Brieftaube „88" hat sich vom Renngeschäft zurückgezogen. © Anna-Lena Haget
Taubensport

Brieftaubenliebe verbindet Josef und Matthias Hintemann aus Graes

Josef Hintemann und sein Sohn Matthias Hintemann aus Graes teilen eine große Leidenschaft für Brieftauben. Das Vater-Sohn-Gespann feiert derzeit einen Erfolg nach dem anderen im Taubensport.

88 hat viel Zeit. An kleinen Trainingsflügen mit seiner Mannschaft nimmt er nur noch zum Vergnügen teil und um sich fit zu halten. Hinter dem grau gebänderten Täuberich liegt ein ereignisreiches Jahr, das er mit seiner Wahl zur bundesweiten Taube des Monats Juli 2020 gekrönt hat. Auf dem Weg dorthin hat das Tier bei drei Alttaubenreisen im vergangenen Juli 299,72 Punkte gesammelt und seine Besitzer Josef und Matthias Hintemann unglaublich stolz gemacht. Zum Vergleich: Die maximal erreichbare Punktzahl liegt bei 300.

88 trägt offiziell den Namen „01429-19-88“, so lautet seine Ringnummer. Die Schnapszahl hat dem Tier Glück gebracht. Auf drei Flügen im vergangenen Juli ließ es jeweils über 1000 Konkurrenten hinter sich. Zwei Mal kam der geflügelte Modellathlet als allererster in seinem Heimatschlag an, einmal schlug ihn eine andere Taube nur um wenige Hundertstel und verwies ihn damit auf Platz zwei. Die Sehnsucht nach seiner Freundin verlieh dem Vogel im wahrsten Sinne des Wortes Flügel.

Taubenschlag im Schweinestall

Im heimatlichen Schlag in Graes wohnt er komfortabel mit seinen Kollegen in einem ehemaligen Schweinestall, den Josef und Matthias Hintemann zum Taubenheim ausgebaut haben. Der Erfolg von 88 ist jedoch weder ein Zu- noch ein Einzelfall. Seine beiden Trainer haben kontinuierlich auf ihren Erfolg im Superjahr 2020 hingearbeitet, wie sie versichern. „Wir sind wohl schon drei Jahre oben mit dabei“, verkündet Josef Hintemann stolz. Zum Pflichtprogramm gehören neben täglichem Training auch eine vorausschauende Zuchtauslese, die richtige Gesundheitsfürsorge und eine Diät, die streng überwacht wird.

Josef Hintemann hat die Leidenschaft für die Rennpferde des kleinen Mannes schon als Jugendlicher gepackt. Seit er 15 ist, züchtet der heute 70-Jährige Brieftauben. Im vergangenen Jahr dann prasselten die Auszeichnungen nur so auf den erfahrenen Taubensportler herab. Mit Sohn Matthias in Schlaggemeinschaft wurde er unter anderem Regional-Verbandsmeister des Verbandes, zweiter Verbandsmeister auf Regionalverbands-Ebene, interner Meister des Regionalverbands und Weibchen- und Jährigenmeister, um nur einige Auszeichnungen zu nennen.

Spaß an den Tauben

Seit Matthias Hintemann neun Jahre alt ist, teilt er die Leidenschaft seines Vaters. „Das wollte er wohl gerne, er hatte Spaß daran“, erklärt Josef Hintemann. Während seine Brüder dem zeitintensiven Hobby nicht so viel abgewinnen konnten. „Meine älteren beiden Söhne haben sich da nicht für interessiert“, erinnert der Züchter sich. Matthias Hintemann ist der Taubenleidenschaft seitdem treu geblieben, auch weil einige seiner Freunde sein Interesse für die grauen Renner teilen.

Die Beschäftigung mit den Tauben sei schön, aber auch zeitintensiv, geben Vater und Sohn offen zu. Da ein Züchter Tag für Tag für seine Tiere da sein muss, müsse das Familienleben zurückstehen. „Da kannst du nicht einfach in den Urlaub fahren“, sagt Josef Hintemann. Wenn sein Sohn keine Zeit hat, kümmert er sich um die zurzeit 83 Tauben im Schlag. „Wir hätten gern weniger, aber dafür mehr gute“, ergänzt Matthias Hintemann lachend.

Intelligent und sehr sensibel

Das westliche Münsterland ist eine der deutschen Brieftaubenhochburgen. Das Durchschnittsalter der Züchter ist etwa 70 Jahre, das Hobby selbst als Opa-Sport verschrien. Damit werde den sensiblen und sehr intelligenten Tieren und ihren Besitzern Unrecht getan, sagen Vater und Sohn. Inzwischen begeistert sich sogar der kleine Enkel Malte für Opas geflügelte Rennpferde. Ans Aufhören denkt Josef Hintemann jedenfalls noch lange nicht.

Im Gegensatz zu 88. Der erst 2019 geschlüpfte Vogel hat, seit er seine erfolgreiche Profikarriere an den Nagel gehängt hat, Muße für ganz andere Dinge. „Wir gebrauchen den jetzt noch zur Zucht und ansonsten darf er seinen Lebensabend bei uns genießen“, sagt Matthias Hintemann.

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