Ahauser Traditionsbetrieb: „Blumenhaus Nienhaus“ muss nach 132 Jahren schließen

hzBlumenhaus Nienhaus

Nach 132 Jahren hat das Blumenhaus Nienhaus in Ahaus sein Geschäft offiziell im Dezember geschlossen. In diesem Fall waren nicht die Mitbewerber oder finanzielle Probleme der Grund.

von Christin Lesker

Ahaus

, 03.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das „Blumenhaus Nienhaus“ ist in Ahaus eine Institution. Mit Christel Schlettert wurde das älteste Floristikgeschäft der Stadt in fünfter Generation geführt. Nach 132 Jahren Firmengeschichte an der Wüllener Straße musste das Geschäft Anfang Dezember geschlossen werden.

Anders als für viele Blumengeschäftschließungen bundesweit sind allerdings nicht die Konkurrenz zum Internet oder Discounterblumen der Grund dafür. "Zu uns kamen die Kunden wegen besonderer Wünsche und Qualität", erklärt Hubi Nienhaus, der das Blumenhaus gemeinsam mit seiner Frau Lisa 20 Jahre lang geführt hat. "Aus finanziellen Gründen hätte der Laden nicht geschlossen werden müssen."

Familie steht über Geschäft

"Uns war klar, das muss jemand Jüngeres weiter machen", erklärt Hubi Nienhaus. Seit der Übernahme durch Christel Schlettert war er mit seiner Frau Lisa weiterhin im Blumenhaus angestellt. Die ersten Jahre nach der Übernahme liefen sehr gut.

Allerdings zwingen Christel Schlettert persönliche Gründe, ihren Laden nun aufzugeben. "Ich habe eine einjährige Tochter", erklärt sie, "durch den Laden hatte ich viel zu wenig Zeit für sie". Das soll sich nach der Kündigung des Pachtvertrages und der Schließung endlich ändern. "Das war natürlich keine leichte Entscheidung", macht sie klar.

Ahauser Traditionsbetrieb: „Blumenhaus Nienhaus“ muss nach 132 Jahren schließen

Hubi Nienhaus leitete das Geschäft 20 Jahre gemeinsam mit seiner Frau. © Christin Lesker

Alle sechs Angestellten haben seit der Kündigung des Pachtvertrages Anfang Juni 2019 eine neue Arbeitsstelle gefunden. Deshalb war der Laden zuletzt auch nur noch halbtags geöffnet und steht trotz offizieller Schließung zum 31. Dezember schon seit dem 1. Dezember leer.

Umbau im vollen Gange

"Wir sind beide über 60 und meiner Frau geht es gesundheitlich nicht gut genug", erwidert Hubi Nienhaus auf die Frage, warum das Ehepaar den Laden nicht selbst wieder übernimmt. Zwar haben die beiden nach einem anderen Nachfolger geschaut, aber mit 350 Innen- und knapp 600 Quadratmetern Außenfläche war der Betrieb den meisten einfach zu groß. "Deshalb wird der neue Pächter kein Blumengeschäft dort eröffnen", verrät der 62-Jährige. Der Ahauser ist zukunftsgewandt. "Ich breche schon jetzt vieles im alten Laden ab", erklärt er.

Es geht weiter

"Natürlich ist es schade", findet Lisa Nienhaus, wenn sie auf ihr Traditionsgeschäft zurück schaut. "Aber es gibt auch etwas Gutes", macht ihr Mann deutlich "ein Stück unseres Ladens bricht weg, aber ein anderer Teil geht weiter". Damit meint Hubi Nienhaus die Übernahme der Grabgestaltung und Grabpflegeverträge durch die Garten- und Landschaftsbau Firma Markus Lendring. Dieser Eintritt in die Firma ermöglicht dem 62-Jährigen, seine jahrelangen Friedhofsarbeiten ab dem 1. April 2020 wie gewohnt weiter zu führen.

Lange Familiengeschichte

1894 baute Felix Holtkötter aus Ostbevern das heutige Wohnhaus. Seine Tochter Ida heiratete 1921 den aus Nienborg stammenden Gärtnermeister Clemens Nienhaus, der das Geschäft übernahm. Seit 1961 lag die Verantwortung des Gärtnerei- und Floristikbetriebes in den Händen seines Sohnes Felix und dessen Frau Resel.

Im Jahre 1995 übergaben Felix und Resel Nienhaus ihren Betrieb an Sohn Hubi Nienhaus. Seither führte der Ahauser das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Lisa, bis die beiden es vor fünf Jahren an Christel Schlettert verpachteten. Keines der drei Kinder wollte den gleichen Weg wie ihre Eltern gehen, deshalb übergab das Paar den Laden mit Christel Schlettert zum ersten Mal an jemanden, der nicht zur Familie gehört. „Christel war damals schon gut mit unseren Kindern befreundet“, erklärt Hubi Nienhaus. Damit ist die Ahauserin für die Familie keine Unbekannte gewesen und arbeitete auch schon vor der Übernahme in dem Blumengeschäft als Floristin.

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