Tobias Groten, Gründer und CEO der Tobit-Labs, will am 14. April seine Ideen für die Ahauser Innenstadt vorstellen. Die Pushcon Focus findet auf dem Tobit-Campus statt und wird online übertragen. © Stephan Rape
Pushcon Focus

Digitalisierung: Tobias Groten hat neue Pläne für die Ahauser Innenstadt

Braucht man eine Innenstadt? Tobias Groten sagt „Ja“. Aber er würde sie anders gestalten. Was er sich darunter vorstellt, hat er vor der Pushcon Focus am Mittwoch schon einmal angerissen.

Wie bekommt man die Menschen in eine Innenstadt und welche Relevanz hat das Stadtzentrum überhaupt noch? Tobias Groten, Gründer und CEO der Tobit-Labs, möchte darauf am Mittwochabend drei Antworten geben. Bei der Pushcon Focus steht nichts weniger als die Zukunft der Innenstadt aus seinem – einem digitalen – Blickwinkel im Zentrum.

Wir treffen ihn am Samstag im Atrium auf dem Tobit-Campus. Vor der Bühne sind drei Tribünen aufgebaut. Ob hier am Mittwoch Publikum sitzen wird, ist noch nicht endgültig klar – die Corona-Regeln.

Digitalisierung soll Öffnungszeiten überflüssig machen

Klar, es geht um Digitalisierung. Aber eben sehr konkret. Ein Beispiel? Die Öffnungszeiten. Die seien in Ahaus eben noch sehr konservativ. Er lenkt den Blick in Richtung der Supermärkte: „Die sind dann da, wenn sie gebraucht werden“, sagt er. Früh am Morgen und bis spät in die Nacht. „Teilweise sogar bis 24 Uhr“, fügt er hinzu.

Ahaus ist Modellregion: Am Freitagvormittag hat NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart diese Entscheidung verkündet. Ab dem 19. April sollen vorsichtige Lockerungen möglich sein. Die Rahmenbedingungen sind aber noch unklar.
Ahaus ist Modellregion: Am Freitagvormittag hat NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart diese Entscheidung verkündet. Ab dem 19. April sollen vorsichtige Lockerungen möglich sein. Die Rahmenbedingungen sind aber noch unklar. © Lisa Wissing © Lisa Wissing

Der Einzelhandel hingegen schließe schon früh, mache teilweise sogar für die Mittagspause noch die Türen zu. „Genau zu den Zeiten, wo die Menschen Zeit hätten“, erklärt er.

Doch warum sollten die in eine Innenstadt gehen, wenn dort nichts los sei? Dass der Bummel in der Stadt durchaus von den Menschen noch gewollt sei, zeige ja schon – außerhalb der Corona-Pandemie – ein verkaufsoffener Sonntag, wie etwa der Ostermarkt. „Da ist die Stadt doch brechend voll“, macht er deutlich.

Für ihn ein Zirkelschluss: „Wenn in Ahaus regelmäßig 1000 Leute unterwegs wären, würden auch neue Läden mit frischen Ideen praktisch von selbst öffnen“, macht er deutlich. Leerstände würde es so gar nicht geben.

Hotel ohne Hotelier hat sich etabliert

Vor einigen Jahren ging es den Hoteliers an den Kragen. Tobias Groten, Gründer und CEO der Tobit-Labs, formulierte spitz: „Hotels werden gebraucht, Hoteliers nicht“. Mit dem Smartel im ehemaligen Ratshotel trat er den Beweis an. „Dafür bin ich am Anfang beschimpft worden“, sagt er. Inzwischen habe sich das System bewährt: Das Hotel gibt es bis heute. Es funktioniert, wenn man mal von ein paar Kinderkrankheiten absieht.

Jetzt also der Einzelhandel. Da sei es ganz ähnlich: „Der Einzelhandel wird gebraucht, der Einzelhändler nicht unbedingt.“ Natürlich sei das inhabergeführte Geschäft unbedingt wichtig. Mit Jemandem hinter der Ladentheke, der für seine Branche brenne. Der beraten und fachsimpeln könne. Der eher anonyme Verkäufer, der beispielsweise nur einen Artikel in einer anderen Größe heraussuche, brauche ein Kunde da eher weniger.

Pläne für neues (K)aufhaus-Showcase sollen vorgestellt werden

Ein Beispiel, das er vorstellen möchte: Die Pläne für das Aufhaus – das neue Showcase des Unternehmens im ehemaligen Bekleidungsgeschäft Haverkamp. Das soll an Christi Himmelfahrt (13. Mai) eröffnen.

„Mit der Eröffnung an einem Feiertag zeigen wir ja eigentlich schon, wo es langgehen soll“, sagt Tobias Groten. Es soll einem bekannten Kaufhaus gleichen – und doch etwas völlig anderes sein. Ja klar, könne man dort etwas kaufen. „Darum geht es aber nicht. Du sollst da hingehen und brauchst erst einmal gar nichts“, erklärt Tobias Groten.

Das
Das „Aufhaus” im ehemaligen Modehaus Haverkamp ist ein neues Showcase der Tobit.Labs, das im Mai eröffnen soll. Was genau dahinter steckt, will Tobias Groten bei der Pushcon Focus erklären. © Stephan Rape © Stephan Rape

Viel mehr sollen sich Besucher inspirieren lassen und bummeln. Das Ganze sei eher aufgebaut wie ein Museum. „Nur eben mit Preisschildern“, erklärt er. Dreh- und Angelpunkt seien dabei die flexiblen Öffnungszeiten. Besucher könnten sich zu beliebigen Terminen einbuchen.

Auch das sei schon geübte Praxis: Im Tkwy 24, dem kleinen Supermarkt der Tobit-Labs an der Wallstraße. Der läuft bereits seit November 2020. Diebstahl oder Vandalismus seien dort kein Thema gewesen. „Man muss auch nicht immer vom Schlimmsten im Menschen ausgehen“, sagt Tobias Groten.

App als digitales, zentrales Element im Aufwind

Auch das soll natürlich über die digitale Basis der Gastronomien und Showcases der Tobit-Labs abgewickelt werden: die Chayns-App.

Die bekommt gerade ohnehin durch die Testzentren neuen Aufwind. Auch Ahaus als Modellregion für erste vorsichtige Lockerungen ab dem 19. April ist eng an diese App und die damit verbundenen Funktionen gekoppelt. Nun also der Brückenschlag in den Einzelhandel.

Dabei sei er verrückt genug, zu glauben, dass diese Idee abstrahle. „Natürlich vernichtet die Digitalisierung Arbeitsplätze“, nimmt er ein Gegenargument vorweg. Aber das seien die Arbeitsplätze, die sowieso keiner haben wolle.

Komplett möchte er sich an diesem Samstag noch nicht in die Karten schauen lassen. Nur so viel: Er werde noch zwei weitere Geschichten erzählen. Auch von weiteren Ideen für Showcases und die Innenstadt ist die Rede. Aber das sollen sich die Leute selbst ansehen.

Stadt ohne Innenstadt ist nicht lebenswert

Ganz klar bekennt er sich zur Innenstadt. „Eine Stadt ist ohne ihr Zentrum, ihre Innenstadt nicht lebenswert“, sagt er. Aber da gehe es eben um mehr als nur Einzelhandel und Shoppen.

„Eine Innenstadt muss attraktiv sein, damit die Menschen dorthin gehen und sich treffen“, erklärt er. Und dafür müsse man ihnen eben einen Grund geben. Und das höre ja nicht beim Shoppen auf. Gastronomie sei genauso wichtig.

Aber es gehe eben darum, ständig eine attraktive Innenstadt zu bieten. Und warum solle man nicht abends nach einem Gang durch offene Geschäfte in die Kneipe weiterziehen. Auch da stoße man mit heutigen Öffnungszeiten aber an eine Grenze.

Da sei es zu simpel gedacht, nur über einen Stadtgutschein zu versuchen, die Menschen an die Stadt zu binden. „Keine Frage, das ist ein gutes Instrument in der Pandemie. Aber eben auch nicht besonders mutig gedacht“, sagt er.

Diese mutigeren Ideen habe er und wolle sie in und für Ahaus umsetzen. „Weil es kein anderer macht“, wie er betont.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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