„Absoluter Quatsch“: Bilanz nach einem Monat Bonpflicht in Ahaus ist ein riesiger Müllberg

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Seit Anfang des Jahres gilt in Deutschland die Kassenbonpflicht. Die Bäckerei Rawers hat alle ausgedrucken Bons gesammelt – im Vergleich zum Dezember ist der Verbrauch enorm gestiegen.

Ahaus

, 04.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle Gewerbebetriebe, die eine elektronische Registrierkasse einsetzen, müssen seit dem 1. Januar 2020 jedem Kunden einen Kassenzettel ausstellen. Schon bevor das Gesetz in Kraft trat, war die Kritik groß. Nun hat ein Ahauser Bäcker nach dem ersten Monat mit der Kassenbonpflicht eine erste Bilanz gezogen – sie hätte kaum schlechter ausfallen können.

Im ersten Monat mit dem neuen Gesetz hat Bäcker Bernd-Josef Rawers extra in allen seinen fünf Filialen jeden Kassenbon, der nicht von seinen Kunden mitgenommen wurde, aufbewahrt. „Da kamen Berge zusammen“, sagt seine Frau, Silvia Rawers. Acht Säcke sammelten sie und ihre Mitarbeiter allein im Hauptgeschäft an der Wessumer Straße im vergangenen Monat.

„Der Kunde hat eigentlich nie einen Kassenbon verlangt“

Wie viele Säcke in den anderen Filialen in Ahaus, Ottenstein und Vreden gefüllt wurden, konnten die beiden am Montag noch nicht sagen. Doch eine erschreckend hohe Zahl konnte Bernd-Josef Rawers dennoch bereits nennen: 103 Kassenbonrollen hätten seine fünf Filialen im Januar insgesamt verbraucht. In der Vergangenheit seien es monatlich nur ein bis zwei pro Geschäft gewesen, also insgesamt nicht mehr als zehn Rollen pro Monat.

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In seiner Branche sei es bislang nicht üblich gewesen, einen Kassenbon mitzunehmen. „Der Kunde hat eigentlich nie einen Kassenbon verlangt“, sagt er. „98 Prozent meiner Kunden haben nie vorher über den Kassenbon auch nur nachgedacht.“ Bei ihrer Kundschaft komme das neue Gesetz auch nicht gut an.

Deutschland führt die Bonpflicht ein, Frankreich schafft sie wieder ab

„Vor allem bei den Stammkunden“, sagt Silvia Rawers. Wenn sie denen, „die jeden Morgen ihre drei Brötchen holen“, einen Bon geben wolle, „lachen die mich aus“, erklärt sie. Generell würden auch die Kunden nur den Kopf über „so viel Müll“ schütteln. Während in Frankreich die Bonpflicht für kleine Beträge nun wieder Schritt für Schritt abgeschafft wird, „machen wir hier das Gegenteil und fangen jetzt damit an“, ärgert sich Bernd-Josef Rawers.

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Dabei sollte es eigentlich auch Ausnahmegenehmigungen für Betriebe geben, „bei denen es nicht sinnig ist“, erklärt er. Doch von einem Bäcker oder einem anderen Unternehmen, das eine solche Genehmigung erhalten hat, wisse er noch nichts. Er kenne auch einen Gastronom, der für die Karnevalszeit um eine Ausnahme beim Finanzamt gebeten habe. Die wurde jedoch abgelehnt, erzählt Rawers, der die Kassenbonpflicht als „absoluten Quatsch“ bezeichnet.

Erste Auswirkungen durch das Gesetz habe er sogar schon im vergangenen Jahr zu spüren bekommen, verrät er. Je näher der 1. Januar rückte, desto mehr E-Mails von Firmen, die die Kassenbonrollen verkaufen, habe er erhalten.

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