Atommüll aus Ahaus soll in Würgassen geparkt werden

hzNeues Logistikzentrum

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen vor der Endlagerung in einem Logistikzentrum in Würgassen gesammelt werden. Wann Atommüll aus Ahaus dorthin gebracht wird, ist unklar.

Ahaus

, 31.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Coronavirus: Sichere Zwischenlagerung gewährleistet – so steht es seit dem 20. März auf der Homepage der BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung), die auch das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus betreibt. Fast schon eine Randnotiz, überlagert das Thema Corona doch alles im Alltag der Menschen. Dabei sind bei den täglich neuen Meldungen über das Coronavirus aktuelle Pläne der BGZ ein wenig in den Hintergrund getreten.

Neues Logistikzentrum

Die Gesellschaft plant den Bau eines neuen Logistikzentrums für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, wie sie auch in Ahaus gelagert werden. Entstehen soll das Logistikzentrum in Würgassen, auf dem Geländes des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen im Landkreis Höxter. „Ab dem Jahr 2027 soll das Logistikzentrum die passgenaue Belieferung des Endlagers Konrad nahe Salzgitter sicherstellen“, hieß es Anfang März in einer Pressemitteilung der BGZ.

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In dem neuen Logistikzentrum sollen Behälter mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dezentralen Zwischenlagern – wie dem Lager in Ahaus – in ganz Deutschland gesammelt und für den Transport ins Endlager zusammengestellt werden. „Die Abfälle müssen dann dort in einer bestimmten Reihenfolge angeliefert und unverzüglich unter Tage verbracht werden“, erklärt BGZ-Sprecher Burghard Rosen.

„Gewinn an Sicherheit“

Auf dem Betriebsgelände des Endlagers Konrad sei jedoch keine ausreichende Pufferfläche vorhanden. Burghard Rosen: „Da kommt das Logistikzentrum ins Spiel: Zwischenlager in ganz Deutschland, auch das Zwischenlager Ahaus, schicken ihre Abfälle fertig verpackt dort hin. Das Endlager Konrad ruft dann die Abfälle ab, wie für den Einlagerungsprozess erforderlich.“ Auf diesem Wege stelle die BGZ die zügige Einlagerung in das Endlager Konrad sicher, erläutert Burghard Rosen. „Das ist ein Gewinn an Sicherheit für alle.“

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Doch wann ist damit zu rechnen, dass auch die ersten schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus Ahaus in das Logistikzentrum transportiert werden? Eine Antwort auf diese Frage gibt es von der BGZ nicht.

Dass dabei wohl eher mit Jahrzehnten, denn mit Jahren gerechnet wird, machte schon der 2019 durchgeführte, zweitägige Erörterungstermin der Bezirksregierung im Audimaxx im Dorf Münsterland in Legden deutlich.

Erörterung in Legden

Kern der Erörterung im Juni vergangenen Jahres war der Antrag der BGZ, schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Ahaus bis Ende 2057 einzulagern. Die derzeitige Genehmigung zur Aufbewahrung läuft 2020 ab. Das Zwischenlager selbst hat eine Betriebsgenehmigung bis zum Jahr 2036.

Burghard Rosen: „Die beantragte Genehmigung in Ahaus ist erforderlich, um die Abfälle bis zu deren Abgabe an das Endlager Konrad über das Logistikzentrum rechtssicher aufbewahren zu können.“

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1155 Einwendungen gab es seinerzeit gegen diesen Antrag auf Verlängerung der Genehmigung. 1146 davon kamen per Sammeleinwendung der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“.

Im Zwischenlager Ahaus waren zum Stand des Erörterungstermins 2600 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Platz wäre für gut 11.000 Kubikmeter. Zum Vergleich: Das Endlager Schacht Konrad ist für gut 300.000 Kubikmeter ausgelegt.

Die für das Endlager Konrad vorgesehenen radioaktiven Abfälle befinden sich an über 35 Standorten in Deutschland. Die Abfälle stammen unter anderem aus dem Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe.

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In einer ersten Stellungnahme hatte die Bezirksregierung Münster mitgeteilt, dass über die von der BGZ beantragte Verlängerung möglichst noch 2019 entschieden werde. Später hieß es von der Behörde, eine Entscheidung werde voraussichtlich im ersten Quartal 2020 getroffen. In der vergangenen Woche teilte eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster auf Anfrage mit, dass man damit rechne, in dem Verfahren eine Entscheidung im zweiten Quartal 2020 zu treffen.

Widerstand in Würgassen

Derweil regt sich in Würgassen Widerstand gegen das geplante Logistikzentrum. Gebaut werden soll ein rund 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton. Es werden nach Angaben der BGZ etwa 450 Millionen Euro investiert und rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

Bürgerinitiativen gegen das Logistikzentrum in Würgassen sprechen von einem Versuch der BGZ, ihnen ein „möglicherweise ewiges Zwischenlager“ vorzusetzen. Ängste, die auch die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ für den Standort im Westmünsterland schon mehr als einmal geäußert hat.

Genehmigungsverfahren

Das neue Lager in Würgassen werde nur deshalb nicht direkt am Schacht Konrad gebaut, weil das Genehmigungsverfahren für das Endlager dann neu aufgerollt werden müsste, heißt es in einer Mitteilung der „Organisation Ausgestrahlt“. „Da Schacht Konrad nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht und deshalb heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre, soll ein neues Verfahren mit aller Macht verhindert werden.“

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