Christliche Gemeinden sollen Flüchtlinge aufnehmen

Papstaufruf

In einem Aufruf forderte Papst Franziskus am Sonntag alle religiösen Gemeinden und Pfarreien dazu auf, in ihren Räumlichkeiten Unterkünfte für Flüchtlinge bereit zu stellen. Wie das in der Region bereits umgesetzt wird und welche Pläne jetzt verfolgt werden, beantworten die zuständigen Pfarrer der Münsterland Zeitung.

AHAUS

07.09.2015, 19:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit gutem Beispiel geht das Oberhaupt der katholischen Kirche Papst Franziskus voran: Er macht Platz im Vatikan für Flüchtlinge. In den nächsten Tagen schon sollen zwei Flüchtlingsfamilien in die beiden Pfarrgemeinden des Vatikans einziehen. So sollen es alle religiösen Gemeinschaften, Pfarreien, Klöster und Wallfahrtsorte nachmachen; seine Forderung lässt wenig Interpretationsspielraum.

Möge jede Pfarrgemeinde und jede geistliche Gemeinschaft in Europa eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. #Jubiläum#refugeeswelcome

— Papst Franziskus (@Pontifex_de)

Der Appell ist in den hiesigen Pfarreien angekommen, an der Umsetzung hapert es aber noch. Schon vor der fordenden Rede des Pontifex ist die Hilfsbereitschaft in den Gemeinden groß, nicht nur Ehrenamtler und Freiwillige helfen, auch die Kirchenvorstände haben nach Lösungen gesucht und tun es noch.

Hilfe der Kirchengemeinde

Mit der Unterstützung der St.-Andreas-Gemeinde konnte ein Mann aus Wüllen seine flüchtende Familie aus Syrien nach Deutschland holen. Sie half bei der Suche von drei freien Wohnungen vor Ort. "Mittlerweile wohnen dort die Mutter mit ihrer Tochter in einer Wohnung sowie der Bruder des Wülleners mit seiner Frau. Sie hat erst vor Kurzem hier ein Kind geboren", erzählt Pfarrer Michael Berning. "Aktuell suchen wir nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten, wir haben keine eigenen Immobilien zur Verfügung."

Dieses Problem herrscht in mehreren Gemeinden vor. Auch die evangelische Christus-Gemeinde Ahaus beschäftigt sich mit dem Platzmangel. Sie kann jedoch, so Pfarrer Willy Bartkowsky, ebenfalls keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. "Dennoch ist die Aussage ein absolut richtiger Vorstoß des Papstes", betont Bartkowsky.

Familie im Pfarrhaus

Die positive Einstellung zur Forderung des Kirchenoberhauptes teilen alle Gemeindevertreter geschlossen. Schon vor einem halben Jahr machte die Gemeinde St. Brigida/St. Margareta aus Legden und Asbeck Platz für geflüchtete Menschen. Eine vierköpfige Familie sei bereits im Asbecker Pfarrhaus und eine Einzelperson in einer weiteren Wohnung untergebracht, berichtet Pfarrer Christian Dieker.

"In naher Zukunft soll im Pfarrhaus noch eine weitere Wohnung für einen Single-Haushalt oder ein Ehepaar eingerichtete werden." Der Kirchenvorstand habe diesem Vorhaben bereits zugestimmt. Das Asbecker Pfarrhaus sei mit seiner ortsnahen Lage und einer guten Betreuung ideal.

Schutz durch Kirchenasyl

Eine weitere Möglichkeit, Flüchtlingen Unterkunft und Schutz zu bieten, ist das Kirchenasyl. Im Juli dieses Jahres habe die St.-Georg-Gemeinde Vreden das Konzept erstmals erfolgreich umgesetzt, berichtet Pfarrer Guido Wachtel. Zur Forderung des Papstes sagte er: "Unsere Caritas-Konferenz wird das Thema ab November zu ihrem Schwerpunkt machen."

In der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt Ahaus sind die Räumlichkeiten ebenfalls begrenzt. Dort beschränke man sich darauf, Veranstaltungen für Flüchtlinge, wie dem internationalen Frühstück, Raum zu verschaffen, erklärt Pfarrer Heinrich Plaßmann. Rudolf Kleyboldt, Pastoralreferent in der Gemeinde St. Otger in Stadtlohn, beschreibt eine ähnliche Situation; das bestehende Immobilienkonzept sehe obendrein eine Verkleinerung vor.

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