Einblicke in den Corona-Alltag: Durch Raum und Zeit

Coronavirus

Die Redaktionsräume gleichen in diesen Wochen einem fast verlassenen Raumschiff. Doch wir halten Kurs, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und bestehende Zivilisationen.

Ahaus

, 08.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Los, Mr. Spock, keine Müdigkeit vortäuschen, wir müssen wieder ran! " Das aufmunternde Gespräch unter Kollegen fehlt in Homeoffice-Zeiten.

„Los, Mr. Spock, keine Müdigkeit vortäuschen, wir müssen wieder ran! „ Das aufmunternde Gespräch unter Kollegen fehlt in Homeoffice-Zeiten. © picture-alliance / obs

Das Büro, unendliche Weiten, verwaiste Schreibtische. Wir schreiben das Jahr 2020. Dies ist nicht das Abenteuer des Raumschiffs Enterprise. Dies ist ein Eintrag im Logbuch eines Stellunghalters, während die Kolleginnen und Kollegen der Redaktion im Homeoffice recherchieren und schreiben.

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Dies ist der Tag 24 des Shutdowns nach der Offensive der Coronen.

Beobachtung 1: Auf dem Weg zur Arbeit wechsle ich ohne weiter drüber nachzudenken die Straßenseite, als mir auf dem Fußweg einige Menschen entgegenkommen. Das habe ich früher nur bei Betrunkenen gemacht. Oder bei Klingonen. Anschauliche Berichte über virenverseuchte Aerosole zeigen Wirkung. Der Vulkanier in mir zieht die logische Konsequenz. Abstand halten.

Beobachtung 2: Ein Mann packt seine Einkäufe aus dem Kofferraum. Ich ertappe mich dabei, wie ich einen kritischen Blick auf seinen Korb werfe. Nur eine Packung Toilettenpapier. Ok, kein finsterer Bork, kein Hamsterer.

Beobachtung 3: Ich sehe auf dem Weg zur Arbeit vier Menschen mit einem Mundschutz. Und ich wundere mich nicht darüber. Das Außergewöhnliche ist längst normal.

Beobachtung 4: Ich sollte hin und wieder auch einen Mundschutz tragen. Aber so normal ist es dann auch wieder nicht.

Beobachtung 5: Zum Beispiel im Gartencenter und im Baumarkt. Wie konnte ich nur annehmen, ich käme als einziger auf die Idee, Heim und Garten während der Hausarreste am Wochenende mal gründlich pflegen zu wollen. Im Baumarkt hieß es: Meldung an die Brücke! Alarm für alle Decks!

Beobachtung 6: In der Redaktion ist es so ungewöhnlich still, dass ich das Glockenspiel vom Turm des Amtsgerichts hören kann. Das Geläut hatte in der Vor-Corona-Zeit keine Chance gegen ständiges Telefongebimmel, Diskussionen und Tastenklappern. Jetzt ist nur der Hauptschirm an. Ich kompensiere die Beschleunigung und halte die Position.

Beobachtung 7: Ich ziehe die Arbeit in der Redaktion der Arbeit im Homeoffice vor, auch wenn fast alle Kolleginnen und Kollegen abwesend sind. Es gilt der Grundsatz: Nur wer morgens ins Büro geht, kann sich abends freuen, dass er wieder nach Hause gehen kann. Don’t beam me up, Scotty, ich vertrete mir noch ein wenig die Beine.

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