Angst vor Racheaktion – Schlägereiopfer traut sich nicht in die Stadt

hzGewalttätiger Angriff

Ein junger Mann aus Ahaus wurde auf der Kirmes unvermittelt und hinterrücks mit Faustschlägen attackiert. Weil er den Angriff zur Anzeige brachte, hatte er Angst, in die Stadt zu gehen.

Ahaus

, 24.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Amtsgericht wurde am Donnerstag einem 19-jährigen Ahauser vorgeworfen, einen ehemaligen Schulkameraden brutal zusammengeschlagen zu haben. In der Nacht des 8. September des vergangenen Jahres soll er das ebenfalls aus Ahaus stammende Opfer auf der Kirmes unvermittelt und hinterrücks mit Faustschlägen attackiert haben.

An die Tat selbst kann er sich nicht erinnern, sagte der 19-Jährige aus. In besagter Nacht sei er stark alkoholisiert gewesen und leide unter einem Blackout. Dem hielt der Richter die Aussagen aus der polizeilichen Vernehmung entgegen. Damals sagte er aus: „Es kann sein, dass ich ihm ein, zwei Fäuste verpasst habe.“

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Die Schilderungen des Opfers waren eindeutiger: „Ich wurde plötzlich an der Schulter gepackt und nach hinten weggezogen.“ Er habe nur noch kurz den Angeklagten erkennen können, dann habe es geschätzt zehn Faustschläge geregnet. Einen Anlass oder vorherige Auseinandersetzungen, die dem Übergriff zugrunde liegen könnten, hat es laut Opfer nicht gegeben.

In den Tagen und Wochen nach der Schlägerei ist das Opfer nur ungern in die Stadt gegangen: „Ich verspürte ein Unwohlsein. Ich hatte Angst vor einer Racheaktion wegen der Anzeige.“ Im Krankenhaus wurden im Anschluss an die Schlägerei eine Prellung des Augapfels und eine vorübergehende Sehstörung des linken Auges beim Opfer festgestellt.

Über die gesamte Dauer der Verhandlung machte der Angeklagte einen geknickten Eindruck. Auch die ihm Gericht anwesende Vertreterin der Jugendgerichtshilfe zeigte sich erschüttert: „Wir waren erschrocken über die Körperverletzung, sowas kannten wir nicht von ihm.“

Täter kein unbeschriebenes Blatt

Sowohl für den Richter als auch für das Jugendamt handelte es sich bei dem Angeklagten um kein unbeschriebenes Blatt. Bereits in jungen Jahren hatte er mehrfach wegen Diebstahls, Unterschlagung, Beleidigung und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor Gericht gestanden. In der Schule wurde das Scheidungskind gemobbt und erlitt mehrere Schicksalsschläge, so der Bericht der Jugendgerichtshelferin.

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In der Urteilsbegründung hieß es, der Angeklagte habe bis heute nicht die Reife eines Erwachsenen erreicht. Die schwierigen Familienverhältnisse seien für die Entwicklung nicht förderlich gewesen. Darüber hinaus seien immer noch schädliche Neigungen vorhanden. Der Angeklagte nehme Drogen und es bestehe die Gefahr einer Alkoholabhängigkeit und weiterer Straftaten. Dennoch soll er die Chance erhalten, seine Ausbildung zu beenden, weshalb ihn der Richter zu neun Monaten Jugendstrafe verurteilte und diese drei Jahre lang zur Bewährung aussetzte. In dieser Zeit muss sich Angeklagte regelmäßig Drogentests unterziehen und die Drogenberatung aufsuchen.

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