Gegen die Online-Petition zur Verhinderung der Baumfällung formiert sich Widerstand. Die jungen Wüllenerinnen und Wüllener befürchten, dass Grundstücke wegfallen und es weitere Verzögerungen gibt. © Johannes Schmittmann
Wüllen-Nord II

Baugebiet Wüllen: Junge Generation wehrt sich gegen Baumfäll-Petition

An der geplanten Fällung alter Bäume für das Baugebiet Wüllen-Nord scheiden sich die Geister. Bei der jungen Generation formiert sich Widerstand gegen die Online-Petition einiger Umweltschützer.

Das Baugebiet Wüllen-Nord II polarisiert. Dabei sind sich eigentlich alle Beteiligten darüber einig, dass Grundstücke – gerade für junge Familien – dringend benötigt werden. Allerdings stören sich einige Wüllenerinnen und Wüllener daran, dass für einen Teil der Einfamilienhäuser alte, aus ihrer Sicht aber erhaltenswerte Bäume gefällt werden sollen (wir berichteten). Eine Online-Petition wurde ins Leben gerufen: „Dorfidylle bald Dorfgeschichte? Wüllener, stoppt die geplante Beseitigung unserer Baumbestände!“

Gerade der jüngeren Generation im Ort ist dieser Protest allerdings ein Dorn im Auge. Sie befürchten unter anderem, dass sich der sowieso schon schleppende Prozess bis zum Beginn der Erschließung weiter verzögert. Vor einigen Wochen formierte sich daher im Hintergrund eine Art Gegenbewegung. Über eine WhatsApp-Gruppe tauschten sich die rund 50 Mitglieder untereinander aus. Sie alle vereint das Interesse an einem der Baugrundstücke. Nun beschlossen sie, ebenfalls mit ihren Argumenten an die Öffentlichkeit zu gehen.

„Gute Argumente für Variante A“

„Wir wollen einfach zeigen, dass es gute Gründe für die Variante A gibt, in der die meiste Bebauung vorgesehen ist“, sagt Mitinitiator Thomas Boonk. Zum Hintergrund: Der Bauausschuss der Stadt Ahaus hat sich im vergangenen Jahr für eben jene Variante A ausgesprochen. Im Vergleich zur Variante B, bei der die alten Bäume erhalten bleiben würden, gibt es hier Platz für sechs Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus mehr.

Die Online-Petition läuft noch sieben Wochen. Ob sie Erfolg hat, wird sich schon bald zeigen.
Die Online-Petition läuft noch. Ob sie Erfolg hat, wird sich schon bald zeigen. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Boonks Mitstreiter Johannes Terhaar sagt: „Viele junge Wüllener Familien und andere, die bald zu unserer Dorfgemeinschaft gehören möchten, warten seit Jahren auf die Chance, ein eigenes Haus bauen zu können.“ Sollte die Anzahl der Grundstücke tatsächlich reduziert werden, riskiere man, dass Wüllenerinnen und Wüllener das Dorf dauerhaft verlassen und anderswo ein Zuhause finden. „Auch die folgenden Generationen würde man in einem solchen Szenario verlieren. Dabei wollen wir Wüllen doch immer verjüngen“, ergänzt Michael Haeske. Er gehört ebenfalls zu den Initiatoren der Gruppe.

Jungen Familien läuft Zeit davon

In vielen Fällen sei es keine Option, auf die Erschließung weiterer Bauflächen zu warten. „Wenn ich jetzt kleine Kinder habe, brauche ich nicht in zehn Jahren ein Haus zu bauen. Und man sieht ja, wie viel Zeit bei Wüllen-Nord zwischen Abschnitt I und Abschnitt II liegt“, so Haeske, der vor Kurzem selbst Vater geworden ist.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass selbst bei Variante A die Nachfrage das Angebot übersteigt. Rund 60 Bewerbungen liegen aktuell bei Kirche und Stadt vor, dabei sind insgesamt nur 48 Grundstücke für Einfamilienhäuser (44) und Doppelhäuser (4) zu vergeben. Das offizielle Vergabeverfahren hat noch gar nicht begonnen. „Alle scharren mit den Hufen. Denn die Chancen, ein freies Grundstück oder ein Bestandsgebäude im Ort zu erwerben, sind verschwindend gering. Es gibt kaum Angebote“, berichtet Thomas Boonk.

Der Wüllener Meiko Procheiske erklärt: „Manche denken, uns wäre der Umweltschutz total egal. Das stimmt natürlich nicht. Aber es haben sich Experten intensiv mit der Thematik beschäftigt und sind zu einem klaren Ergebnis gekommen.“ Thomas Boonk ergänzt: „Aus dem Umweltbericht ergibt sich, dass der ökologische Wert nach Beenden der Ausgleichsmaßnahmen und Fertigstellung des Baugebiets sogar höher ist als bisher.“

Ökologischer Wert nach Fertigstellung höher

Tatsächlich wurden für die Gutachten alle Aspekte des Umwelt- und des Artenschutzes hinsichtlich ihres biologischen Wertes für die Natur beurteilt und durch ein Punktesystem bewertet. „Das Kompensationsdefizit, das durch das Baugebiet entsteht, wird durch die 40 Prozent Grünstrukturen im Wohngebiet sowie die geplanten Ausgleichsflächen mehr als ausgeglichen. Es entsteht sogar ein Überschuss von 12.700 Werteeinheiten“, sagt Thomas Boonk.

Auch in der Vorlage der Stadt Ahaus für die Bauausschusssitzung im Vorjahr heißt es: „Das Plangebiet ist auch ohne die Kopfbaumreihe durch einen überdurchschnittlich hohen Grünflächenanteil geprägt (…). Die Kopfbaumreihe verliert ihre Bedeutung für das Landschaftsbild.“

„Ist es sinnvoll, diese Bäume zu erhalten?“

Johannes Terhaar fasst es in einer rhetorischen Frage zusammen: „Ist es wirklich sinnvoll, diese Bäume zu erhalten, wenn sich dadurch gravierende Nachteile für junge Familien und folgende Generationen ergeben?“ Seine Mitstreiter und er hoffen, dass der Rat – dem Terhaar (CDU) selbst angehört – sich ebenfalls weiterhin für die bereits beschlossene Variante A ausspricht und den Bebauungsplan zur Offenlegung bringt.

Schon am kommenden Donnerstag, 25. Februar, beschäftigt sich die Politik mit der Thematik. Die Sitzung des Stadtrates wurde auf 18 Uhr vorverlegt und findet wegen der Corona-Pandemie in der Stadthalle, Wüllener Straße 18, statt.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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