20-jährige Ahauserin untersucht Corona-Auswirkungen auf den Einzelhandel

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Karlotta Wigger hat für ihre Bachelorarbeit den stationären Einzelhandel in Ahaus unter die Lupe genommen. Die 20-jährige Studentin untersuchte Auswirkungen der Corona-Pandemie mitsamt Lockdown.

Ahaus

, 28.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Karlotta Wigger aus Ahaus hat eine Bachelorarbeit abgeliefert, die sich die Ahauser Einzelhändler gut durchlesen sollten. Die 20-jährige Studentin hat in der mit der Note 1,0 bewerteten Arbeit zusammengefasst, wie sich die Corona-Pandemie auf die „Omni-Channel-Präsenz“ des stationären Einzelhandels in Ahaus auswirkte.

Karlotta Wigger ist Studentin im Studiengang „European Business Programme B.A.“ an der Fachhochschule Münster, dabei handelt es sich um ein Doppelbachelor-Programm. Die 20-Jährige war ein Jahr in Dublin, musste wegen der Corona-Pandemie aber ihr Auslandsjahr im März abbrechen.

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Geplant war der Dublin-Aufenthalt bis Juni. Zudem hatte die Ahauserin noch einen Auslandsaufenthalt in Amerika vorgesehen, doch auch dazu kommt es nicht. „Deshalb habe ich meine Bachelorarbeit vorgezogen“, berichtet Karlotta Wigger im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für Ihre Bachelorarbeit, für die sie eine Bearbeitungszeit von zwei Monaten hatte, befragte die Studentin Experten und Einzelhändler aus Ahaus. Sie führte Interviews und erstellte eine Online-Umfrage. Immer im Blick: die Einschätzungen zu Auswirkungen der Corona-Pandemie und zum Lockdown.

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Die Studentin untersuchte alle Einzelhändler, die von der Schließung betroffen waren, also alle nicht-systemrelevanten Händler. „Jeder, der dazu bereit war.“ Dazu zählten unter anderem Firmeninhaber aus der Modebranche, aus den Bereichen Schmuck, Parfümerie, Möbel, Schuhe, Bücher und Elektronik.

Online-Umfrage mit Einzelhändlern

„Ich bin für die Umfrage durch Ahaus gelaufen und habe die infrage kommenden Einzelhändler angesprochen.“ Die 20-Jährige verschickte für die Online-Umfrage personalisierte Links. „Am Ende haben 26 Einzelhändler mitgemacht.“ 24 von ihnen konnten in die Auswertung einbezogen werden.

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Eines von vielen Ergebnissen der Befragung: Einzelhändler, die vorher schon finanzielle Barrieren sahen und nicht stärker in digitale Kanäle investieren wollten, waren tendenziell während des Lockdowns weniger aktiv und weniger erfolgreich. „Das Gleiche gilt für die, die gesagt haben, dass sie nicht so gerne digitale Kanäle nutzen, weil sie Gefahren sehen, dass sie dadurch weniger Kundenkontakte haben“, erklärt Karlotta Wigger.

„Aber das Kundenverhalten hat sich verändert“, sagt die Studentin. „Der Kunde fordert ein, über die verschiedenen Interaktionskanäle bespielt zu werden.“ Der Händler müsse investieren. „Man muss als Einzelhändler ganz klar die Barrieren wegfallen lassen und sagen: Ich probiere das mal aus.“ Wer sich als Einzelhändler in Ahaus zum Beispiel bei „Wer liefert was“ registrieren ließ, der habe während der Schließung davon profitiert. „Das Netzwerk hat geholfen, die breite Masse zu adressieren.“

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Es gibt verschiedene Wege, wie Kunden und Einzelhändler zueinander finden. Am Anfang steht der sogenannte Mono-Channel: „Der Kunde agiert über einen Kanal, im stationären Einzelhandel ist dies das Geschäftslokal“, erläutert Karlotta Wigger. Beim Multi-Channel gibt es unterschiedliche Wege: „Ich kann ins Geschäftslokal gehen oder in den Online-Shop. Ich kann aber nicht online bestellen und die Ware im Geschäftslokal abholen. Die Kanäle sind nicht miteinander verbunden“, erklärt die Studentin.

„Nahtloses Kundenerlebnis“

Beim Cross-Channel sind die Kanäle miteinander verbunden, „aber meistens nur kundenseitig“, sagt die Ahauserin. Beim Omni-Channel steht der Kunde im Mittelpunkt. „Es gibt ein nahtloses Kundenerlebnis ohne jegliche Datenverluste.“ Karlotta Wigger nennt ein Beispiel: „Wenn ich etwas auf Instagram sehe, werde ich in den Online-Shop geleitet und kann die Ware in meine Wunschliste packen. Bin ich im Geschäft, kann der Händler auf meine Wunschliste schauen und darauf eingehen.“ Der Großteil der von Karlotta Wigger befragten Geschäfte nutzt Multi- oder Cross-Channel-Angebote.

Die Studentin berichtet von einer Studie, die besagt, dass im stationären Handel in Deutschland bis zum Jahr 2025 etwa 36.000 Geschäfte schließen. Doch so weit muss es nicht in jedem Fall kommen. „Man muss den Strukturwandel mitgehen in Richtung Cross-Channel und Omni-Channel“, sagt die BWL-Studentin. „Ich glaube, der Lockdown war ein Stresstest für die Unternehmen. Er hat gezeigt, wie gut sie auf den Interaktionskanälen mit den Kunden unterwegs sind und ob sie die

Fähigkeit besitzen, den Strukturwandel zu überleben.“

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Wichtig sei es, den Einzelhändlern die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen. Karlotta Wigger: „Es geht nicht darum, etwas zu ersetzen. Es geht darum, etwas zu erweitern. Das Geschäftslokal darf ja beim stationären Einzelhandel immer noch Mittelpunkt des Unternehmens bleiben. Aber der Kunde wird über unterschiedliche Kanäle abgeholt.“

Die Corona-bedingten Geschäftsschließungen hätten bei einem Teil der Ahauser Einzelhändler zu einem Umdenken geführt, sagt die 20-jährige Studentin. „Diejenigen, die proaktiv agierten, sind erfolgreicher mit den Schließungen umgegangen.“ Das bleibe hängen. Und: „Omni-Channel-Konzepte werden in Zukunft noch wichtiger sein. Wer diesen Weg nicht mitgeht, wird abgehängt werden.“

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