Andreas Beckers kritisiert Haltung der UWG – und will sie verlassen

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Der UWG-Ratsherr Andreas Beckers zieht sich aus der Ahauser Politik zurück und tritt bei der nächsten Wahl nicht mehr an. Die UWG erfuhr das erst durch Recherchen unserer Redaktion.

Ahaus

, 04.06.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Beckers, bisher Ratsherr für die UWG Ahaus, will nach dem Ende dieser Ratsperiode nicht mehr in der Politik tätig sein und auch die UWG verlassen. Das erklärte er am Donnerstagmorgen in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Ausschlaggebend für seine Entscheidung war wohl die jüngste Mitgliederversammlung der UWG. Dort wurden die Kandidaten für die kommende Kommunalwahl aufgestellt. Andreas Beckers kam auf den zehnten Platz. „Das war für mich schon ein Schlag ins Gesicht“, sagt der 58-Jährige. Seine Fraktion und die UWG insgesamt habe anscheinend kein Vertrauen mehr in seine Arbeit. „Und dabei habe ich einen guten Job gemacht, wie ich finde“, erklärt er.

Keine Abrechnung mit der UWG

Beckers wolle die UWG weder schlecht machen noch setze er jetzt zur großen Abrechnung an, wie er verdeutlicht. Dennoch habe es eine Verschiebung in der Unabhängigen Wählergruppe gegeben: Hin zu linker Politik und dabei mit besonders großem Schwerpunkt auf der Sozialpolitik. Die sei ohne Zweifel wichtig, doch könne in Ahaus nicht die komplette Landespolitik gemacht werden. „Wir sind nicht Düsseldorf oder Münster, sondern ein wohlbehütetes Mittelzentrum im Westmünsterland“, macht er deutlich.

Er selbst zähle sich zum konservativen Flügel in der UWG, sagt er. Doch dieser Flügel bekomme immer weniger Gewicht. „Aber man darf doch nicht nur Politik für einen Flügel machen“, fügt er hinzu.

Kritik an der Verwaltung sei nicht gewollt

Gleichzeitig ärgere er sich darüber, dass Kritik an der Ahauser Verwaltung und der Verwaltungsspitze in der UWG nicht gewollt sei. „Die Verwaltung ist nicht unfehlbar. Sie macht teilweise einen guten Job. Aber wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler“, sagt er. Diese Fehler anzusprechen, sei in der UWG aber nicht gewollt. „Ich bin aber in keinem Fanckub der Verwaltung“, erklärt Andreas Beckers weiter.

Das Tiny-House-Projekt in Ahaus ist Teil von Andreas Beckers‘ Kritik. Er habe sich dafür stark gemacht, doch von der Ahauser Verwaltung sei trotz Beschlüssen im Rat nichts gekommen. Kritik daran, sei von der Ahauser UWG nicht gewünscht gewesen. Das sieht die Wählergruppe jedoch anders.

Das Tiny-House-Projekt in Ahaus ist Teil von Andreas Beckers‘ Kritik. Er habe sich dafür stark gemacht, doch von der Ahauser Verwaltung sei trotz Beschlüssen im Rat nichts gekommen. Kritik daran sei von der Ahauser UWG nicht gewünscht gewesen. Das sieht die Wählergruppe jedoch anders. © Christian Bödding

Bis zum Ende der Ratsperiode werde er seine Aufgaben aber gerne wahrnehmen. Danach werde er aus der UWG austreten.

Andreas Beckers war 2014 mit der UWG in den Ahauser Rat eingezogen. Davor hatte er fünf Jahre lang kein politisches Amt bekleidet. Wiederum davor hatte er für die Ahauser FDP im Rat gesessen. Diese Partei hatte er 2009 verlassen. Wie er am Donnerstag erklärte, lag das an dem damaligen Standpunkt der FDP zum Brennelementezwischenlager. Nun ein erneuter Parteiaustritt.

UWG reagiert überrascht auf den angekündigten Austritt

Deutlich überrascht reagierte darauf am Donnerstagvormittag Gerrit Messelink, Vorsitzender der UWG Ahaus. Weder ihm noch dem UWG-Fraktionsvorsitzenden im Ahauser Rat Hubert Kersting sei davon etwas bekannt gewesen. Eine Austrittserklärung liege ihm nicht vor. Mehr noch: „In der Mitgliederversammlung am 29. Mai wurde Andreas Beckers für den Wahlbezirk 9 und auf den Listenplatz 10 gewählt. Diese Wahlen nahm er am Abend der Mitgliederversammlung mündlich an“, erklärt der Vorsitzende.

Allerdings räumt er ein, dass es in der Wählergruppe eine Neuausrichtung gegeben habe. Das hänge auch mit den Personen zusammen, die auf die Liste gewählt wurden: „Darunter sind etliche Lehrer und Sozialpädagogen“, sagt Gerrit Messelink.

Entsprechend bekomme auch die Sozialpolitik ein stärkeres Gewicht in der UWG. Persönlich könne er die Enttäuschung von Andreas Beckers nachvollziehen, nicht auf einem höheren Listenplatz gelandet zu sein. Dennoch sei das ein demokratischer Prozess gewesen.

UWG lässt sachgerechte Kritik an der Verwaltung zu

Auch eine Kritiklosigkeit gegenüber der Verwaltung will er so nicht stehen lassen. „Das sehe ich anders“, sagt er. Die UWG habe immer ohne Fraktionszwang und unabhängig gehandelt. „Jeder entscheidet für sich nach bestem Wissen und Gewissen. Und natürlich ist da auch eine sachgerechte Kritik an der Verwaltung möglich, wenn sie geboten ist“, erklärt er.

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