Einblicke in den Corona-Alltag: Wenn der Haarschnitt zum Problem wird

Coronavirus

Das Kontaktverbot macht erfinderisch. Sei es, wenn es um den Haarschnitt geht, oder wenn es um die Verabschiedung einer langjährigen Kollegin in den Ruhestand geht.

16.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Elstern haben das Nest fertig, sie sind aber noch nicht beim Brutgeschäft.

Die Elstern haben das Nest fertig, sie sind aber noch nicht beim Brutgeschäft. © Mabel Amber

Ende März hat mich Martin angerufen. Den Termin am 1. April um 8 Uhr könne er leider nicht einhalten. Er musste seinen Laden schließen: Coronavirus. Ich hatte es mir fast gedacht, lange genug hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Homeoffice über das Coronavirus geschrieben.

Fast drei Wochen später habe ich es nicht mehr ausgehalten. Die Haare mussten ab. Nun bin ich nicht hingegangen und habe meinen Figaro unter Druck gesetzt nach dem Motto: „Wenn Du nicht vorbeikommst und mir die Haare schneidest, betrete ich Deinen Laden nie wieder“.

Vor dem Haarschnitt die Schwere scharf gemacht

Sie lachen? Das hat es tatsächlich gegeben. Hoffentlich nicht bei meinem Frisör, aber Kollegen von ihm haben darüber berichtet.

Bei mir musste meine Frau zur Schere greifen. Zugegeben, ich wurde wohl etwas nervös, als sie sagte, das Schneidewerkzeug müsse noch geschärft werden und sie dann für ein paar Minuten verschwand.

Die Haarbüschel fielen

Naja, danach fielen dann die Haarbüschel. Als ich so auf das Handtuch auf meinen Schultern schaute, fühlte ich mich durchaus an meine Besuche bei Martin erinnert. Es kam ordentlich was runter.

Am Ende stand dann der vorsichtige Blick in den Spiegel..... - Ich muss sagen, der Corona-Haarschnitt im heimischen Bad ist durchaus gelungen. Als ich das lobend erwähne, meinte meine Tochter aus dem Hintergrund: „Kein Wunder, Mama hat ja auch jahrelang unseren Hund getrimmt“.

Besondere Ereignisse erfordern besondere Ideen

Das Coronavirus und die Arbeit von meinen Kollegen und mir im Homeoffice erfordern bei besonderen Ereignissen manchmal besondere Ideen. Am Freitag werden wir eine Kollegin nach mehr als zwei Jahrzehnten bei uns in den Ruhestand verabschieden.

Wie soll man so etwas bei Kontaktverbot und Kollegen im Homeoffice in den richtigen Rahmen fassen? Die erste Idee, einen Autokorso über den Betriebshof und an der Kollegin vorbei, wurde von den Umweltschützern der Redaktion direkt abgewiegelt.

Ein Autokorso wurde verworfen

Wir haben aber eine schöne Alternative entwickelt. Da wir ja ohnehin täglich im Videochat miteinander kommunizieren, haben wir ein Video produziert. Jeder überbringt darin seine persönlichen Abschiedsgrüße.

Lass Dich überraschen liebe Christel!

Und: Den Händedruck von allen bei einem Glas Sekt holen wir nach! In Nach-Corona-Zeit, versprochen.

Das Nest ist leer

Und zum Abschluss für alle, die meine Einblicke aus dem Homeoffice verfolgen noch ein Satz zum Geschehen, draußen, vor meinem Fenster: Die Elstern bewachen ihr Nest weiter, aber es sitzt noch kein Vogel auf dem Nest. Die Kaninchen haben ihren Bau verschlossen und sind nicht mehr zu sehen. Vielleicht müsste ich mal früher aufstehen.