Für den Prozess am Dienstag gibt es im Amtsgericht Ahaus nicht genug Platz: Gegen sieben Angeklagte wird in der Stadthalle Ahaus verhandelt. © Stephan Rape
Mammutprozess

Amtsgericht weicht in Stadthalle aus und verhandelt gegen sieben Angeklagte

Für sieben Angeklagte beginnt am Dienstag in Ahaus der Prozess. Im Amtsgericht ist dafür kein Platz. Für den Mammutprozess weichen Richter und Schöffen aus – zum ersten Mal in die Stadthalle.

Es ist ein Prozess wie Benedikt Vieth ihn in seinen elf Jahren als Direktor des Amtsgerichts Ahaus noch nicht erlebt hat. Auch aus der davorliegenden Vergangenheit ist ihm ein ähnlicher Fall noch nicht bekannt: Weil gleichzeitig gegen sieben Angeklagte verhandelt wird, muss das Gericht ausweichen. In die Ahauser Stadthalle.

Zu den Vorwürfen oder Hintergründen der Angeklagten sagt er am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion noch nichts. Nur so viel: Es geht wohl um Körperverletzung. Und die einzelnen Vorwürfe hängen so zusammen, dass eine Aufteilung des Verfahrens auf einzelne Termine nicht in Frage gekommen sei.

Kein Platz im großen Gerichtssaal des Amtsgerichts

Sieben Angeklagte, sieben Verteidiger, der hauptamtliche Richter, ein weiterer Richter zur Unterstützung, die ehrenamtlichen Schöffen, Mitarbeiter des Gerichts, etliche Wachtmeister – schon unter normalen Umständen würde der große Saal I im Ahauser Amtsgericht da an seine Grenzen stoßen. „Da hätte ich schon meine Bedenken gehabt, ob das funktioniert“, sagt Benedikt Vieth.

Jetzt, unter den Bedingungen der Corona-Schutzverordnung, sei es natürlich absolut undenkbar, so einen Prozess im normalen Gerichtssaal über die Bühne zu bringen. „Da mussten wir uns etwas einfallen lassen“, sagt der Direktor. Erste Idee sei gewesen, mit dem Prozess in die Säle des Landgerichts Münster auszuweichen.

Landgericht hatte keine Säle frei

Das sei durchaus gängige Praxis. Vorteil dort: Die gesamte Sicherheitstechnik und weitere Ausstattung ist bereits vorhanden. Doch im Landgericht waren keine freien Säle zu bekommen.

„Wegen der Vielzahl der Missbrauchsprozesse dort ist alles ausgebucht“, sagt Benedikt Vieth. Zweite Variante wäre der Fürstensaal des Ahauser Schlosses gewesen.

Auch dorthin weicht das Amtsgericht aktuell schon einmal aus. Für Zwangsvollstreckungen. „Bei den aktuellen Bedingungen auf dem Immobilienmarkt ist das Interesse an den Terminen riesig“, sagt Benedikt Vieth. Und auch die Zwangsvollstreckungen müssen ja unter Coronabedingungen stattfinden. Für einen Prozess eigne sich der Saal allerdings nicht gut.

Drei Verhandlungstage sind angesetzt

Die Suche ging also weiter – und endete schließlich an der Ahauser Stadthalle. Für das Amtsgericht galt es nun aber noch, den passenden Rahmen abzustecken: Sicherheitstechnik, zusätzliche Wachtmeister, eine passende Mikrofonanlage – all das musste organisiert werden. Gut ein halbes Jahr dauerte allein die Vorbereitung für die Verhandlung.

Am Dienstag, 14. September, um 9 Uhr nimmt der Prozess seinen Auftakt. Wie lange an diesem Tag verhandelt wird, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass noch längst kein Urteil zu erwarten ist: Bisher ist der Prozess auf drei Verhandlungstage angesetzt.

Die Fortsetzungen sind für den 21. und 24. September vorgesehen. Auch diese Verhandlungstage beginnen jeweils um 9 Uhr in der Stadthalle.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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