Ahauser Winterzauber: Lob und Kritik für neues Corona-Konzept

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Der Ahauser Winterzauber soll trotz Corona stattfinden. Das nun vorgestellte erste Konzept erhielt neben viel Lob auch Kritik. Die Sorge: Große Menschenansammlungen in der Innenstadt.

Ahaus

, 09.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den vergangenen Jahren belegte Ahaus regelmäßig einen der vorderen Plätze beim bundesweiten Wettbewerb „Best Christmas City“. Das Konzept „Ahauser Winterzauber“ hat sich bewährt und lockt in der Weihnachtszeit viele Einheimische und Auswärtige in die Stadt. Der Wunsch von „Ahaus Marketing und Touristik“ (AMT) ist daher, dass der Winterzauber auch in diesem Jahr stattfindet. Er sorge für eine fünfwöchige Belebung der Innenstadt. Allerdings wurde das Konzept wegen der Corona-Pandemie komplett überarbeitet.

Den ersten Entwurf stellte AMT-Geschäftsführerin Claudia Platte nun dem Rat vor. Schon in ihrer Einleitung sprach sie davon, dass man mit Augenmaß schauen müsse, was geht und was nicht: „Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist uns wirklich wichtig?“ Eine erste Änderung: Der Wochenmarkt bleibt anders als im Vorjahr am Mahner. Das hatten sich Händler und Gewerbeverein gewünscht.

Nur kleines Programm bei „Ahaus leuchtet auf“

Veränderungen sind auch beim Event „Ahaus leuchtet auf“ geplant. „Ich habe die Stadt in meiner dreijährigen Tätigkeit noch nie so voll gesehen. Zu Corona-Zeiten wäre das aber unverantwortlich“, erklärte Claudia Platte. Daher wolle man in diesem Jahr am Freitag, 20. November, komplett auf eine offizielle Veranstaltung verzichten und nur ein schmales Rahmenprogramm zur längeren Öffnung des Einzelhandels (bis 21 Uhr) bieten.

„Torbogen und Kirchturm werden illuminiert, die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet. Auf weitere Aktionen und überregionale Werbung wird verzichtet“, so die AMT-Geschäftsführerin. Bürgermeisterin Karola Voß ergänzte: „Die Leute sollen in die Stadt kommen, um den Handel zu beleben. Es wird nicht vergleichbar sein zum Vorjahr.“

Holzfassaden und offene Hütten

Festhalten möchte man bei Stadtverwaltung und AMT aber an den Holzfassaden vor den Geschäften und gastronomischen Betrieben; diese sogar ausbauen. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, die Fassaden sorgen für eine tolle Atmosphäre und Gemütlichkeit“, betonte Claudia Platte. Zur Entzerrung sind in diesem Jahr erstmals fünf offene Hütten geplant, die sich über die gesamte Fußgängerzone verteilen.

An diesen Stellen soll es zum Beispiel gastronomische Angebote geben. „Hier kooperieren wir mit den örtlichen Anbietern. Bestellt werden kann per QR-Code“, so Platte. Außerdem gebe es die Überlegung, in den aktuell leer stehenden Geschäften Pop-up-Angebote zu schaffen. Im Schlossgarten könnte es außerdem einen Glühwein-Garten geben, das Interesse von zwei Ahauser Gastronomen ist hinterlegt.

Eine große Hütte mit Glühweinstand und Eisfläche ist auch in diesem Jahr am südlichen Ende der Fußgängerzone geplant. Das Eislaufen wäre über Slots buchbar, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig unterwegs sind. Die Obergrenze läge hier bei 70. Die Rodelbahn, die im Vorjahr auf dem Marktplatz hohen Andrang erfuhr, wurde in Abstimmung mit Rat und Eigentümer wegen der Infektionsgefahr zu den Akten gelegt.

Vier Eingangsbereich mit Holztürmen

Die vier Eingangsbereiche zum Winterzauber sollen mit Holztürmen klar definiert sein. Hier gibt Desinfektionsspender, QR-Codes für die Rückverfolgung und Hinweise zu den geltenden Hygieneregeln. „Mit diesen Hinweisen möchten wir den Besuchern ein gutes und sicheres Gefühl geben. Denn viele haben aktuell Angst“, erklärte die AMT-Geschäftsführerin.

Im Anschluss an ihre Präsentation musste sie sich vielen Fragen stellen. Zwar wurde das Konzept überwiegend positiv bewertet, aber es gab auch kritische Stimmen. So merkte Norbert Frankemölle von der WGW an: „Ich halte einige der geplanten Dinge nicht für klug. Wir haben während der Weihnachtszeit zu viele Attraktionen. Die Stadt wird an ‚Ahaus leuchtet auf‘ brechend voll sein.“ Die lange Öffnung der Geschäfte an diesem Tag betrachtete er ebenfalls kritisch: „Damit versucht man bewusst, eine große Zahl von Leuten in die Stadt zu locken.“

Bedenken wegen des Alkoholkonsums

Klaus Lambers (SPD) sprach sich zwar positiv für den Winterzauber 2020 aus, erhob aber ebenfalls Bedenken: „Wir müssen die Anzahl der Besucher im Auge behalten und gegebenenfalls über Ordnungsmaßnahmen nachdenken. Der Alkoholpegel fördert die Leichtsinnigkeit. Darauf muss man vorbereitet sein.“ Claudia Platte antwortete: „Wir haben 5000 Euro für zusätzliche Security und Hygienemaßnahmen eingeplant.“

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Karola Voß sprang ihr zur Seite: „Es findet draußen unter freiem Himmel statt und auch jetzt wird schon Alkohol in der Gastronomie ausgeschenkt.“ Dietmar Eisele (Die Grünen) sieht auch die Stadt in der Pflicht: „Es ist unsere Innenstadt, daher sind wir verantwortlich. Wir sollten uns daher keinen schlanken Fuß machen und unsere Ordnungsmitarbeiter auf den Weg schicken, die im Fall der Fälle Ansammlungen auflösen können.“

Begrenzung der Innenstadt „nicht zu finanzieren“

Thomas Vortkamp (CDU) fragte an, ob man die Besucher der Innenstadt im Fall der Fälle in irgendeiner Form begrenzen könne. Das hält Claudia Platte für unrealistisch: „Dafür müsste man die ganze Fußgängerzone absperren. Das ist in diesen Zeiten nicht zu finanzieren.“

Am Ende der Debatte stimmten fast alle Ratsmitgliedern den Plänen zu, nur Felix Ruwe (UWG) und Nobert Frankemölle stimmten dagegen. Karola Voß deutete an, dass das Konzept noch nicht in Stein gemeißelt ist: „Vielleicht müssen das Anschalten der Weihnachtsbeleuchtung und der Tag, an dem der Handel länger öffnet, nicht zusammenliegen.“

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