„St. Horten“ zählt für Twitter-Nutzer zu hässlichsten Kirchen der Welt

hzInternet-Abstimmung

Die Ahauser Kirche St. Mariä Himmelfahrt hat eine besondere Optik. Auf Twitter ist sie Teil einer Abstimmung über die hässlichste Kirche der Welt. Doch hinter dem Beton steckt ein Konzept.

Ahaus

, 02.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hochhäuser, Steinblöcke, Bausünden: Auf Twitter läuft gerade eine Abstimmung über die hässlichste Kirche der Welt. Unter dem Hashtag #WCUC (World Cup of Ugly Churches) können User schon seit einigen Wochen munter abstimmen. Meistens beteiligen sich jeweils 200 bis 250. 82 Kirchen auf verschiedenen Kontinenten waren zunächst dabei, die 32 hässlichsten sind in der zweiten Runde aktuell noch vertreten.

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Ein Twitter-User hat auch die Ahauser Kirche St. Mariä Himmelfahrt für den Wettbewerb nominiert. Die gerasterten Wände des Kirchenschiffs, das 1965/66 nach Plänen des Architekten Erwin Schiffer entstand, erinnern an eine frühere große Kaufhauskette. Deswegen wird die Kirche im Volksmund ironisch „St. Horten“ genannt.

Gedicht über „St. Horten“

Dazu hat der bekannte satirische Autor Robert Gernhardt ein architekturkritisches Gedicht mit dem Titel „St. Horten in Ahaus“ verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Der Anblick der Kirche in Ahaus lässt zugleich weinen und lachen. Traurig, was die da sich trauen, komisch, was die da machen“.

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Stefan Jürgens, dem leitenden Pfarrer der Gemeinde, gefällt das Erscheinungsbild seiner Kirche dagegen sehr. „Ich finde die Symbolik großartig. Der Bau hat ein theologisches Konzept. Im Kirchbau von St. Marien ist die in der Offenbarung verheißene neue Stadt Jerusalem abgebildet.“ Diese werde in der Bibel als viereckig beschrieben. Die zwölf Steine von oben nach unten stehen für die zwölf Apostel.

Konzept zwischen Tradition und Moderne

Die Ahauser Kirche sei eher etwas für Kenner des Konzepts. „Der alte Kirchturm symbolisiert die Tradition der Kirche. Im später errichteten Kirchenschiff sitzt das Volk Gottes auf dem Weg ins Reich Gottes“, erläutert der Pfarrer. Stefan Jürgens kriegt aber auch häufiger Rückmeldungen von Menschen, die beim Blick auf das Gotteshaus direkt an Beton und Brutalismus denken.

In der Qualifikationsrunde setzte sich die Ahauser Kirche noch gegen die französischen Kirchen Notre-Dame-du-Rosaire des Lilas und die Kathedrale von Créteil sowie die Kirche St. Jakobus im pfälzischen Frankenthal durch.

Nicht hässlich genug

In der ersten Hauptrunde war „St. Horten“ dann aber nicht mehr hässlich genug. Die Kappal Matha in Tirunelveli (Indien) und die Friedenskirche im rheinischen Monheim sammelten mehr Stimmen und zogen in die zweite Runde ein.

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Dort treten sie unter anderem gegen eine Kirche an, deren Standort auf Twitter mit Vreden angegeben ist. Die „rosa aufblasbare Kirche“ ist eine mobile Kirche des Niederländers Pim Bottenberg, die man für Festivals und Privatfeiern, zum Beispiel Hochzeiten, nutzen kann. Er betreibt gemeinsam mit seinem Sohn ein Unternehmen für Vermietungen aufblasbarer Objekte. Die deutsche Postadresse befindet sich in Vreden. Die Kirche, die 18 Meter lang und 8 Meter breit ist, ähnelt auf den ersten Blick einer großen pinken Hüpfburg.

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Die rosa aufblasbare Kirche ist noch im Rennen um den Titel "hässlichste Kirche der Welt".

Die rosa aufblasbare Kirche ist noch im Rennen um den Titel „hässlichste Kirche der Welt“. © privat

Kirche mit Vredener Adresse noch vertreten

In der ersten Runde holte die rosa aufblasbare Kirche gegen drei Konkurrenten aus den USA, Mexiko und Japan 54 Prozent der Stimmen und könnte noch die eine oder andere Runde weiter kommen. Bald kann man auf Twitter wieder abstimmen. Pim Bottenberg meint dazu: „Wir würden gerne bei der Aktion gewinnen. Wir haben kein Problem damit und finden das lustig“. Bilder von der rosa Kirche seien bereits in zwei Büchern über besondere Kirchen in der Welt erschienen.

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