Einblicke aus dem Corona-Alltag: Das Ende der häuslichen Absonderung

Kolumne zum Coronavirus

Viele Tage „häuslicher Absonderung“ liegen hinter Redakteurin Ronny von Wangenheim. Der Südtirol-Urlaub hatte Folgen. Und dazu zählt nicht nur die Beschränkung auf das Haus.

Ahaus

, 20.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Gesundheitsamt sprach als Empfehlung die "häusliche Absonderung“ aus.

Das Gesundheitsamt sprach als Empfehlung die "häusliche Absonderung“ aus. © Ronny von Wangenheim

„Geh mal nach Hause und lass dich testen, dann wissen wir alle Bescheid. Und in zwei Tagen bist du wieder da.“ Mit diesen Worten wurde ich vor eineinhalb Wochen aus der Redaktion nach Hause geschickt.

Damals habe ich ungläubig gelacht. Ich fühlte mich zu 100 Prozent sicher, obwohl ich aus Südtirol zurück gekommen war, das am Abreisetag zum Risikogebiet wurde. So sicher, dass ich nach der Rückkehr aus dem Urlaub Freunde traf und auch wieder arbeiten ging. Heute wäre das anders. Unglaublich, was sich in der kurzen Zeit verändert hat.

Das einsame Bergtal, bis dahin nur zwei Erkrankte in Südtirol weit weg, kein Après-Ski, sondern einsame Wanderungen durch den Schnee – auch im Rückblick sehe ich keine Gefahr. Doch mit der Dienstanweisung änderte sich alles.

Der Kreis Borken empfahl zu dem Zeitpunkt, sich als Rückkehrer aus einem Risikogebiet wie bei einer schweren Erkältung zu verhalten. Kein Problem. Doch mit meinem Anruf beim Gesundheitsamt an meinem Wohnort außerhalb des Kreises wurde ich zu einem Fall: Kategorie 2.

Brief vom Gesundheitsamt braucht acht Tage

„Ich empfehle die häusliche Absonderung“, so der Mitarbeiter. Zuhause bleiben, sich Einkäufe vor die Tür stellen lassen, auch kein Besuch von engen Familienangehörigen“, so die Aufzählung. Ich war geschockt. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ein Brief werde folgen. Der kam übrigens erst acht Tage später an.

Inzwischen sind auch die meisten meiner Kollegen im Homeoffice, die Doppelkopfrunde hat sich sowieso vertagt. Alles also bei mir wie bei allen anderen aus meinem Umfeld? Der Verstand sagte ja, das Gefühl sagte nein. Dieses Nicht-aus-dem-Haus-gehen-können macht etwas mit mir. Und ja, den Hypochonder in mir habe ich auch entdeckt.

Ich bleibe weiter zuhause

Jetzt sind die zwei Wochen rum. Am Samstag werde ich raus gehen. Mit einem guten Gefühl. Spazieren gehen wie bisher schon, vielleicht auch einkaufen, mit den Nachbarn ein paar Worte wechseln. Mehr aber nicht. Ich werde weiter zuhause bleiben, freiwillig diesmal. Damit ich es nicht bald per Erlass muss – wie dann alle anderen auch.

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