Ein Brautkleid und die anderen vergessenen Kleider in der Reinigung

hzCity Reinigung

In einer Reinigung geben Menschen nicht nur ihre Kleidungsstücke ab, sondern auch Visitenkarten ihres Lebens. Und manchmal bleiben solche sehr persönlichen Einblicke dort einfach zurück.

Ahaus

, 02.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Martin Tüpker, der neben dem Stammsitz in Gronau auch die Cityreinigung Beine in Ahaus betreibt, weiß, wie viel die Sachen, die zur Reinigung oder Wäscherei bestimmt sind, über ihre Besitzer verraten. Manchmal sogar ganz pikante. Wie das Erlebnis mit einem jungen Mann, dessen Kleidung von Kopf bis Fuß durch Massageöl verschmutzt war und der auch die Reinigung des elterlichen Sofas wünschte...

Wie die Jahreszeiten das Vergessen fördern

Er kennt aber auch diese Situation: „Immer wieder werden Sachen einfach nicht abgeholt.“ Vor allem beim Jahreszeitenwechsel passiert es, sagt Tüpker, der Reinigung und Wäscherei bereits von seinen Eltern übernommen hat: „Da wird im Frühjahr einfach vergessen, dass die Winterjacke noch in der Reinigung hängt. Es gebe aber noch einen zweiten Grund: Von zehn Teilen, die nicht abgeholt werden, sind acht bis neun gar nicht bezahlt.

Die Braut meldete sich nicht

Wie das Brautkleid, das drei Jahre aufbewahrt wurde. Mitarbeiterin Nadine Schnieber erinnert sich: „Wir wussten, wem es gehört, haben immer wieder angerufen, und schließlich war auch die Nummer gar nicht mehr aktiv.“ Dann aber kam die ehemalige Braut doch noch und löste das Kleid aus. Zu den Gründen, wie es überhaupt soweit kam, schwieg sie.

Nadine Schnieber gibt einen kleinen Eindruck von den „Altlasten“ der Cityreinigung und holt ein leuchtendrotes Cocktailkleid vom Ständer. Die „Lady in red“ aber ist die große Unbekannte. Ebenso wie die Besitzerin eines langen, schwarzen festlichen Rockes. Beide Teile gehören seit zwei Jahren zum Bestand. So auch ein maßgeschneidertes Herrenhemd.

Lagerraum für die Ladenhüter

In Gronau hat Martin Tüpker solche „Ladenhüter“ sogar in einem eigenen Lagerraum gesammelt. Darunter Anzüge, Hemden, Jacken. „Kleider eigentlich sogar eher weniger“, sagt er. Und bei den meisten handelt es sich auch nicht um ganz hochpreisige Designer-Klamotten. Verwerten, also spenden oder verkaufen, will er die Sachen aber dennoch nicht. Jedenfalls nicht sofort. Auch wenn er nach einem Jahr dazu berechtigt wäre, wie es die Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht, die an der Wand der Reinigung an der Coesfelder Straßen hängen.

Die meisten Kunden sind ohnehin bekannt, geben ihre Adresse und Telefonnummer an. Auf Wunsch können sie sogar den modernen Service in Anspruch nehmen und per SMS informiert werden, wenn ihre Kleidung oder Wäsche abholbereit ist. „Bei den uns bekannten Kunden genügt meist ein Erinnerungsanruf“, erzählt auch Anke Brömmelhaus, die bis vor wenigen Monaten noch eine eigene Reinigung in Heek betrieb.

Ein Teppich und eine Scheidung

Ärger bei der Abholung gibt es aber auch sehr selten. Nur zwei Fälle sind Martin Tüpker haften geblieben. Einmal ging es um die Reinigung eines Teppichs, die ein Ehepaar in Auftrag gegeben hatte, das sich aber dann trennte. Tüpker: „Keiner wollte den Teppich haben, oder vielmehr die Reinigung bezahlen.“ Das verlorene Geld beziffert er mit 300 DM, der Teppich landete schließlich auf dem Müll.

Und ein anderes Mal war eine Frau in die USA umgezogen und habe nach drei Jahren „einen Riesenaufstand gemacht“, dass sich ihre Bettwäsche in keinem guten Zustand mehr befand.

Neben nicht vergessenen Reinigungssachen finden Martin Tüpker und seine sieben Mitarbeiterinnen immer auch allerlei Dinge, die gar nicht dazu gehören: Feuerzeuge, Redemanuskripte, Brillen und vieles mehr. Oft auch Geld. Einmal sogar sehr viel Geld: Für die 4500 DM, die dem Besitzer übergeben wurden, fand dieser aber nicht mal ein Dankeschön.

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