Cartier-Schmuck lag im Einmalhandschuh: Au Pair nutzt Gelegenheit

hzAmtsgericht Ahaus

Für den Krankentransport zog eine Ahauserin den teuren Schmuck aus. Im Krankenhaus war er weg. Ihr Au Pair behauptete, sie habe ihn versehentlich weggeschmissen. Der Richter glaubte ihr nicht.

Ahaus

, 01.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die 48-jährige Ahauserin war es ein rabenschwarzer Tag. Erst wurde sie wegen Verdachts auf Meningitis zunächst in ein, dann in ein zweites Krankenhaus transportiert. Dann war auch noch ihr teurer Schmuck, darunter ein Anhänger von Cartier, verschwunden. Eine 27-jährige Frau, die bei ihr als Au Pair arbeitete, stand jetzt wegen Unterschlagung vor Gericht.

Der Schmuck, um den es geht, ist teuer. Die 48-jährige Frau hat ihn immer getragen, niemals abgelegt, wie sie im Amtsgericht erzählt. Sie zeigt Fotos: Der Anhänger ist von Cartier, geformt wie eine große Erdbeere, auf der eine Biene sitzt. Er ist rund 23.400 Euro wert und als limitierte Auflage vergriffen. Dazu kommen die Kette und ein Paar gelbgoldene Ohrringe. Rund 24.000 Euro ist alles zusammen wert. Doch seit Dezember 2018 hat sie den Schmuck nicht mehr.

In Verdacht ist die 27-jährige Au Pair, die sie an diesem Dezembertag von Ahaus über Stadtlohn nach Borken begleitet hat. Diese weist vor dem Amtsgericht in Ahaus den Verdacht zurück. Sie sagt aus, dass sie von der Rettungssanitäterin am Ende der Krankenfahrt zusammengeknüllte Handschuhe bekommen habe mit dem Kommentar „Das gehört dazu“.

Angeklagte: Handschuh mit anderem Müll im Krankenhaus weggeschmissen

Weil sie zu Beginn schon einen Mundschutz bekommen hatte, sei sie davon ausgegangen, dass beides zusammengehöre. Sie habe die Handschuhe in ihre Jackentasche gesteckt und später zusammen mit anderem Müll aus der Tasche im Krankenhaus weggeschmissen. Ohne zu wissen, was sich darin befand.

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Der Richter glaubt ihr nicht. Er begründet das mit den ausführlichen Aussagen, die sowohl die Geschädigte, als auch die beiden Sanitäter in seinen Augen glaubwürdig gemacht hatten. Dabei ging es auch darum, wie gut die Angeklagte, die aus der Ukraine stammt und erst ein halbes Jahr zuvor nach Deutschland kam, zu dem Zeitpunkt Deutsch verstand. Zur Verhandlung steht ihr im Gericht ein Dolmetscher zur Seite. Die Sanitäterin berichtet, man habe sich bei der Fahrt gut unterhalten.

Sorgfältig wird vor Gericht der Tag im Dezember 2018 nachverfolgt. Zuerst ging es von Ahaus zum Krankenhaus in Stadtlohn. Dort wurde die Ahauserin untersucht, wozu sie den Schmuck ablegen musste. Weil Verdacht auf eine Meningitis bestand, sollte die Frau dann ins Krankenhaus nach Borken gebracht werden. Als die 48-Jährige, der es „sehr schlecht ging“, abtransportiert wurde, bat sie die beiden Sanitäter, „das Gold“ mitzunehmen und der Au Pair zu geben. Diese suchten nach einem Behälter, nahmen dann einen Einmalhandschuh.

Zeugin: Schmuck vor der Übergabe noch mal gezeigt

Bei der Liegendanfahrt in Borken, so beide Rettungssanitäter, übergab die Kollegin den Handschuh an die 27-Jährige. Dabei wurde ihr der Schmuck noch einmal gezeigt, so die übereinstimmende Aussage. „Sie hat in den Handschuh geguckt, den Schmuck gesehen, dann habe ich den Handschuh wieder zugeknotet“, so die Rettungssanitäterin. Das habe die 27-Jährige auch verstanden.

In einigen Details unterschied sich die Aussage der Angeklagten von denen der drei Zeugen. „Es ist die Überzeugung des Gerichts, dass sie an mehreren entscheidenden Stellen gelogen haben“, so der Richter. „Sie haben sich den Schmuck selbst angeeignet.“ Der Verteidiger hatte dagegen Freispruch gefordert. Man habe keine ausreichende Gewissheit, dass die Angeklagte wusste, was in dem Handschuh war.

Das Urteil fiel am Ende noch etwas härter aus als gefordert: 80 Tagessätze zu 20 Euro,. Die Summe bezieht sich auf das Einkommen der 27-Jährigen, die zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr macht. Außerdem wird der Einzug von Werteersatz angeordnet.

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