Anna Moscheik (33) baut sich ganz langsam eine eigene Imkerei auf

hzAhauser Wochenmarkt

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Anna Moscheik gewagt. Auf dem Markt verkauft sie eigenen Honig. Ihre Bienenvölker wachsen. Doch das ist in Zeiten der Corona-Krise nicht einfach.

Ahaus

, 17.05.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anna Moscheik öffnet vorsichtig einen der Bienenstöcke, die in Sabstätte neben einem Wirtschaftsweg stehen. Die 33-jährige Imkerin, die seit drei Jahren in Ottenstein lebt, zieht vorsichtig einen der Rahmen heraus. Dicht an dicht sitzen Bienen darauf und sind mit dem Wabenbau beschäftigt. „Sieht eigentlich ganz gut aus“, sagt sie.

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Doch die Tiere haben sich nur zum Teil an die Vorstellungen von Anna Moscheik gehalten und unterhalb des Rahmens weiter gebaut. „Ein sogenannter Wildbau“, sagt die Imkerin und schabt die überzähligen Waben ab. Würde sie das nicht tun und die Bienen würden weiter bauen, könnte sich die Hitze im Stock stauen. Auch die Luft würde nicht mehr richtig zirkulieren. Die Tiere könnten im Stock ersticken.

Anna Moscheik, geboren und aufgewachsen in Dortmund, kam vor drei Jahren wegen der Liebe nach Ottenstein. Bereut hat sie diesen Schritt noch nicht, auch wenn ihr ihre Heimat schon manchmal fehlt.

Anna Moscheik, geboren und aufgewachsen in Dortmund, kam vor drei Jahren wegen der Liebe nach Ottenstein. Bereut hat sie diesen Schritt noch nicht, auch wenn ihr ihre Heimat schon manchmal fehlt. © Stephan Teine

Den Bienen gefällt diese durchgreifende Architekturkritik überhaupt nicht. Wütend steigt eine ganze Wolke der Tiere auf und umschwirrt die Imkerin. Auch der Rauch, den Anna Moscheik zur Beruhigung immer wieder auf die Bienen bläst, lässt die Tiere nur langsam wieder in den Stock zurückkehren. Stiche seien bei ihr fast an der Tagesordnung, gibt sie zu. Ohne zwei oder drei Stiche kehre sie selten nach Hause zurück. An diesem Nachmittag ist so ein seltener Tag.

Eigener Honig von fünf Völkern

Schon seit drei Jahren hält Anna Moscheik Bienen. Bisher noch im relativ kleinen Maßstab. Fünf Völker hat sie aktuell. „Den Blütenhonig, den ich an meinem Marktstand verkaufe, produziere ich komplett selbst“, erklärt die 33-Jährige. Speziellere Produkte wie Akazien- oder Rapshonig kauft sie dazu. „Aber auch nur von Imkern, die ich persönlich kenne. Ich will genau wissen, was ich den Leuten verkaufe“, sagt sie.

Importe aus dem Ausland kommen nicht in Frage

Importe aus Fernost, zum Beispiel aus China, kommen für sie nicht in Frage. „Die sind komplett mit Gift- oder Schadstoffen belastet. Das will ich nicht verkaufen“, ihr Standpunkt ist klar. Eine Kundin auf dem Markt löchere sie beispielsweise schon lange mit dem Wunsch nach Buchweizenhonig. „Den könnte ich vielleicht in Kanada bekommen“, erklärt Anna Moscheik.

Ohne Stiche geht es nur selten: Auch der Rauch, den Anna Moscheik in die Stöcke bläst, kann die Bienen manchmal nicht beruhigen. "Ich habe leider sehr zickige Völker", sagt sie lachend.

Ohne Stiche geht es nur selten: Auch der Rauch, den Anna Moscheik in die Stöcke bläst, kann die Bienen manchmal nicht beruhigen. "Ich habe leider sehr zickige Völker", sagt sie lachend. © Stephan Teine

Auch das ist ihr aber eigentlich ein Dorn im Auge: „Ich möchte diese weltweiten Transporte eigentlich nicht unterstützen.“ Bisher konnte sie die Kundin noch vertrösten. Vielleicht finde sich ja noch ein Imker in der Region, der den gewünschten Honig anbietet. „Oder ich kann sie zu einem anderen Honig überreden“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Kleiner Marktstand wird langsam größer

Im Juni vor einem Jahr hat sie mit einem eigenen kleinen Marktstand angefangen. „Ich bin immer schon Marktmensch gewesen“, sagt sie. Schon mit 15 habe sie in ihrer Heimatstadt Dortmund bei Markthändlern gearbeitet. Vor drei Jahren kam sie der Liebe wegen von Dortmund nach Ottenstein und jobbte auch hier bei Markthändler. „Da musste ich mich erstmal umgewöhnen“, sagt sie lachend.

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In Dortmund beispielsweise habe sie sich von den anderen Händlern das Markt-Schreien – also das lautstarke Ausrufen von Sonderangeboten – abgeguckt. „Als ich das hier in Ahaus mal gemacht habe, wurde ich von allen Seiten schräg angesehen“, erklärt sie.

Seit April mit Anhänger auf dem Ahauser Markt

Aus dem kleinen Marktstand ist inzwischen ein größerer Anhänger geworden. Doch damit fangen die Probleme an: „Im Moment habe ich noch keinen Anhängerführerschein“, sagt sie. Wegen der Coronakrise habe der sich verzögert. Gleichzeitig fielen im Moment eine Menge Märkte aus. „Kleinkunst- oder Mittelaltermärkte, auf denen ich Honig, Honigkosmetik oder Honigwein verkaufe, sind ja im Moment komplett abgesagt“, erklärt sie.

Deswegen stehe sie gerade nur auf dem Ahauser Wochenmarkt. Noch stehen daher auch die Einnahmen in keinem Verhältnis zum Aufwand. „Aber das wird schon noch. Ich stehe noch ganz am Anfang und will langsam wachsen“, sagt sie. Ihr Ziel: Einmal 25 Völker haben und beernten.

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Ihr Vater und ihr Biolehrer brachten sie zur Imkerei: „Mein Vater ist fast süchtig nach Honig“, sagt sie. Und ihr Biolehrer sei selbst Imker gewesen. Von dem habe sie sich einiges abgeschaut und irgendwann dann einfach angefangen. Die Kombination aus Imkerei und Marktbeschickerin ist für sie praktisch ideal: „Ich kann so mein Hobby zum Beruf machen.“ Demnächst soll auch ein Onlineshop dazukommen.

Ihre Hoffnung: „Dass das kommende Weihnachtsgeschäft wegen des Coronavirus‘ nicht auch ins Wasser fällt.“ Am Samstag steht sie wieder auf dem Ahauser Wochenmarkt.

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