Einblicke in den Corona-Alltag: Als die Arbeit mein Zuhause eroberte

Coronavirus

Zuhause arbeiten? Das mochte sich Redakteur Stephan Teine bisher nicht vorstellen. Doch das Coronavirus hat ihn dazu gezwungen. Das klappt viel besser als gedacht.

Ahaus

, 03.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Blick durchs Schlüsselloch ins Homeoffice. Normalerweise bleibt die Tür zu.

Ein Blick durchs Schlüsselloch ins Homeoffice. Normalerweise bleibt die Tür zu. © Stephan Teine

Vor ein paar Tagen hat meine Kollegin Victoria Garwer geschrieben, dass ihre Wohnung nicht ihr Zuhause ist. Da musste ich erst einmal schlucken. Natürlich sind mir meine Freunde und Verwandten unendlich wichtig. Und natürlich möchte ich sie sehen und Zeit mit ihnen verbringen. Natürlich bin ich gerne unterwegs.

Aber mein Zuhause ist mein Zuhause.

Der Ort, an den ich mich zurückziehen kann. Der Ort, an dem mir niemand etwas kann. Da, wo ich die Tür hinter mir zuschlage und die Welt – ganz egal, wie sie gerade genau aussieht – draußen bleibt. Auf den ich auch stolz bin.

Würde ich in grauer Vorzeit leben, ich wäre wahrscheinlich einer der ersten Affen, die vom Baum klettern und sich eine schmucke Höhle suchen würden. Trocken, mit meiner (!) Feuerstelle und einer Tür, die ich wahlweise guten Freunde gerne öffnen oder ungeliebteren Zeitgenossen vor der Nase zuschlagen könnte.

Skepsis, als die Arbeit ins Zuhause kam

Deswegen war ich am Anfang auch sehr skeptisch, als die Arbeit in mein Zuhause kam. Nicht, dass ich nicht gerne arbeiten würde. Im Gegenteil: Ich liebe meinen Beruf. Ich arbeite auch gerne lange, mache Überstunden oder rücke zu nachtschlafender Uhrzeit mit der Feuerwehr aus, wenn es irgendwo brennt. Aber für die Arbeit hatte ich bisher die Redaktion.

Auch so ein geschützter Raum, in dem ich mich wohlfühle. Aber ein Raum, der weit weg von meinem Zuhause liegt. Diese Trennung war mir immer wichtig. Nach Hause kommen hieß in den meisten Fällen, die Arbeit Arbeit sein zu lassen.

Diese Grenze ist jetzt überschritten. Ich werde die Arbeit nie wieder ganz aus meiner Wohnung verbannen können. Und ich muss sagen, an Tag 10 im Homeoffice habe ich mich gut daran gewöhnt. Mehr noch: Es gefällt mir sogar ein Stück weit.

Es fühlt sich gut an

Nicht nur, weil ich jetzt endlich einmal Ordnung im Arbeitszimmer geschaffen habe. Sondern weil es sich gut anfühlt. Weil ich gerne hier sitze. Weil ich merke, dass ich den Schreibtisch in der Redaktion für die tägliche Arbeit nicht unbedingt brauche. Und weil bisher – toi, toi, toi – der Übergang von Arbeit zu Feierabend und Freizeit erstaunlich gut funktioniert.

Hätte mich die Corona-Krise nicht ins Homeoffice gezwungen, ich hätte mich mit Händen, Füßen und allem, was ich gerade zu greifen gekriegt hätte, dagegen gewehrt.

Ich freue mich auf den Moment, wenn wir irgendwann einmal zurück auf die Straße und in die Redaktion dürfen. Wenn ich die Kollegen wieder häufiger und länger sehe als in knapp 60 Minuten Videokonferenz am Tag. Aber ich werde mir diesen Arbeitsplatz erhalten. Ich weiß noch nicht, für welche Situationen oder welche Geschichten. Aber ich weiß, dass es funktioniert und dass es sich gut anfühlt.

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