Ein Wessumer Kötterhaus mitten in der Idylle

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Häuser, sagt man, seien Visitenkarten. In Ahaus und Umgebung sind einige von ihnen sogar echte Aushängeschilder. Und zu haben sind sie auch noch. Wie das alte Kötterhaus in Wessum.

Ahaus

, 17.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Immobilienmarkt in der Region ist angespannt, die Preise sind hoch, der Markt ist leer gefegt. In einer Serie schaut unsere Redaktion nach besonderen Immobilien, die zu haben sind. Heute geht es um ein Kötterhaus in Wessum.

Günter Mehring weiß nicht mehr so ganz genau, was ihn damals an dem ehemaligen Kötterhaus in Wessum, Averesch 93, so angezogen hat. „Das war eigentlich eine Ruine, keine Fenster, alles war marode“, blickt der Diplom-Psychologe zurück.

Das Ganze liegt auch bereits 50 Jahre zurück. Damals, da hatten der gebürtige Rheinländer, der mit seiner Frau Renate, einer Zahnärztin, in Gelsenkirchen seinen Wohnsitz hatte, im Münsterland nach einem Feriendomizil im Münsterland Ausschau gehalten. Und sie wurden fündig. Der uralte Kotten, zum Hof Schulze Kappelhoff gehörig, hatte es dem Ehepaar angetan.

Von der Ruine zum Schmuckstück

Es versteht sich von selbst, dass für den Umbau der „Ruine“ nicht nur Zeit, sondern vor allem Geld und Arbeit erforderlich waren. Die Besitzer, die Familie Schulze Kappelhoff, ließ sich aber darauf ein und stellte das restaurierte Haus schließlich dem Ehepaar Mehring und ihren zwei Kindern zur Miete zur Verfügung.

Günter Mehring: „Fast jedes Wochenende waren wir hier.“ Das hieß aber auch: Die Wochenenden bedeuteten nicht einfach Freizeit, sondern verlangten auch den Einsatz aller, um das große Haus mit seinen fast 270 Quadratmetern Wohnfläche „in Schuss zu halten“.

Der großzügige Wohnbereich mit Kamin mündet in den offenen Küchenbereich.

Der großzügige Wohnbereich mit Kamin mündet in den offenen Küchenbereich. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Schließlich wollen auch der rund 4.000 Quadratmeter große Außenbereich mit Garten, Gewächshaus und einem großen Teich gepflegt werden. Für die Mehrings aber genau das passende Kontrastprogramm und Ausgleich zum Leben und Arbeiten in der Stadt.

Vor etlichen Jahren schließlich konnten sie nicht nur das Kötterhaus sondern auch ein 300 Jahre altes, denkmalgeschütztes Bauernhaus mit Spieker erwerben, das 100 Meter versetzt wurde, sodass die beiden Häuser jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft stehen und ein Ensemble bilden.

Eine schwere Trennung

Während das Bauernhaus zuerst an Feriengäste vermietet wurde und dann verkauft wurde, blieb der Kotten bis heute im Besitz von Günter und Renate Mehring und wurde sogar zum Hauptwohnsitz der Familie. Dass der nicht nur Teil einer sehr persönlichen Geschichte ist, sondern auch ganz viel Herzblut dort „verbaut“ wurde, ist Günter Mehring anzumerken.

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Dennoch sind es Vernunftgründe, die den 81-Jährigen jetzt dazu bewogen haben, sich zu trennen. Seine Ehefrau befindet sich seit Jahren in einer Pflegeeinrichtung und die Kinder zieht es auch nicht hierher zurück. Das heißt: Das Haus soll verkauft werden. Rainer Borutta (Immobilien Management Tasci) kümmert sich aktiv darum.

Ein Teich ist auf dem Grundstück angelegt worden.

Ein Teich ist auf dem Grundstück angelegt worden. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Und gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er darauf angesprochen wird: als „Oase der Extraklasse zum Wohlfühlen“ lobt er das Objekt. Die Preisvorstellung: 650.000 Euro.

Und die Fakten? Es ist in der Tat eine idyllische „Insel“, auf der der rote Klinkerbau mit seinen grünen Fensterläden steht. Als Baujahr wird 1900 angegeben, wahrscheinlich ist es aber sehr viel älter. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es mehrfach umgebaut, renoviert modernisiert.

Der Charakter ist geblieben

Nicht nur im Eingangsbereich, der alten Diele mit sichtbarem Fachwerk-Ständerwerk, scheint die alte Struktur des niederländischen Hallenhauses, in dem auch die Kötterhäuser gebaut wurden, durch.

Man kann erahnen, dass hier mal Pferde und andere Nutztiere gestanden haben. Seinen ursprünglichen Charakter hat sich das zweigeschossige Gebäude, trotz intensiver Modernisierung bewahrt. Schließlich gehört auch eine „Uppkammer“ zum Bestand.

Das Gebäude mit rotem Klinker ist auch von außen als ehemaliges Kötterhaus unschwer zu erkennen.

Das Gebäude mit rotem Klinker ist auch von außen als ehemaliges Kötterhaus unschwer zu erkennen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Während das Untergeschoss mit einem großen, offenen Wohn-/Küchenbereich mit Kamin besondere Akzente setzt, sind die Räume darüber vielfältig nutzbar: als Wohn-, Schlaf- oder Bürozimmer.

Ein barrierefreies Badezimmer mit portugiesischem Marmor und Fußbodenheizung, Sauna, ein begehbarer Kleiderschrank, eine überdachte Terrasse sollen für Annehmlichkeiten der Bewohner sorgen. Dazu gehört auch ein überdachter Carport, der sich architektonisch am Hauptgebäude orientiert.

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