Schwach- und mittelradioaktive Abfälle dürfen bis 2057 in Ahaus lagern

hzBrennelemente-Zwischenlager Ahaus

Im BZA dürfen bis Ende des Jahres 2057 schwach- und mittelradioaktive Abfälle gelagert werden: Die Bezirksregierung Münster hat am Freitag (17. Juli) die Genehmigung dafür erteilt.

Ahaus

, 17.07.2020, 11:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bezirksregierung Münster hat den Unternehmen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung und Brennelement-Zwischenlager Ahaus die Genehmigung erteilt, bis zum 31.12.2057 schwach- und mittelradioaktive Stoffe im Abfall-Zwischenlager Ahaus zwischenzulagern. Die erteilte Genehmigung schließe nahtlos an die auf zehn Jahre befristete Erstgenehmigung an, teilte die Bezirksregierung am Freitagvormittag mit. Die bisherige Genehmigung ist bis zum 20. Juli 2020 befristet.

BI „Kein Atommüll“ findet Genehmigung „nicht akzeptabel“

„Nicht sonderlich überrascht“ zeigte sich Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ über diese Nachricht. Das habe sich beim Erörterungstermin zum Verfahren für die Fristverlängerung im Juni 2019 schon angedeutet. Trotzdem: „Wir finden das nicht akzeptabel“, betont der Atomkraftgegner und führt zwei Gründe an: Nach den Ausführungen der Entsorgungskommission von 2013 sei die Sicherheit der Behälter für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall für 20 Jahre gewährleistet.

„Türoffner für Ausdehnung der Zwischen- zur Dauerlagerung“

„Zehn Jahre sind schon abgelaufen“, stellt Hartmut Liebermann fest. „Wir hätten Verständnis für eine Verlängerung bis 2030 gehabt, aber nicht für einen so langen und unüberschaubaren Zeitraum.“ Die Genehmigung bis 2057 gehe ja nun mit 47 Jahren weit über den Zeitraum von 20 Jahren hinaus.

Der zweite Grund: Das „Transportbehälterlager Ahaus“, wie das BZA mittlerweile formell heißt, ist bis 2036 genehmigt. Die aktuelle Genehmigung läuft bis 2057 – „ein Türoffner für die Ausdehnung der Zwischenlagerung zur Dauerlagerung“, bringt Hartmut Liebermann die Befürchtung der Ahauser BI auf den Punkt. Die Bürgerinitiative rufe zu einer ersten Protestaktion auf: zu einer Mahnwache am Sonntag, 26. Juli, um 14 Uhr vor dem BZA.

Endlagerung der Abfälle im Schacht Konrad geplant – bis Ende 2057

Wie die Bezirksregierung in ihrer Pressemitteilung erläutert, spiele die Zwischenlagergenehmigung eine Rolle beim Rückbau der Atomkraftwerke in Deutschland, da hierbei in großem Umfang auch schwächer radioaktiv belastete Materialien anfallen. Die Endlagerung der Abfälle sei spätestens bis Ende 2057 im Schacht Konrad (Salzgitter) vorgesehen.

Ein Blick auf die Container mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die im Zwischenlager Ahaus stehen

Ein Blick auf die Container mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die im Zwischenlager Ahaus stehen © BGZ/C. Mick

„Mit Erteilung der nun bis 2057 befristeten Genehmigung hat die Bezirksregierung Münster das Sicherheitskonzept der BGZ bestätigt“, reagierte Tobias Schmidt, Pressesprecher BGZ-Zwischenlager, auf die Mitteilung der zuständigen Behörde aus Münster. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens habe die BGZ nachgewiesen, dass bei der Aufbewahrung die Sicherheit für Mensch und Umwelt zu jeder Zeit gewährleistet sei, so Schmidt weiter. Und: „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hat die Behörde auch den gezielten Flugzeugabsturz untersucht.“

Behälter werden nicht geöffnet oder neu verpackt

Mit der nun erteilten neuen Genehmigung blieben die bislang genehmigte Art und Höchstmenge sowie das Aktivitätsinventar im Lager Ahaus unverändert. „Bei den Abfällen handelt es sich um verpackte Stoffe, die aus dem Betrieb und dem Rückbau von Atomkraftwerken stammen wie beispielsweise ausgebaute Anlagenteile, Metallschrott oder Arbeitskleidung“, erläuterte Tobias Schmidt. Zur Kritik der BI zur Sicherheit der Behälter betont er, dass es sich weiterhin um eine reine Zwischenlagerung von Behältern handele, die im Zwischenlager Ahaus nicht geöffnet oder neu verpackt werden müssen.

„Der ordnungsgemäße Zustand der Behälter wird während der Zwischenlagerung regelmäßig kontrolliert“ , so Schmidt weiter. Derzeit befinden sich 230 Container mit derartigen Abfällen im westlichen Hallenbereich des Zwischenlagers Ahaus. Dieser wird seit Sommer 2010 für die Aufbewahrung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle genutzt.

Abfälle werden unter festgelegten Bedingungen vorbehandelt

„Bevor die Abfälle in das Zwischenlager Ahaus transportiert werden, werden diese unter festgelegten Bedingungen vorbehandelt und in hierfür genehmigten Abfallbehältern verpackt“, heißt es in der Pressemitteilung der Bezirksregierung Der westliche Teil des Zwischenlagers sei abzugrenzen von dem im östlichen Lagerbereich betriebenen Brennelement-Zwischenlager Ahaus für hochradioaktive Abfälle: Der östliche Teil für die hochradioaktiven Abfälle werde von der aktuell erteilten Genehmigung nicht berührt. Das betont auch Tobias Schmidt (BGZ): Die bis 2036 befristete Genehmigung zur Aufbewahrung von hochradioaktiven Abfällen im Zwischenlager Ahaus wird durch die jetzt erteilte Genehmigung der Bezirksregierung Münster nicht verändert.“

Der Genehmigung war ein umfangreiches Verfahren vorausgegangen, in dem eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit stattfand. Die Bezirksregierung habe sich mit den zahlreichen Fragen, Anregungen, Anträgen, Einwendungen und Einschätzungen der umliegenden Gemeinden, Anwohner, Umweltverbände und aller Interessierten sowie der Träger der öffentlichen Belange und weiterer Behörden intensiv auseinandergesetzt, so die Behörde in ihrer Pressemitteilung. Dabei seien unter Hinzuziehung von Gutachtern mögliche Auswirkungen der Lagerung auf Mensch, Natur und Umwelt mit größtmöglicher Sorgfalt überprüft worden.

„Nach dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik“

Die Genehmigung ist mit einer Reihe von Auflagen verbunden, um die anspruchsvollen rechtlichen Anforderungen an das Abfall-Zwischenlager zum Schutz des Menschen und der Umwelt vor schädlichen Wirkungen ionisierender Strahlen nach dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik sicherzustellen. Die Genehmigung ist in Bezug auf den vorhandenen Lagerbestand sofort vollziehbar.

Die Genehmigung werde am 24. Juli offiziell bekannt gegeben. Ab diesem Tag wird sie auch in den Gebäuden der Bezirksregierung Münster und der Stadt Ahaus für die Dauer von zwei Wochen ausgelegt. Die Genehmigung ist ebenfalls ab dem 24. Juli online auf der Internetseite der Bezirksregierung abrufbar (www.bezreg-muenster.de).

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