Dankbarkeit statt Ärger: Clemens Beckers lässt sich von Krise nicht unterkriegen

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Die Corona-Krise trifft den Betrieb von Metzgermeister Clemens Beckers hart. Der Bereich Catering steht trotz Hochsaison fast komplett still. Von Groll ist der Ahauser allerdings weit entfernt.

Ahaus

, 21.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Clemens Beckers ist niemand, der sich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Beim Thema Coronavirus wird der Metzgermeister aber ernst: „Damit sollte man nicht spaßen. Einen befreundeten Arzt hat es erwischt und er hat mir berichtet, wie es ihm ergangen ist. Das hatte mit einer normalen Grippe nichts zu tun.“

Ein solches Statement ist deshalb bemerkenswert, weil die Pandemie auch am Betrieb des Ahausers alles andere als spurlos vorbeigegangen ist und er großes Interesse daran haben dürfte, dass möglichst schnell wieder Normalität einkehrt.

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Zwar durfte der reguläre Verkauf in den verschiedenen Filialen weitergehen, die anderen Geschäftsbereiche kamen allerdings fast gänzlich zum Erliegen. „Der Bereich Catering ging durch den Shutdown innerhalb weniger Tage von hundert auf null“, sagt Beckers. Abibälle, Geburtstage, Hochzeiten: alles gestrichen. „Meine Grills stehen seit Wochen nur in der Halle herum.“

Revierderby fällt ins Wasser

Das gilt auch für die Wurstbude, in der Clemens Beckers seit 13 Jahren vor jedem Heimspiel der Dortmunder Borussia am Stadion seine Spezialitäten verkauft. Das Derby gegen Schalke 04 ist normalerweise für seinen Betrieb der umsatzstärkste Tag in der Saison. „Aus unternehmerischer Sicht war es schon bitter, dass ausgerechnet dieses Spiel als erstes abgesagt wurde.“ Dass er 2020 noch einmal nach Dortmund fahren wird, glaubt Beckers nicht: „Das wäre schon ein kleines Wunder.“

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Ein wenig Hoffnung hat er hingegen bei Schulen und Kindergärten. Hier merkt der Ahauser, dass es langsam – sehr langsam – wieder losgeht. „Gestern durften wir mal wieder 200 Essen ausfahren. Da habe ich schon mit den Erzieherinnen geflachst, ob sie sich vor dem Feiertag schon mal eine Grundlage schaffen wollen“, so Beckers. Und wird dann sachlich: „200 Essen – das klingt für Außenstehende vielleicht viel, aber wir beliefern normalerweise circa 50 Schulen und Kindergärten. Für uns ist das immer noch absoluter Sparbetrieb.“ Und dennoch ein Fortschritt.

Essen für eine Handvoll Kinder ausgeliefert

Denn während des harten Lockdowns gab es Tage, an denen Clemens Beckers für eine Handvoll Kinder Essen ausgeliefert hat. „Einmal habe ich insgesamt fünf Essen zu fünf verschiedenen Kindertagesstätten gebracht. Eins nach Gronau, eins nach Heek, eins nach Ahaus...“, berichtet der Metzgermeister. Wirtschaftlich war das natürlich nicht. Doch den Betrieb einzustellen, kam für Clemens Beckers nicht infrage. „Man verlässt sich ja auf uns.“

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Und diese Verlässlichkeit blieb nicht unbemerkt. „Vielen Dank, dass ihr für ein Kind Essen ausgeliefert habt und trotz der schwierigen Umstände für uns da wart“, schrieb zum Beispiel das Team vom DRK-Kindergarten Heek auf eine bunt gestaltete Karte. Mehrere Kinder zeichneten außerdem Bilder für Clemens Beckers und sein Team, eine Mutter bedankte sich zu Ostern mit Blumen. „Diese Dankbarkeit war überwältigend und alles andere als selbstverständlich“, sagt der Ahauser.

Krise „nicht existenzbedrohend“

Obwohl auch seinen Betrieb die Folgen der Pandemie hart treffen, will er nicht jammern: „Die Krise ist für uns nicht existenzbedrohend. Bisher haben wir es vernünftig geregelt bekommen und sind als Team enger zusammengerückt.“ Als Trumpf sieht Clemens Beckers bei vielen Unternehmen in der Region auch die Münsterländer Mentalität: „Spare in der Zeit, so hast du in der Not. Ich hoffe, dass so viele die Krise überstehen können.“

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