Alte Schätzchen auf Schnitzeljagd

hzADAC-Classic-Rallye

Die vierte internationale ADAC-Classic-Rallye ist am Samstagvormittag am Ahauser Schloss gestartet. Mit viel Stil und Pferdestärken drehte die Kolonne eine Runde durchs Westmünsterland.

Ahaus

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Digitaluhr zeigt kurz vor elf an. Thomas Ringkamps Blick schweift die schmale Straße hinunter, rechts von ihm wogt grüner Mais - ansonsten ist es still. „Wenn der erste Käfer um die Ecke kommt, ist das ein Highlight für mich“, sagt Ringkamp, der an diesem Samstagvormittag mit seinem Kollegen Ulrich Helling vom Automobilclub Ahaus als Streckenposten fungiert.

Hier, mitten im Nirgendwo neben dem Unternehmen Hülsta in der Ottensteiner Bauerschaft Hörsteloe, steht den Old- und Youngtimern die erste Sollzeitprüfung der vierten Ahauser ADAC-Classic-Rallye bevor. Erst vor knapp einer halben Stunde sind die Wagen am Barockschloss gestartet.

Opel von 1936

64 Männerträume in Blech und Chrom, der älteste Teilnehmer ein Opel P4, Baujahr 1936, sind diesmal dabei. Und eigentlich sollten die ersten um 11.08 Uhr bereits den Messpunkt passieren. Doch die Rallyeteams verspäten sich.

Schließlich erklingt von fern ein charakteristisches Röhren, und um 11.13 Uhr biegen schließlich ein weißer Mercedes Benz 280 SL und direkt dahinter ein weißer MG A in die Straße ein. Der BMW-Beifahrer flucht erst einmal herzhaft, als er den Zettel abgibt, auf dem Ulrich Helling schließlich die Zeit einträgt.

Ehrgeizige Teilnehmer

Für viele Teilnehmer geht es in erster Linie um Punkte und dabei verstehen sie dann keinen Spaß mehr. Thomas Ringkamp kann das nicht verstehen. „Wer Ehrgeiz hat, das ist okay, aber da muss auch noch ein bisschen Spaß dabei sein“, findet er und macht mit seinem Smartphone ein Foto von dem britischen Sportwagen.

Fahrtleiter Guido Krieger kommt dazu und bringt Nachrichten vom Start. „Regen gibt‘s nicht. Und in der Stadt läuft alles rund“, sagt er und erklärt gleich den Unterschied zwischen touristischen und sportlichen Teilnehmern: „Die sportlichen Teilnehmer überlegen sich schon, welcher Pfeil ist näher dran, wo muss ich jetzt ab? Die touristischen fahren das einfach ab.“

Alte Schätzchen auf Schnitzeljagd

Der rote Opel GT am Messpunkt in Hörsteloe. Hier trägt Ulrich Helling (M.) die Zeit in den Laufzettel ein. © Anna-Lena Haget

Ausgerüstet mit einem Streckenbuch, schlagen sich die Teams von Ahaus aus über Ottenstein, um Stadtlohn herum über Holtwick und Rosendahl bis nach Darfeld durch. Endpunkt der Rallye wird wieder das Ahauser Schloss sein.

Inzwischen staut es sich vor dem Streckenposten. Ein silberner BMW und ein schwarzer Ford Mustang warten geduldig hinter einem roten Mercedes 350 SL. „Wir sind etwas spät dran. Welche Zeit hätten wir den haben müssen?“, fragt Wolfgang Schütt, Co-Pilot des 350 SL. Doch Ulrich Helling beruhigt ihn. „Wieso? ist doch alles gut. Die sind heute alle in bisschen spät dran“, sagt der Ahauser.

Internationales Teilnehmerfeld

Für die Männer an der Strecke bietet das weitläufige Teilnehmerfeld aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden aber auch das Potenzial, in Erinnerungen zu schwelgen. Ein Opel GT mit Rennwagenlackierung rumpelt heran und Ulrich Hellings Augen beginnen zu leuchten. „Genau so einer war das, 1986 meine erste Rallye in Ahaus“, sagt er träumerisch.

Denn auch Helling und seinen Kollegen hat das Rallyefieber schon vor langer Zeit gepackt. „Das geht nur als Team. Ich fahre jetzt schon seit 30 Jahren mit Guido Krieger als Team und wenn wir einen Fehler machen, dann machen wir den zusammen und wenn wir gewinnen, gewinnen wir auch zusammen“, beschreibt Helling den Zusammenhalt im Team.

Messpunkt in Legden

Schließlich, um kurz nach 13 Uhr, fährt der letzte Rallyeteilnehmer über den Messpunkt. Thomas Ringkamp und Ulrich Helling haben aber noch längst nicht Feierabend. „Wir müssen um 15 Uhr beim nächsten Messpunkt sein. Irgendwo in Isingort, wo auch immer das ist...“, sagt Ringkamp lächelnd und packt die große Digitaluhr wieder ein.

Um ihr nächstes Ziel in der Legdener Bauerschaft zu erreichen, verlassen sich die beiden übrigens nicht auf einen Oldtimer, sondern fahren mit einem modernen Auto. Manchmal siegt halt notgedrungen die Vernunft über das Gefühl.

Wie die Westmünsterländer sich platzierten

In der touristischen Wertung mit 46 Teilnehmern platzierten sich folgende Teams aus dem Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung wie folgt: 16. Bodo und Rudi Ungrund auf Ford Escort (Klassensieger der Klasse 11) 20. Kai Schmitz und Patrick Vennes auf Opel GT 22. Jost Remus und Jan Gerd Vöcking auf VW Golf GTD 25. Ingo und Erika Damhuis auf Triumph TR 6 26. Robert und Daniela Schaten auf VW Käfer 29. Ralf Remusund Gerhard Vöcking auf VW 1600 L 34. Hendrik Plate und Hermann Schulz auf Porsche 911 SC 36. Peter Merkler und Frank Eynck auf Mercedes 190 D 37. Carina Merkler und Isabel Cantorna auf VW Käfer 38. Jan und Hans-Jürgen Hoge auf Porsche 356B 40. Thomas Farwerk und Bernd Kuse auf Opel Olympia Rekord 41. Florian Schulten und Rainer Schulter auf Jaguar XJ Das Team Josef und Agnes Schulte auf einem Opel P4 erreichten nicht das Ziel.
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