Die beiden Geschäftsführer von Wenker, Franz Leers (l.) und Detlev Herking, mit zwei Varianten des Virencrackers: dem Modell für Konferenzräume zwischen sich und einer Variante für kleine Räume (rechts). Die Geräte sollen in wenigen Wochen auf den Markt gebracht werden. © Stephan Rape
Virencracker

Ahauser Unternehmen Wenker entwickelt Gerät gegen Virenbelastung

Der Virencracker der Ahauser Firma Wenker soll bis zu 99,95 Prozent der Viren unschädlich machen. Es wird gerade marktreif. Der Clou liegt in der Kombination aus UV-Licht und Ultraschall.

Das Ahauser Unternehmen Wenker möchte etwas gegen die Corona-Pandemie tun und bringt in diesen Tagen ein eigenes Luftreinigungsgerät auf den Markt: Der Virencracker soll bis zu 99,95 Prozent der Viren in der Luft unschädlich machen.

Dafür setzt das Gerät auf eine Verbindung aus Ultraschall und UV-C-Licht. Es sei bekannt, dass UV-C-Strahlung Viren unschädlich mache. Doch seien die Viren zu klein, um zuverlässig von der Strahlung getroffen zu werden, erklärt Franz Leers, einer der Geschäftsführer der Firma Wenker. Deswegen seien im Virencracker Piezoelemente vor der Lichtquelle angeordnet. „Die funktionieren wie kleine Lautsprecher“, erklärt Detlev Herking, ebenfalls Wenker-Geschäftsführer.

Viren werden per Ultraschall zu Klumpen zusammengeklebt

Diese Elemente senden Ultraschall aus. Dadurch werden einzelne Viren „zusammengeklebt“. „So wie man Schneeflocken zu einem Schneeball zusammenpresst“, verdeutlicht Franz Leers. Diese Viren-Klumpen könnten dann durch die UV-Strahlen leicht getroffen werden. „Weil sie groß genug sind“, erklärt er. Dadurch würden die Viren zerstört und unschädlich gemacht.

Der Vorteil: Weil es keine Filter gibt, halte sich auch die Wartung in sehr engen Grenzen. „Filter setzen sich früher oder später zu“, erklärt Detlev Herking. Dann müssten sie getauscht werden. Einerseits bedeute das Gefahren für das Personal, andererseits müssten die benutzten Filter teils sehr aufwendig entsorgt werden.

Untersuchungen und Praxistest beweisen Wirksamkeit

Untersuchungen hätten bereits die Wirksamkeit der Geräte bewiesen. 99,95 Prozent der Viren in der Luft könnten damit unschädlich gemacht werden. Dazu gebe es auch erste Ergebnisse aus den USA. Dorthin habe Wenker bereits eine erste Charge von rund 600 Geräten geliefert. Aktuell laufe die Zertifizierung bei mehreren Instituten.

In zwei oder drei Wochen sollen die Geräte marktfähig sein und dann vertrieben werden. „Mitte März“, peilt Detlev Herking dafür an. Preise nennt das Unternehmen bisher nicht. Nur so viel: In der Anschaffung lägen die Geräte etwa über dem Preis von bisherigen Filtersystemen, im Betrieb seien sie dafür dann deutlich günstiger. Einerseits wegen der günstigen Wartung, andererseits weil die Geräte nicht so viel Strom benötigen.

„In einem Filter muss ja ein hoher Widerstand überwunden werden“, sagt Franz Leers. Das kostet Energie. Diesen Widerstand gebe es beim Virencracker jedoch nicht. Das führe auch dazu, dass die Geräte deutlich leiser betrieben werden können als vergleichbare Filteranlagen.

Große Zielgruppe ist im Moment noch nicht definiert

Die Zielgruppe sei bisher noch gar nicht endgültig definiert. Klar sei aber, dass die Geräte an jeden Raum angepasst werden könnten. „Schulklassen, Arztpraxen, Wartebereiche, Konferenzräume“, zählt Franz Leers nur eine kleine Auswahl auf. Der Virencracker lasse sich schnell an unterschiedliche Raumgrößen anpassen. Das ganze System sei leicht skalierbar. Für einen herkömmlichen Klassenraum seien beispielsweise zwei größere Geräte nötig, um die Luft zu säubern.

Auch in der Zeit nach der Corona-Pandemie gebe es eine Menge Anwendungsgebiete: zum Beispiel überall dort, wo Feinstaub oder extrem kleine Partikel aus der Luft geholt werden sollen. Etwa als Vorstufe zu einer Filterung.

Spezialisierung auf Modulbauweise für Kreuzfahrtschiffe

Das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen Wenker hat sich in den vergangenen Jahren auf die Produktion von Kabinen für Kreuzfahrtschiffe spezialisiert. Im vergangenen Sommer erweiterte es sein Angebot auf Module für Krankenhäuser.

Aktuell sind bei dem Unternehmen an der Boschstraße 164 Mitarbeiter fest angestellt. Zehn bis zwölf sollen sich um Produktion und Vertrieb der Virencracker kümmern.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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