Bei Terhalle gab es für Hendrik Mulder nur einen Weg: steil nach oben

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Vom Ferienjobber zum Geschäftsführer: Hendrik Mulder (42) hat beim Ottensteiner Unternehmen „Terhalle“ eine steile Karriere hingelegt. Alles fing an mit einer Vater-Sohn-Shopping-Tour.

Ottenstein

, 18.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hendrik Mulder erinnert sich noch genau. Es war das Jahr 1991. Der Vredener fuhr mit seinem Vater kurz vor den Sommerferien zum Ottensteiner Unternehmen Terhalle. Die beiden Heimwerker brauchten ein paar Bretter. Wie es der Zufall wollte, kam Hendrik Mulders Vater mit Josef Terhalle ins Gespräch. „Und plötzlich hatte ich einen Ferienjob“, berichtet der Vredener heute.

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Damals war Hendrik Mulder erst 14 Jahre alt. Er fand Gefallen an der Arbeit mit Holz, verbrachte bei Terhalle fortan immer einen Teil seiner Ferien und verdiente sich so ein paar Groschen dazu. Als er im Alter von 16 vor der Entscheidung stand, wohin es nach der Schule gehen soll, fiel die Wahl nicht schwer. 1993 begann er in Ottenstein seine Lehre zum Zimmermann. „Ich weiß noch genau, dass mir die Personalnummer 26 zugewiesen wurde. Die erste Halle befand sich damals noch im Aufbau“, erinnert sich Hendrik Mulder.

Rund 330 Angestellte und riesiges Areal

Er betont diese beiden Details aus gutem Grund. Heute hat Josef Terhalle rund 330 Angestellte, aus einer Halle sind mittlerweile vier geworden. Auf dem Firmengelände kann sich jemand, der sich nicht auskennt, ohne Probleme verlaufen. Terhalle wuchs und wuchs. Und mit dem Unternehmen Hendrik Mulder. Denn nachdem er seine Ausbildung beendet hatte, nahm die Karriere erst richtig Fahrt auf.

Als Hendrik Mulder bei Terhalle anfing, gab es nur eine Halle. Seitdem ist das Unternehmen gewachsen und gewachsen.

Als Hendrik Mulder bei Terhalle anfing, gab es nur eine Halle. Seitdem ist das Unternehmen gewachsen und gewachsen. © Johannes Schmittmann

Erst sicherte er sich den Gesellenbrief, kurze Zeit später stieg er zum Polier auf. „Dann kam der erste Rückschlag, mein Rücken machte mir mehr und mehr zu schaffen“, berichtet der heute 42-Jährige. „Es war klar, dass ich nicht mehr lange auf dem Bau arbeiten konnte.“ Von seinem Chef bekam er den Ratschlag, sich umzuorientieren. Damals gab es noch keine genaue Berufsbezeichnung, man arbeitete „auf dem Büro“. Mulders Hauptaufgabe: die Arbeitsvorbereitung.

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„Diesen Weg habe ich dann weiterverfolgt“, so Mulder. 2001 begann er seinen Meister in Dortmund. Eine sehr anstrengende Zeit für den jungen Vater. Denn die Meisterschule fand berufsbegleitend abends statt. Im Anschluss übernahm der Vredener zwei Jahre die Bauleitung. „Ich war noch sehr jung. Es war nicht immer einfach, von den Altgesellen respektiert zu werden. Ich musste Polieren, die schon lange dabei waren, Anweisungen erteilen. Aber ich wuchs in die Aufgabe hinein.“

Dachdeckerei und Zimmerei verschmelzen ineinander

Mit der Zeit veränderte sich auch das Berufsfeld. Zimmerei und Dachdeckerei – bei Terhalle damals noch klar getrennt – verschmolzen immer mehr. Eine Entwicklung, die bis heute weiter zunimmt. Für Hendrik Mulder lag es daher nahe, auch noch den Dachdeckermeister zu machen: „Ich wollte einfach auch in diesem Bereich über Detailwissen verfügen.“ 2009 folgt dann der Aufstieg in die Chefetage. Er wird Prokurist und Geschäftsführer der Zimmerei Terhalle. Drei Jahre später trägt er den Titel „Geschäftsführer Terhalle Holzbau GmbH“.

Die Modulbauweise ist bei den Kunden immer mehr gefragt. Riesige Holzmodule werden in den Hallen gefertigt und dann per Schwertransport zur Baustelle gebracht.

Die Modulbauweise ist bei den Kunden immer mehr gefragt. Riesige Holzmodule werden in den Hallen gefertigt und dann per Schwertransport zur Baustelle gebracht. © Johannes Schmittmann

Heute sind dem Vredener 140 Mitarbeiter unterstellt. Viel geändert hat sich für ihn trotz der rasanten Entwicklung nicht: „Das hört sich alles groß an, aber für mich persönlich ist es immer noch ein Familienunternehmen. Darum macht es, glaube ich, so großen Spaß.“ Aber auch er kann und will nicht abstreiten, dass sich in den vergangenen knapp 30 Jahren sehr viel entwickelt hat.

„Mit dem Unternehmen sind auch die Projekte gewachsen. Wir sind in ganz Deutschland unterwegs und betreuen in Berlin zum Beispiel eines der größten Holzbauprojekte Deutschlands“, so Mulder. Eine weitere Veränderung, die er am eigenen Leib erfahren hat: die Digitalisierung des Handwerks.

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„Heute haben wir in der Terhalle Unternehmensgruppe 122 PC-Arbeitsplätze. Unser Handwerk ist nicht mehr nur noch Hammer und Säge, sondern jede Menge Technik.“ Digitale Projektordner, auf die alle am Bauvorhaben beteiligten Unternehmen zugreifen können, gehören mittlerweile zum Standard. Alle sind vernetzt, alles ist transparent. „Die Ansprüche an den Wohnungsbau sind mit der Zeit höher geworden. Da muss man mitziehen“, sagt der Vredener.

Bei all der Technisierung ist Hendrik Mulder wichtig, die Basis des Erfolgs nicht aus dem Blick zu verlieren. „Unsere Mitarbeiter kommen fast alle aus einem Umkreis von 20 Kilometern, das verbindet enorm. Josef Terhalle kennt jeden Mitarbeiter mit Namen. Das hat hat etwas mit Wertschätzung zu tun“, sagt er. Außerdem habe man trotz Großprojekten nie die Wurzeln des Unternehmens vergessen. „Wir übernehmen den 500-Euro-Auftrag genauso wie den 10-Millionen-Auftrag.“

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