Der Karnevalsverein Klein-Köln in Wüllen verzichtet auf ein neues Dreigestirn

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Gesundheitsminister Jens Spahn sprach erstmals über eine mögliche Absage der Session 20/21. In Ottenstein und Wüllen plant man vorerst weiter, Klein-Köln hat aber eine Entscheidung getroffen.

Ahaus

, 17.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit seiner Aussage am Dienstag hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufhorchen lassen: Aktuell könne er sich Karneval im Winter mitten in der Corona-Pandemie nicht vorstellen. Er selbst sei Kinderprinz gewesen und wisse, „wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist“. Die aktuelle Lage sei bitter, „aber so ist es“. Mit diesem unabgestimmten Vorpreschen überraschte Spahn gerade die Vereine in den großen Karnevalshochburgen wie am Rhein, der Unmut ist teils groß.

Präsident nimmt Kontakt zu Jens Spahn auf

In Ottenstein und Wüllen nahm man die Nachricht gelassen auf. In Klein-Köln hatte man zuvor aber schon entschieden, dass es 20/21 kein Dreigestirn geben wird. Carsten Berthues, Präsident bei den Burggeistern in Ottenstein, rechnete insgeheim schon mit einer Äußerung Spahns. Noch am Dienstagabend schrieb er dem ehemaligen Kinderprinz der Burggeister in einer E-Mail, dass er sich eine zeitnahe Entscheidung wünsche: „Mit einer Generalentscheidung wären alle auf einem Nenner.“

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Umgemünzt auf den Ottensteiner Karneval wäre es unter den aktuellen Vorgaben kaum denkbar, „die Verantwortung als Vorstand zu übernehmen“ – gerade bei wieder steigenden Infektionszahlen: „Wie soll denn ein Hygienekonzept für den Karneval aussehen?“ Auch über diese Dinge sei man im regelmäßigen Austausch mit den Karnevalsvereinen zum Beispiel in Bocholt und Südlohn – und eben auch in Wüllen.

Kein Dreigestirn in Klein-Köln

Ebenso nicht überraschend getroffen hat die Aussage von Jens Spahn die Klein-Kölner Karnevalisten. Für den ersten Vorsitzenden in Wüllen, Marco Schröder, sei es zu erwarten gewesen, dass „einmal jemand mit einer solchen Aussage herauskommt“. Mit dem Gedanken, dass es „sicher keine normale Session 2020/21“ geben wird, hat man sich im Verein schon länger beschäftigt: „Wir denken seit Wochen in alle Richtungen.“

Eine Entscheidung hat man in Wüllen bereits getroffen: Es wird in der Session 2020/21 kein Dreigestirn geben. Auch die amtierenden Regenten mit Prinz Markus II. (2.v.l.), Prinzessin Sani I. und Mundschenk Michael aus der Nachbarschaft „Neu Berlin“ werden keine Session dranhängen.

Eine Entscheidung hat man in Wüllen bereits getroffen: Es wird in der Session 2020/21 kein Dreigestirn geben. Auch die amtierenden Regenten mit Prinz Markus II. (2.v.l.), Prinzessin Sani I. und Mundschenk Michael aus der Nachbarschaft „Neu Berlin“ werden keine Session dranhängen. © Christian Bödding

Über den Sommer hatte man sich noch Hoffnung behalten, in der vergangenen Woche traf man dann eine erste Entscheidung: Es wird kein neues Dreigestirn geben. „Dem Dreigestirn und auch der Nachbarschaft, für die dieses Jahr ja ein echtes Highlight mit vielen Höhepunkten werden soll, wollen wir keine abgespeckte Session zumuten“, so Schröder. Ebenso werde die Amtszeit des amtierenden Dreigestirns nicht verlängert. So verfährt man zum Beispiel in Stadtlohn, wo die amtierenden Prinzenpaare eine zweite Session dranhängen werden.

Mitte September sollen Fakten geschaffen werden

Nun wird in beiden Orten abgewartet, wie sich die allgemeine Entwicklung darstellt – und parallel geplant. „Wir haben uns Mitte September als Ziel gesetzt. Zur Generalversammlung wollen wir Entscheidungen treffen und Fakten präsentieren“, berichtet Carsten Berthues für Ottenstein.

Jetzt sei schließlich auch die Zeit, in der man an den Programmen feilen müsse – auch mit wirtschaftlichen Verpflichtungen verbunden. Und das, obwohl sich die Rahmenbedingungen ständig änderten. Ganz plakativ gesagt: „Eine ‚Ansage von oben‘ würde die Entscheidung erleichtern, weil sie ein Stück weit Verantwortung von unseren Schultern nähme.“

Verschiedene Pläne im Auge

In Wüllen sitzt der Verein in einem Boot mit den Nachbarschaften und den Wirten. „Wir haben verschiedene Pläne im Auge und schauen, was kurzfristig auf die Beine zu stellen wäre. Die Planungen laufen natürlich komplett unter Corona-Bedingungen. Es ist aber noch nichts in Stein gemeißelt.“ Mit der Situation müsse man nun einfach umgehen: „Karneval kann man vielleicht als Fest einmal absagen, das Gefühl und die Zeit bleiben aber.“

Ähnlich sieht es Carsten Berthues in der Nachbarschaft: „Wir feiern alle gerne Karneval, aber sicher nicht um jeden Preis.“ So wird in beiden Hochburgen weiter in verschiedene Richtungen geplant – solange von behördlicher Seite keine offizielle Mitteilung kommt, die allgemeingültig ist.

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