Angeklagter fürchtet sich nach Schlägerei vor der Reaktion seiner Eltern

hzAmtsgericht Ahaus

Wegen einer Schlägerei im Next standen am Montag ein 20-jähriger Stadtlohner und ein 22-jähriger Mann aus Ochtrup vor Gericht. Ein Angeklagter hatte dabei vor allem Angst vor seinen Eltern.

Ahaus

, 21.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Juni waren der 20-jährige Mann aus Stadtlohn und der 22-Jährige, der zurzeit noch in Ochtrup wohnt, mit einem weiteren Partygast in der Disko Next aneinander geraten. Laut Anklageschrift ging es um mehrere Schläge mit der Faust und der flachen Hand.

„Ich weiß nicht mehr, was ich da gemacht habe. Ich habe einen totalen Filmriss“, erklärte der 22-jährige Angeklagte. Morgens früh sei er wach geworden und hätte eine zertrümmerte Nase und ein voll geblutetes Hemd gehabt.

Erinnern konnte er sich an die Nacht zuvor nicht. Auch zur Polizei sei er nicht gegangen. Erst sein Bekannter, der andere Angeklagte, habe ihm von den Schlägen erzählt. Gegenüber seiner Familie habe er davon aber nichts gesagt. „Ich wollte nicht, dass meine Eltern etwas davon erfahren“, sagte er dem Richter.

Einen Liter Wodka zu zweit geteilt

Der Freund, ein 20-jähriger Stadtlohner, der ebenfalls auf der Anklagebank saß, hatte an dem Abend kräftig mitgefeiert. „So besoffen wie er war ich aber nicht“, sagte er. Zu zweit hätten sie sich in der Disko eine Ein-Liter-Wodka-Flasche geteilt.

Dann habe es irgendwann Streit gegeben. „Der andere war auf Stress aus“, erklärte der 20-Jährige. Es sei dann zu einer Rangelei und ein paar Schlägen gekommen.

Das Opfer der beiden, ein 31-jähriger Ahauser, hatte bei der Schlägerei zwei blaue Augen davon getragen. Er konnte jedoch auch im Gerichtssaal keinen der beiden Angeklagten zweifelsfrei identifizieren.

Auf einem Überwachungsvideo sei jedoch er mit einem weiteren Mann zu sehen gewesen, wie er einen der Angeklagten schlug. „Wenn das da zu sehen war, dann wird es so gewesen sein“, räumte er ein. Genau habe er sich aber auch nicht erinnern können.

Das Video selbst hatte die Polizei zwar ausgewertet und beschrieben, es konnte dem Gericht aber nicht zur Verfügung gestellt werden – wegen technischer Schwierigkeiten. „Schade, aber da war nichts zu machen“, sagte der Richter.

Weitere Zeugen können Geschehnisse nicht aufhellen

Auch die Polizistin, die am Abend vor Ort war, ein Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst und ein weiterer Zeuge konnten den Hergang nicht mehr genau rekonstruieren. Und so zuckte der Richter dann auch nach knapp einer Stunde Beweisaufnahme etwas resigniert mit den Schultern. „Alles krummes Zeug, was machen wir denn da?“, die Frage ließ er im Raum stehen, um sich dann mit der Vertreterin der Staatsanwalt zu beraten.

Die Strafregisterauszüge beider Angeklagten sprachen eine deutliche Sprache: Wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl, Betrug und Drogendelikten waren beide bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Richter stellt Verfahren gegen Geldauflage ein

Gegen eine Geldauflage von jeweils 300 Euro wurde das Verfahren eingestellt. „Auch, weil Sie ja selbst Schläge eingesteckt haben“, sagte der Richter zu dem 22-Jährigen. Er wählte deutliche Worte: „In Zukunft gibt es bei solchen Vorwürfen richtig auf den Sack.“ Das sei definitiv die letzte Verhandlung nach Jugendstrafrecht gewesen. Es könne nicht sein, dass man sich regelmäßig wegen Körperverletzungsdelikten vor Gericht treffe.

Angeklagter macht sich Sorgen vor Reaktion der Eltern

Einer der Angeklagten hatte noch ganz andere Sorgen: „Bekommen wir Post? Und steht da dann drin, worum es heute ging?“ Fragende Blicke von Richter und Staatsanwaltschaft.

Die Erklärung folgte: Sein Vater öffne seine Post. Und das könne zuhause noch einmal richtig Ärger bedeuten. „Haben Sie so viel Schiss vor ihrem Vater?“, fragte der Richter. Hatte er: „Dem habe ich auch heute Morgen gesagt, ich hätte Urlaub und müsste deswegen nicht zur Arbeit.“ Der Richter konnte ihn nicht beruhigen: Die Post vom Gericht wird kommen.

Lesen Sie jetzt