Wohin mit dem Atommüll? Die Fachkonferenz Teilgebiete soll am Wochenende über einen möglichen Standort des Atommüll-Endlagers in Deutschland sprechen. © picture alliance/dpa
Atommüll in Ahaus

„Eine Farce“: BI Ahaus kritisiert Suche nach Atommüll-Endlager scharf

Online soll am Wochenende über die Flächen für eine Atommüll-Endlagerung gesprochen werden. Die BI aus Ahaus kritisiert das Beteiligungsformat scharf und würde das Thema gerne verschieben.

Am kommenden Wochenende soll der erste öffentliche Beratungstermin der Fachkonferenz Teilgebiete zur Suche eines Atommüll-Endlagers in Deutschland stattfinden. Wegen der Corona-Krise ist eine öffentliche Tagung natürlich nicht möglich. Stattdessen soll die Diskussion komplett online stattfinden. Vom 5. bis 7. Februar sind Diskussionen und Referate geplant.

Und das stößt auf Kritik – unter anderem von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ (BI). Schon die Auftaktveranstaltung im vergangenen Oktober sei ziemlich verworren gewesen, urteilt Felix Ruwe, Sprecher der BI Ahaus. Beispielsweise seien dort plötzlich Wahlen angesetzt worden, die in seinen Augen nicht demokratisch gelaufen seien. Gewählte Vertreter seien wieder zurückgetreten und durch Nachrückkandidaten ersetzt worden. Auch Kritikpunkte der Teilnehmer seien „einfach wegmoderiert“ worden.

Beteiligungsformat ist für BI Ahaus eine Farce

Schon die schiere Zahl der Teilnehmer – für die Fachkonferenz seien über 1000 Teilnehmer von Kommunen, Landes- und Bundesregierung, Gesellschaften und Unternehmen sowie Bürgerinitiativen angekündigt – würden den Austausch kaum möglich machen. Dazu komme, dass viele Veranstaltungen zeitgleich stattfänden, sodass von einer Beteiligung der Bürger kaum die Rede sein könne. „Eine Farce“, urteilt Felix Ruwe. Auch finde der Austausch nicht auf Augenhöhe statt.

Mit ihrer Kritik befindet sich die Bürgerinitiative aus Ahaus in guter Gesellschaft: 46 weitere Bürgerinitiativen und Gruppen aus ganz Deutschland kritisieren das Vorgehen.

Die Fachkonferenz Teilgebiete ist das erste gesetzlich vorgeschriebene Beteiligungsformat bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Sie soll den ersten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) erörtern. So soll die Öffentlichkeit früh einen ersten Einblick in den Stand der Arbeiten erhalten und Rückmeldungen geben können.

Felix Ruwe plädiert dafür, das Verfahren zu verschieben

Für Felix Ruwe gibt es eigentlich nur einen gangbaren Weg: Die weitere Öffentlichkeitsbeteiligung bis nach der Coronakrise zu verschieben, wenn öffentliche Veranstaltungen wieder möglich sind. „Das eine Jahr Verzögerung mehr macht jetzt auch nichts mehr aus“, sagt er.

Im September 2020 hatte die Gesellschaft für Endlagerung (BGE) bekannt gegeben, wo ein Endlager für radioaktiven Müll in Deutschland möglich wäre. Ergebnis: 90 Teilgebiete kommen in Frage. Darunter fallen auch Flächen in und um Ahaus. Die Auftaktveranstaltung der Fachkonferenz Teilgebiete hatte im Oktober 2020 stattgefunden.

Der neue Standort für ein Endlager soll bis 2031 gefunden sein. Ab 2050 soll das bundesweite Endlager in Betrieb gehen.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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