Ahauser soll Anwälte und Autoverleih betrogen haben – Richter spricht ihn frei

hzAmtsgericht Ahaus

Ein Ahauser soll eine Autovermietung und eine Anwaltskanzlei betrogen haben. So lautete die Anklage. Der Richter hatte allerdings Zweifel und sprach ihn frei – aus mehreren Gründen.

Ahaus

, 02.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst eine Autovermietung, dann eine Anwaltskanzlei: Zweimal soll ein Ahauser in den vergangenen Jahren Verträge abgeschlossen haben, deren vereinbarte Summen er nie habe zahlen wollen. In beiden Fällen wurde der 53-Jährige freigesprochen. Das Leben des Mannes war in den vergangenen Jahren gezeichnet von gleich mehreren Schicksalsschlägen. Auch der Richter sprach von einem „Schicksal, das keiner haben möchte“.

Allein das Vorlesen der Krankenakte des Angeklagten dauerte mehrere Minuten. Grob zusammengefasst konnte festgehalten werden, dass der Ahauser an einer Krebserkrankung leidet, bereits die zweite Lebertransplantation hinter sich hat und nierenkrank ist. Angefangen hatte alles im Sommer 2017. Etwa zur selben Zeit, im Juni, habe er auch seinen Job verloren, erklärte seine Verteidigerin.

Fast 1900 Euro wurden noch nicht gezahlt

Wenige Monate zuvor hatten er und seine Frau sich scheiden lassen. Das Leben des Angeklagten habe „einen schicksalhaften Verlauf genommen“, stellte der Richter fest. Eigentlich ging es aber um die zwei Fälle im Jahr 2015 und 2016, in denen der Ahauser Verträge abschloss und die vereinbarte Summe bis heute nicht vollständig zahlte.

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Für mehr als einen Monat hatte er 2015 ein Auto gemietet. Noch immer sind fast 900 Euro offen. Ebenso wie fast 1000 Euro, die eine Anwaltskanzlei noch immer nicht von dem 53-Jährigen bekommen hat. Darüber, dass die Summen noch nicht gezahlt wurden, waren sich alle Anwesenden einig. Doch es gab Diskussionen darüber, ob der Angeklagte wirklich vor hatte, das Geld niemals zu zahlen oder nicht.

„Man kann nicht anders als davon ausgehen, dass es nicht gewollt war, zu zahlen“, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Und das sei dann eben Betrug. Daher forderte sie für beide Taten insgesamt 40 Tagessätze je 10 Euro. Zudem solle die noch ausstehende Summe vom Angeklagten eingezogen werden.

„Der Strafbefehl hätte gar nicht unterschrieben werden dürfen“

Für den Angeklagten, so argumentierte seine Verteidigerin und so sah es am Ende auch der Richter, sprach jedoch, dass er beim Abschließen des Mietvertrages für das Auto bereits 655 Euro in bar gezahlt hatte. „Das spricht nicht unbedingt dafür, dass er nicht vor hatte, das Auto zu bezahlen“, stellte der Richter fest.

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Auch die Tatsache, dass vom Angeklagten nie eine Reaktion auf die Rechnungsschreiben, die sowohl per Mail als auch per Post verschickt wurden, kam, reichte dem Richter nicht als Nachweis für einen vorsätzlichen Betrug. Denn der Ahauser war die meiste Zeit in medizinischer Behandlung. Zudem verschickte die Anwaltskanzlei die Rechnungen an die Hausnummer 73, während der Angeklagte im Haus mit der Nummer 71 lebte.

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Sowohl die Autovermietung als auch die Anwälte hätten gar nicht gewusst, wo sich der Angeklagte aufhielt. „Die Rechnungen haben ihn scheinbar nie erreicht“, so der Richter. Da es keinen Beweis oder wirklichen Verdacht für das vorsätzliche Nichtzahlen der Rechnung gab, wurde der Angeklagte letztendlich freigesprochen. „Der Strafbefehl hätte gar nicht unterschrieben werden dürfen“, wurde der Richter am Ende deutlich.

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