Einblicke in den Corona-Alltag: Selbstgezimmerter Platz an der Sonne

Coronavirus

Heimwerken hat in Coronazeiten Hochkonjunktur. Auch unser Redakteur hat zu Akkuschrauber und Kreissäge gegriffen – und jetzt erstmal die Nase voll von Projekten abseits seines Schreibtisches.

Ahaus

, 14.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Projekt abgeschlossen. Bis der Muskelkater abgeklungen ist, bleiben die Werkzeuge jetzt erst einmal im Keller.

Projekt abgeschlossen. Bis der Muskelkater abgeklungen ist, bleiben die Werkzeuge jetzt erst einmal im Keller. © Stephan Teine

Die gute Nachricht vorne weg: Es gibt keine Verletzten. Zumindest keine schweren. Ein paar geklemmte Finger, ein paar abgerutschte Akkuschrauber-Bits und einige Flüche – die Bilanz meiner jüngsten Heimwerkereskapade kann sich eigentlich sehen lassen.

Bei soviel Homeoffice braucht man ja einerseits ein bisschen Ausgleich und andererseits soll das Home um das Office herum ja auch besonders schön sein, wenn man kaum noch vor die Tür kommt. Vor allem, weil sich ja auch der Sommerurlaub wahrscheinlich nur auf die eigenen vier Wände beschränkt.

Abstand ist zwischen Schrauben so eine Sache

Und so stürzten wir uns in den samstäglichen Nahkampf zwischen all die Selbermacher, Ideengeber und Heimwerkerkönige. Natürlich mit Abstand und Mundschutz. Gar nicht mal so einfach, auf der Suche nach der passenden Schraubengröße gleichzeitig in alle Richtungen Abstand zu halten, während drei andere Heimwerker gerade offenbar nach genau derselben Schraube suchen. Im Supermarkt klappt das selbst bei Klopapier und Eintopfkonserven besser.

Baumarktbesuch mit Maske. Nicht nur an einem Samstagmorgen eine ganz besondere Herausforderung.

Baumarktbesuch mit Maske. Nicht nur an einem Samstagmorgen eine ganz besondere Herausforderung. © Christin Rape

Auch die rund 400 Kilo Holz mit Maske vor dem Gesicht durch die kilometerlangen Baumarktgänge zu wuchten, hatte ich mir leichter vorgestellt. Übrigens wird auch ein großzügiges Treppenhaus verflixt eng, wenn man Pakete mit drei Meter langen Holzdielen in den zweiten Stock hochzirkeln muss.

Doch mit jeder verlegten Planke wuchs die Zuversicht, dass am Ende so etwas ähnliches wie die ursprünglich geplante Holzterrasse stehen würde.

Nette Idee, so ein Plan...

Helmuth Graf von Moltke soll einmal gesagt haben, dass kein Plan den ersten Feindkontakt überlebt. Gut, an Heimwerkerei hatte der preußische Generalfeldmarschall da sicherlich nicht gedacht, aber definitiv war meine detaillierte und filigrane Planung auf Millimeterpapier keine fünf Minuten nach der ersten Verschraubung nur noch Altpapier. Es ging auch so.

Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, ob ich den echten Handwerkern im Bekanntenkreis – noch dazu denen mit Holz im Blut – wirklich zeigen möchte, was da entstanden ist. Aber zumindest kann ich sagen: „Habe ich selbst gemacht.“

Nagel oder Schraube? Hauptsache fest.

Am Ende ein paar Erkenntnisse: Rechte Winkel kann man bis zu einem gewissen Grad auch beugen. Parallelität ist nur eine Frage der Perspektive. Und eine Schraube wird zum Nagel, wenn man sie nur mit genügend Wucht das letzte Stück ins Holz treibt.

Das Werkzeug darf jetzt die nächsten Wochen gerne im Keller verbringen. Ich kehre zurück an den Schreibtisch. Oder in die Sonne. Damit auch die Nachbarn mal wieder die Ruhe genießen können.

Wobei... Man könnte ja noch... Wo ist mein Zollstock?