Corona bringt nach 50 Jahren Souvenirs aus dem Rucksack zutage

Coronavirus

Corona stellt die Gegenwart auf den Kopf. Aber manchmal bringt das Virus auch die Vergangenheit hervor. Zum Beispiel, wenn man nach 50 Jahren eine Postkarte zum zweiten Mal erhält.

Ahaus

, 08.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Postkarte aus der Vergangenheit: Der Rucksack lässt öffnen. Er enthält eine kleine Fotogalerie aus dem Briloner Land.

Eine Postkarte aus der Vergangenheit: Der Rucksack lässt öffnen. Er enthält eine kleine Fotogalerie aus dem Briloner Land. © Stefan Grothues

Gestern habe ich eine Postkarte bekommen: „An Schüler Stefan Grothues“ stand mit vertraut-altertümlicher Schrift unter der 30-Pfennig-Briefmarke geschrieben. Die Postkarte ist ein halbes Jahrhundert alt, der Postkartenschreiber längst verstorben. Dieses Mal erreichte sie mich in einem Briefumschlag.

Postkartenrucksack lässt sich öffnen

Vor 50 Jahren habe ich die Karte schon einmal in den Händen gehalten und das gemalte Bild eines Wanderers mit Tiroler Hut bewundert. Er hat sich auf den Höhen des Sauerlandes im Schatten der Tannen niedergelassen. Neben ihm steht ein Rucksack, darunter der Satz „Nach langer Wandrung sitz‘ ich hier, im Rucksack trag‘ ich‘s Souvenir“.

Und tatsächlich, der Rucksack lässt sich öffnen, und zum Vorschein kommt eine Foto-Zieharmonika mit Schwarzweiß-Aufnahmen des Briloner Landes. Fantastisch! Ich bin heute noch so fasziniert wie damals.

Brüderliche Archivierung

Und mein – sagen wir mal – „archivierungsfreudiger“ Bruder war es offenbar auch. Wenn ich ihm böse gewesen wäre, könnte ich auch von Beutekunst sprechen. Die Karte verschwand aus meinem Leben. Für 50 Jahre.

Dann kam Corona ins Spiel. Viel Zeit daheim für jedermann. Auch für meinen Bruder. Zeit, das Privatarchiv auf Vordermann zu bringen. Zeit, Dauerleihgaben an den eigentlichen Eigentümer zurückzusenden – „aus dem Zwischenarchiv ins Endarchiv“, wie er erklärte.

Nun ist der Wanderer nach langer Wanderung wieder daheim: Die einzige Postkarte, die ich mit großer Freude zwei Mal erhalten habe. Das hätte meinem Vater, dem damaligen Urlauber im Briloner Wald, gefallen.