Alles nur Hysterie? Krankenhäuser sind auf Corona-Virus vorbereitet

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Mit dem Corona-Virus rechnet im Klinikum Westmünsterland niemand. Vorbereitet für den Ernstfall ist man trotzdem. Mehr Sorge macht hier die aufkommende Grippewelle.

Ahaus

, 10.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Praxen und Kliniken melden sich zunehmend Menschen mit vermeintlichen Symptomen des Corona-Virus. Doch oft stecken Influenzaviren dahinter – und damit die normale saisonale Grippe, die gerade wieder vermehrt auftritt. Ob Corona- oder Influenza-Viren – die Verhaltensweisen in den Krankenhäusern der Region sind ähnlich.

„Aktuell wird kein Patient mit einer Infektion durch das neuartige Corona-Virus behandelt“, informiert Tobias Rodig, Sprecher des Klinikums Westmünsterland auf Anfrage der Redaktion. Dass so ein Fall eintrete, werde als sehr unwahrscheinlich angesehen. Auch das Robert-Koch-Institut schätze die Gefahr für Deutschland momentan als gering ein.

Vorbereitet ist man trotzdem. Rodig: „Die Krankenhausstandorte Ahaus, Bocholt und Borken erfüllen die Voraussetzung zur Aufnahme von Patienten, die mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert sind.“ Das gelte auch für das nicht zum Klinikum gehörende Krankenhaus in Gronau. Das Klinikum Westmünsterland stehe in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt des Kreises Borken.

Grippe-Welle beginnt gerade erst

Zurzeit nimmt die Grippe-Welle Fahrt auf. Auch in den Krankenhäusern des Klinikums Westmünsterland werden gerade wieder verstärkt Patienten mit Influenza behandelt. „Die Zahl ist aber noch nicht vergleichbar mit der Grippesaison 2018“, so Tobias Rodig.

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Er rechnet aber noch mit einem Anstieg, gerade in der anstehenden Karnevalssaison. Größere Menschenansammlungen fördern die Ansteckungsgefahr. Rodig: „Wer bis jetzt noch nicht betroffen ist, sollte aufpassen. Die Erreger finden sich fast überall – auf Türklinken, Computertastaturen und besonders gern auf dem Display des Smartphones.“

Bei Grippe wie Corona-Virus sind die Symptome ähnlich. Fieber, starkes Krankheitsgefühl und Atemwegsprobleme gehören dazu. Tobias Rodig beschreibt das Verfahren: Bei begründetem Verdacht auf eine übertragbare Erkrankung werden im Klinikum geeignete Präventions- und Schutzmaßnahmen eingeleitet, um eine „nosokomiale Verbreitung des Erregers“, also eine Weiterverbreitung im Krankenhaus zu verhindern.

Kohortenisolierung, wenn mehrere Menschen erkranken

Patienten mit aktuellen Infektionen der Atemwege werden in Einzelzimmern untergebracht. Sind mehrere Patienten am gleichen Erreger erkrankt, die sich also nicht mehr gegenseitig anstecken können, gibt es eine sogenannte Kohortenisolierung.

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Für die Mitarbeiter gehört zur Vorbeugung gegen die Übertragung durch Tröpfchen auch das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung, bestehend aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und direkt anliegendem, mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz sowie gegebenenfalls einer Schutzbrille beim Betreten des Patientenzimmers.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt ein Verdachtsfall auf das Corona-Virus nur dann vor, wenn ein Mensch eine akute Infektion der unteren Atemwege aufweist und bis maximal 14 Tage vor dem Beginn der Erkrankung in einem Risikogebiet (chinesische Provinz Hubei inklusive Wuhan) war.

Robert-Koch-Institut informiert regelmäßig

Als Verdachtsfall wird auch eingestuft, wenn die Person nur Symptome wie Husten hat, aber in direktem Kontakt mit einem Erkrankten war. In diesen beiden Fällen soll ein Test auf das Virus veranlasst werden. Eine Liste der Risikogebiete erhält das Klinikum Westmünsterland regelmäßig in aktualisierter Form durch das Robert-Koch-Institut.

Bei einem Patienten mit bestehendem Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Corona-Virus, muss dies dem Gesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz spätestens innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.

Der Kreis Borken als Träger des Rettungsdienstes arbeitet mit sogenannten Standard-Arbeitsanweisungen für den Tagesablauf im Rettungsdienst. Das berichtet Pressesprecherin Ellen Bulten. „Die bereits vorhandenen Anweisungen für den Umgang mit möglicherweise infektiösen Patienten wurden um Besonderheiten des Corona-Virus erweitert.“

Nicht anders als bei Masern oder Norovirus

Dabei werden die Vorgaben insbesondere um Melde- und Informationswege ergänzt (beispielsweise an die ärztliche Leitung Rettungsdienst und das Kreisgesundheitsamt), der eigentliche Umgang mit den potenziell infizierten Patienten entspricht den bislang üblichen Vorsichtsmaßnahmen.

Ellen Bulten: „Auch der Transport zum Krankenhaus, die Übergabe und die anschließende Desinfektion des Rettungsmittels unterscheiden sich nicht von den vorhandenen Regelungen bei vergleichbaren Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Masern oder Norovirus.“

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