Der VfL Ahaus fährt langsam hoch – und setzt auf Eigenverantwortung

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Seit rund zwei Monaten liegt der Sportbetrieb auch beim VfL Ahaus still. Ab Montag soll dieser Stillstand vorerst ein Ende haben. Für erste Angebote wurde eine Hygienekonzept erarbeitet.

Ahaus

, 14.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Menschen bringen Leben in die Sportvereine. Auch beim VfL Ahaus sehnt man sich nach einem Stück Normalität zurück, die Lockerungspläne des Landes NRW haben in der vergangenen Woche erste Türen geöffnet – und Begehrlichkeiten geweckt. Und so will man auch beim VfL am Montag, 18. Mai, ein „positives Signal setzen“, erklärt der Vorsitzende Frank Schaten. Er drückt allerdings gleichsam auf die Bremse: „Die Angebote, mit denen wir starten, werden unter großen Einschränkungen stattfinden.“

Lockerungspläne kamen überraschend

Seit einer Woche steht das Telefon bei Marianne Terwersche auf der Geschäftsstelle nicht mehr still: „Die Fragen sind – wie sicher in jedem Sportverein – die gleichen: Wann geht’s wieder los?“ Vom Zeitpunkt und von der Wucht der Lockerungspläne sei man allerdings überrascht worden. „Vieles ist gar nicht umsetzbar oder wird der jeweiligen Sportart nicht gerecht“, so Schaten.

Auf den Tennisplätzen auf dem Gelände in Unterortwick herrscht an diesem Mittwochmorgen reger Betrieb. „Es kommt wieder ein wenig die von uns allen geliebte Atmosphäre rein. Tennis, Volleyball, Bogenschießen – im Grunde können wir alles problemlos anbieten, was in der Regel im Freien durchgeführt wird“, erklärt Terwersche.

Mannschaftssportler müssen sich weiter in Geduld üben

In Geduld üben müssen sich zum Beispiel noch alle Mitglieder, die in Hallensportarten aktiv sind. Auch weil Hallen und Bäder noch nicht freigegeben sind. „Auch sonst ist die Ausübung von Mannschafts- und Kontaktsportarten mit noch erheblicheren Einschränkungen verbunden, als sie allgemein schon vorherrschen“, so Schaten. „Gerade für diese Dinge kommen die Pläne einige Wochen zu früh, wir warten mal ab, wie Ende Mai neu bewertet wird“, ergänzt Terwersche.

Freiluftzelt soll weitere Möglichkeiten schaffen

Beim Blick in den Kurs- und Kraftraum freut sich die Geschäftsstellenmitarbeiterin, dass zwei Übungsleiter damit beschäftigt sind, Vorkehrungen zur Durchführung von Gesundheits-, Reha- oder auch Kraftsporteinheiten zu treffen. Boris Golubovic und Marcel Miesczynski kleben Zonen ab, in denen sich die Mitglieder im Kursraum bewegen dürfen, um das Abstandsgebot zu wahren. „Leere Räume sind doch furchtbar“, blickt Terwersche nur noch kurz einmal zurück. Denn sie, die das Programm mit Lisa Dirksen federführend organisiert und die aktuell „sehr gerne viel Arbeit“ hat, hat mit dem VfL weitere Pläne: „Wir müssen unter den aktuellen Rahmenbedingungen innovativ sein.“

Auf der Grünfläche soll ein Zelt „Freiluftsport" nach Hygienekonzept möglich machen. Frank Schaten (Vorsitzender) und Marianne Terwersche (Geschäftsstelle) genießen schon ein wenig Vereinsatmosphäre, die auf den Tennisplätzen herrscht.

Auf der Grünfläche soll ein Zelt „Freiluftsport" nach Hygienekonzept möglich machen. Frank Schaten (Vorsitzender) und Marianne Terwersche (Geschäftsstelle) genießen schon ein wenig Vereinsatmosphäre, die auf den Tennisplätzen herrscht. © Michael Schley

Und so werden auf der Rasenfläche in einem Zelt vor dem Klubheim weitere 100 Quadratmeter im Freien geschaffen, die genutzt werden können – für mindestens zwei Monate, wahrscheinlich gar auch in den Sommerferien. „Dort können zum Beispiel Indoor Cycling-Gruppen trainieren, was im Raum nicht möglich ist, da der Sport doch sehr schweißtreibend ist“, berichtet Frank Schaten.

Doch auch Mannschaftssportler könnten diese Fläche nutzten - zum Beispiel für Ausdauereinheiten. Ein besonderes „Freilufttraining“. In den Sommerferien plane man dann auch dort ein „Feuerwerk“ an Angeboten. „Wir wollen deutlich mehr bieten, als wir es in anderen Jahren schon tun, richtig durchpowern. Natürlich immer unter der Prämisse, dass wir die Kapazitäten dafür schaffen können.“

„Mitglieder haben viel Geduld mitgebracht"

Eines ist Frank Schaten besonders wichtig: „Wir können im Rahmen unserer Verantwortung Angebote schaffen, jedes Mitglied entscheidet frei, ob es diese annimmt. Jeder Übungsleiter und jedes Mitglied bringen einen großen Teil Eigenverantwortung ein.“ Insbesondere denkt er in diesen Tagen auch an viele Sportgruppen mit Mitgliedern in Risikoklassen, die weiter ihren Sport entbehren müssen.

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„Insgesamt haben alle viel Geduld eingebracht, da ist es doch verständlich, dass nun Bewegung reinkommt. Wir wollen jetzt auch beginnen. Wir werden uns sicher Gedanken machen, wie man den Mitgliedern für die Gelassenheit wohlwollend entgegenkommen kann – zum Beispiel beim kommenden Beitragseinzug.“

Übungsleiter werden in Hygienekonzept eingewiesen

Doch zunächst steht am Samstag noch eine ganz wichtige „Grundlageneinheit“ an. Sämtliche Übungsleiter erhalten eine Einweisung in das gültige Hygienekonzept. „Wir tun alles, um die Maßnahmen zum Schutz aller Beteiligten umzusetzen“, so Marianne Terwersche. Mit teils sicher auch gewöhnungsbedürftigen Programmpunkten: So werden aus Übungsstunden vorerst 45 Minuten. In den weiteren 15 Minuten wird desinfiziert, der Raum für die nächste Gruppe vorbereitet. „Vorher kommt kein anderer in den Raum. Es wird nun mal alles noch nicht so sein, wie wir es kennen“, so Frank Schaten. Aber es werde ein Anfang sein…

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