Der Mittelstand in der Region spürt die negativen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. Dabei sind die Branchen durchaus unterschiedlich zu betrachten, heißt es von der Sparkasse Westmünsterland.

von Robert Klein, Christian Bödding

Ahaus

, 11.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mittelstand in der Region zeigt sich nach Einschätzung der Sparkasse Westmünsterland in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage robust. Als Hauptgründe nennt das Geldinstitut in einer Pressemitteilung die vielschichtige Struktur und die solide Basis, die sich die Unternehmen in den vergangenen Jahren mit gutem wirtschaftlichen Wachstum aufgebaut haben.

Negative Auswirkungen

Vier von fünf Unternehmen haben in einer IHK-Umfrage im Mai angegeben, negative Auswirkungen durch die Corona-Pandemie zu spüren. Zentrales Problem für viele Branchen war und ist der starke Nachfrage- und damit Umsatzrückgang bei mehr als 80 Prozent der Unternehmen.

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Die verschiedenen Branchen sind durchaus unterschiedlich zu betrachten: Einigen Zweigen ist die Geschäftsgrundlage zumindest zeitweise komplett weggebrochen, sie lässt sich auch nur langsam wiederaufbauen. Andere Bereiche spüren die Auswirkungen bislang kaum oder erfahren eine stärkere Nachfrage.

Starke Rückgänge bei Export-Unternehmen

Export-Unternehmen, beispielsweise im Maschinenbau, müssen laut Pressemitteilung der Sparkasse starke Rückgänge hinnehmen: 59 Prozent der im Mai befragten Unternehmen im IHK-Bezirk rechnen mit geringeren Umsätzen im Auslandsgeschäft. Der Einzelhandel, Restaurants und Caterer, der Tourismus und Messebauer sind ebenso betroffen wie auch andernorts in Deutschlands.

Während einige Dienstleiter wie Steuerberater zurzeit Mehrarbeit verzeichnen, konnten andere wie beispielsweise Friseure nach dem Lockdown relativ zügig auf ein gutes Niveau zurückkehren, heißt es vom Geldinstitut.

Logistiker spüren stärkere Nachfrage

Das Baugewerbe und das Handwerk würden kaum von Einschränkungen und Problemen berichten. „Die Hersteller von Hygieneartikeln, Desinfektionsmitteln und Acrylglas sowie Logistikunternehmen spüren aktuell eine stärkere Nachfrage“, teilt die Sparkasse mit.

Beinahe ein Viertel der von der IHK befragten Unternehmen sieht sich mit Liquiditätsengpässen konfrontiert. Die Sparkasse bietet ihren Kunden seit Beginn der Corona-Pandemie an, über Tilgungsaussetzungen zu sprechen. Bislang wurden diese rund 2000 Mal mit einem Gesamtvolumen von gut zehn Millionen Euro genutzt.

Hilfsprogramme unverzichtbar

„Die Hilfsprogramme von Bund und Ländern tragen zur Sicherung der Liquidität bei und sind damit eine sehr große Entlastung“, erklärt das Geldinstitut. Kleinere Unternehmen hätten in erster Linie die Zuschüsse genutzt, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Die Kreditprogramme nehmen tendenziell größere Firmen in Anspruch. „Bis Ende Juli haben wir 203 Kredite im Volumen von rund 55 Millionen Euro begleitet.“

Krisenfestigkeit durch gute Eigenkapitalausstattung

Als positives Signal wertet die Sparkasse die geringe Zahl der Unternehmen, die sich in der IHK-Umfrage von einer Insolvenz bedroht sehen: Zwei Prozent haben das im Mai angegeben. Dazu trage die grundsätzlich gute Eigenkapitalausstattung der Unternehmen bei. Die Eigenkapitalquote im Mittelstand habe sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur deutlich erhöht.

„Es wird bestimmt Insolvenzen geben“

Die Sparkasse Westmünsterland hat noch keine Insolvenz registriert, die auf Folgen der Corona-Krise zurückzuführen ist. „Das liegt allerdings auch an der bis zum 30. September ausgesetzten Insolvenzantragspflicht“, erklärt Sparkassenvorstand Jürgen Büngeler auf Anfrage unserer Redaktion. „Es wird bestimmt Insolvenzen geben, in welchem Ausmaß bleibt abzuwarten.“

Sparkassen-Vorstand Jürgen Büngeler

Sparkassen-Vorstand Jürgen Büngeler © Sparkasse Westmünsterland

Ein oft gehörter Vorwurf von Unternehmen lautet, dass es zu lange dauert, bis Fördermittel fließen. Dazu erklärt Jürgen Büngeler: „Der Schnellkredit der KfW hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Auch die anderen Kreditprogramme konnten wir schnell bearbeiten und an die KfW weiterleiten. Eine Prüfung muss natürlich stattfinden, nach unserer Erfahrung hat der Gesamtablauf wirklich gut funktioniert.“

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Alle Kundenberater sowie die damit intern befassten Mitarbeiter seien im Dauereinsatz gewesen. „Die Soforthilfen des Landes mussten über die Bezirksregierungen beantragt werden. Die Bearbeitung erfolgte nicht durch uns, es wurden allerdings viele Zahlungen über Konten bei uns abgewickelt.“

Beschleunigte Digitalisierung

Viele Unternehmen sind auf einen Schlag viel digitaler geworden, 90 Prozent wollen daran festhalten. „Die Corona-Krise hat diese Entwicklung sicher beschleunigt, beziehungsweise deutlich gemacht, dass wir als Gesellschaft in so manchen Bereichen die digitalen Möglichkeiten besser nutzen sollten“, sagt Jürgen Büngeler.

Das bargeld- und kontaktlose Bezahlen habe weiteren Aufwind bekommen: Die Zahlungen haben sich von März bis Mai verdreifacht. „Das Thema Einkaufen liegt auf der Hand, doch auch Prozesse und Arbeitsweisen in Unternehmen können und sollten weiterentwickelte werden“, erklärt Jürgen Büngeler. „Insofern wird sich dieser Trend bestimmt fortsetzen.“

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