Aus Café Muse wird Café Extrablatt: Unter dem Putz zeigt sich das Elend

hzGastronomie in Ahaus

Bis an der Bahnhofstraße 4 aus dem Café Muse das Café Extrablatt wird, dauert es noch. Die Bausubstanz ist so schlecht, dass vieles erneuert werden muss. Die Eröffnung rückt nach hinten.

Ahaus

, 22.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten: Der Umbau des Café Muse zum Café Extrablatt stellt die Bauherrin, den Architekten, die Behörden und die Firmen vor ungeahnte Herausforderungen.

Die Sanierung des fast 200 Jahre alten Gebäudes an der Bahnhofstraße 4 nimmt im Inneren langsam Gestalt an. Jeden Tag ist Architekt Tobias Mauritz vom Büro Weitkamp + Partner aus Ahaus mindestens zwei- oder dreimal vor Ort. „In den ersten Wochen gab es jeden Tag irgendwelche Hiobsbotschaften“, erklärt der Architekt.

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Das lag vor allem an der schlechten Bausubstanz. „Fast in jeder Epoche wurde in dem etwa 200 Jahre alten Haus etwas angebaut, abgebrochen oder umgenutzt. Mal mit mehr Sachverstand, mal mit weniger“, sagt der Experte.

Risse im Mauerwerk

Der Architekt ließ Decken öffnen und den Putz an den Wänden abschlagen, um sich ein Bild vom Gebäudezustand zu machen. „Ich hoffe, alles gesehen zu haben“, sagt er. Denn es zeigten sich nicht nur Risse im Mauerwerk.

Aus Café Muse wird Café Extrablatt: Unter dem Putz zeigt sich das Elend

Die Bausubstanz ist schlecht, sagt der Architekt. Gezeigt habe sich das vor allem, nachdem der Putz entfernt worden war. © Christian Bödding

Von den Stromleitungen über die Wasser- und Abwasserleitungen bis hin zur Heizungsanlage und dem Trockenbau – „alles nicht zeitgemäß“, erklärt Tobias Mauritz am Dienstag bei einem Vor-Ort-Termin. Die Folge: Alles wird erneuert.

„Das führt dazu, dass wir die Dinge hier nicht mit ein bisschen Farbe sanieren, sondern dafür etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen müssen.“

Aus Café Muse wird Café Extrablatt: Unter dem Putz zeigt sich das Elend

Voraussichtlich Anfang Mai sind die Außen- und Innenarbeiten am früheren Café Muse beendet. © Markus Gehring

Momentan laufen die Trockenbauarbeiten, nächste Woche werden Fenster eingesetzt, im Februar gibt es Arbeit für den Dachdecker, den Estrichleger, den Verputzer und den Lüftungsbauer.

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Das treibt natürlich auch die Baukosten nach oben. „Wir haben hier mit Stefanie Schmickler eine tolle Bauherrin. Ihr ist wichtig, dass vernünftige, fachgerechte Arbeit durch alle Gewerke hindurch erledigt wird“, erklärt Tobias Mauritz, der die volle Rückendeckung der Investorin hat. Die Ahauser Augenärztin gehe finanziell viele Kompromisse ein. „Wir setzen das Gebäude so instand, wie es sich gehört.“

Café-Extrablatt-Eröffnung

Voraussichtlich Anfang Mai soll die Schlüsselgewalt an den künftigen Extrablatt-Betreiber Mesut Sucu aus Gronau übergehen. Dann folgen noch einige Innenarbeiten wie die Einrichtung der Küche, der Theke und des Mobiliars. Tobias Mauritz geht davon aus, dass etwa Ende Mai mit der Café-Eröffnung zu rechnen sei. Ursprünglich wollte Mesut Sucu schon Anfang Mai eröffnen.

Neue Installation

Aus Alt mach Neu ist bis dahin die Devise. „Der Leistungsumfang ist immens“, erläutert der Ahauser Architekt. Als Beispiel nennt er die Heizung: „Vom Altbestand bleibt nichts, weder die Heizkörper, noch die Heizung als solches. Das kommt von der Installation einem Neubau gleich.“

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Diese hölzerne Treppe ist denkmalwert, sagt die Denkmalbehörde. Architekt Tobias Mauritz sieht das anders. © Christian Bödding

Erschwerend kommt der Denkmalschutz hinzu. Hieß es anfangs, nur die Fassade und eine ins Obergeschoss führende, hölzerne Treppe mit gedrechseltem Handlauf seien denkmalwert, stellte sich mit Aufnahme der Planungen schnell heraus: das ganze Gebäude steht unter Denkmalschutz. „Über jedes Bauteil, das man hier anfassen will, muss man sich mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen.“

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Dabei gebe es erhaltenswerte und weniger erhaltenswerte Bauteile. Tobias Mauritz: „Die Treppe ist aus Sicht des Denkmalamtes erhaltenswert, die Fenster an der vorderen Fassadenseite sind es nicht.“ Der Wintergarten sei nicht erhaltenswert, soll aber bleiben, um den Charakter des Gebäudes nicht zu verändern.

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Die grüne Farbe in den Gesimsen ist ein Relikt der Neuzeit. Um die Fassade in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, werden die Rillen wieder in einem Cremeton gestrichen. © Markus Gehring

Erhaltenswert ist ein historisches Fenster an der Holztreppe zum Obergeschoss. „Wir haben es am Montag ausbauen lassen“, berichtet Tobias Mauritz.

Aus welcher Zeit das Fenster mit seiner Bleiverglasung stamme, lasse sich nicht genau sagen. Klar sei aber: „Man kann nicht einfach Dispersionsfarbe auf den Holzrahmen auftragen.“ Eine fachkundige Firma müsse das Fenster bearbeiten, „das geht von der Holz- und Glassubstanz über die Verschlüsse bis hin zur Farbe für den Anstrich“.

Aus Café Muse wird Café Extrablatt: Unter dem Putz zeigt sich das Elend

Im Inneren des Gebäudes laufen die Umbauarbeiten für das neue Café Extrablatt auf Hochtouren. © FOTO: Christian Boedding

Ein Relikt aus der Neuzeit ist die grüne Farbe auf den Gesimsen an der Fassade. Tobias Mauritz geht davon aus, dass der Anstrich etwa um 1980 vorgenommen wurde. „Da war das Thema Denkmalschutz noch nicht so groß wie heute.“ Aus der Historie heraus seien solche Bauteile in der Farbigkeit der Hauptfassade gehalten, „in diesem Fall in einem Cremeton.“

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Das Grün wird also verschwinden, die Fassade bekommt wieder ihre ursprüngliche Schattenwirkung durch den Farbton und die Tiefe der Rillen.

Was denkmalwert ist und was nicht, darüber diskutiert Tobias Mauritz mit den Mitarbeitern des Denkmalamtes. „Durchaus auch kontrovers.“ Bei der Treppe zum Beispiel ist der Architekt nach wie vor der Meinung, dass sie nicht erhaltenswert ist. „Aber am Ende des Tages geht es um Kompromisse, die man schließen muss.“

So wollte der Architekt im Erdgeschoss eine Wand herausbrechen lassen, um die Küche zu vergrößern, damit sie heutigen Anforderungen entspricht. „Der Denkmalschutz meinte, es handele sich um eine historische, erhaltenswerte Wand.“

Ungefähr zehn Umbauten

Tobias Mauritz konnte über Grundriss-Studien aus verschiedenen Epochen darstellen, dass die Wand keinen alten Charakter hat. „Mal hatte sie Fenster, mal einen Durchbruch. Historisch war sie nicht.“

Doch nicht alles lässt sich anhand von alten Unterlagen belegen. Zwar wird vermutet, dass das Haus um 1820 errichtet wurde, „aktenkundig ist das Gebäude aber erst seit 1896.“ Damals sei das Wohnhaus um eine Bäckerei erweitert worden. Insgesamt zehn Umbauten sind in den Akten dokumentiert. Nicht aufgeführt sind jedoch diverse Brände, die es gegeben haben muss. „Das haben wir festgestellt, als wir die erhaltenswerte Holzbalkendecke offengelegt haben.“ Manche der Balken waren mit Ruß belegt.

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