Ein mehrfach vorbestrafter Ahauser (30) hat im Dezember des vergangenen Jahres vor der Diskothek „Next“ einen anderen Gast brutal zu Boden gestreckt. Ins Gefängnis muss er dafür aber nicht.

Ahaus

, 10.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war schon kurios, was sich am Montag (8. Juli) in den Mittagsstunden im Amtsgericht abspielte. Ein wegen Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagter 30-jähriger Ahauser ging noch vor der Verhandlung auf sein vermeintliches Opfer (24) zu und entschuldigte sich für seinen Gewaltausbruch.

„Es tut mit wirklich leid“, sagte der Angeklagte. Geholfen hat ihm dies am Ende nicht. Der Richter verurteilte den 30-Jährigen zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Angeklagter soll vor der Discothek völlig ausgerastet sein

Am 8. Dezember des vergangenen Jahres gegen 3.10 Uhr soll der Angeklagte am Treppenausgang der Discothek „Next“ auf dem Marienplatz wild herumgepöbelt haben.

In der Folge soll der Beschuldigte den 24-jährigen Geschädigten mit einem Faustschlag ohne Vorankündigung zu Boden gestreckt und auch danach weiter auf ihn eingeprügelt haben. Die Hintergründe blieben vor Gericht ungeklärt.

Auch die nur wenige Minuten später eintreffenden Polizeibeamten bekamen die Aggression des Angeklagten am eigenen Leib zu spüren.

„Ich weiß, dass es nicht gut ist, wenn ich etwas trinke. Das ist schon oft schief gegangen.“
Angeklagter

Der Angeklagte wusste um das Risiko, wenn er Alkohol konsumiert

Während der gut zweistündigen Verhandlung mit zehn Zeugen sagte der Angeklagte nicht viel. Mit kurzen Sätzen antwortete er auf die Fragen des Richters. Den Blick zumeist nach unten gerichtet, die Hände gefaltet. Sein längster Satz in der Verhandlung: „Ich weiß, dass es nicht gut ist, wenn ich etwas trinke. Das ist schon oft schief gegangen.“

Angeklagter hat etliche Einträge im Bundeszentralregister

Die Zahlen im Bundeszentralregister über den 30-Jährigen bestätigten dies. Zehn Einträge über schwere Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigungen sind dort aufgelistet. Etliche Jahre Jugendstrafe auf Bewährung waren bisher die Folge. „Sie haben mächtig was auf dem Kerbholz“, merkte der Richter an.

Wirklich gelernt scheint der Angeklagte daraus nichts zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass er in besagter Nacht im Dezember zu solch einem Gewalt-Exzess kommen konnte.

Zigfach vorbestrafter Ahauser (30) muss nach Gewalt-Exzess vor Disco nicht in den Knast

Symbolbild: In der Discothek „Next“ sind sich der Angeklagte und das Opfer nicht in die Quere gekommen. © Israel Peni/unsplash

„Ich kann mich an nichts erinnern. Ich war zu besoffen.“ Das war alles, was der Beschuldigte zu den Vorwürfen sagen konnte. Selbiges galt für den Geschädigten. „Ich habe einen Schlag gespürt. Dann weiß ich nichts mehr. Erst im Krankenwagen habe ich wieder etwas mitbekommen.“

Securitypersonal entschärft die Situation

Der Angeklagte und der Geschädigte gaben an, sich zuvor in der Discothek „Next“ nicht in die Quere gekommen zu sein. Erst als der 24-Jährige mit einigen Bekannten die Disco verließ, kam es zu dem schwerwiegenden Zwischenfall.

Einer der vielen Zeugen griff letztlich ein und versuchte den Angeklagten vom Geschädigten wegzuzerren. Die hinzugerufenen Securityleute vom „Next“ entschärften die Situation, bis die Polizei eintraf.

Die Folgen des Schlages waren für den Geschädigten gravierend

Die Folgen für das Opfer waren dennoch gravierend. Neben starken Kopfschmerzen rissen durch den Sturz sämtliche Bänder in der linken Schulter. „Ich war vier Monate arbeitsunfähig“, so der 24-Jährige, der im Verfahren als Nebenkläger auftrat. Vorgelegte Atteste belegten seine Aussage.

Als die Polizeibeamten am Tatort eintrafen, so schilderten es drei von ihnen vor Gericht, habe sich der Beschuldigte bereits einige Meter entfernt, um sich an einem Zaun vor dem Gebäude der Münsterland Zeitung festzuklammern. „Nur vereint und unter Einsatz von körperlicher Gewalt konnten wir den Mann überwältigen“, sagte einer der Beamten aus.

Zigfach vorbestrafter Ahauser (30) muss nach Gewalt-Exzess vor Disco nicht in den Knast

Am Zaun vor dem Gebäude der Münsterland Zeitung klammerte sich der Angeklagte fest. Letztlich konnten ihn drei Polizeibeamte überwältigen. © Till Goerke

Denn der 30-Jährige soll nach dem Lösen vom Zaun wild um sich geschlagen und getreten haben. Erst nach dem die Beamten Pfefferspray einsetzten, habe der Angeklagte seinen körperlichen Widerstand aufgegeben. „Danach kamen nur noch üble Beleidigungen“, so die Beamten.

Richter richtet ernsten Appell an den Angeklagten

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung inklusive 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der Anwalt des Geschädigten und Nebenklägers plädierte für ein Jahr auf Bewährung und ein intensives Anti-Aggressionstraining.

Schlussendlich verurteilte der Richter den 30-Jährigen zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. In dieser Zeit untersteht der Verurteilte einem Bewährungshelfer und muss zudem 100 Sozialstunden absolvieren.

„Ich rate Ihnen dringend, die Finger vom Alkohol zu lassen. Sehen Sie dieses Urteil als allerletzte Warnung an. Ich glaube nicht, dass Ihre Frau und Tochter Sie im Gefängnis besuchen möchten“, gab der Richter dem Verurteilten noch mit auf den Weg.

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