auch Bürgermeisterin Karola Voß vom abzusehenden Ende der Hochschul-Ära in Ahaus informiert. „Sie war natürlich nicht erfreut. Schließlich hat sie sich in der Sache sehr engagiert.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt