Die Maskenpflicht am festen Sitzplatz entfällt in NRW. © dpa
Ende der Maskenpflicht

Ende der Maskenpflicht im Unterricht: Reaktionen

Ab dem 2. November entfällt in NRW die Maskenpflicht im Klassenzimmer - ein heftig umstrittener Schritt angesichts rasant steigender Inzidenzzahlen. Auch in Ahaus ist man sich uneins und sieht sogar Rückschritte.

In Nordrhein-Westfalen muss ab dem 2. November keine Maske mehr im Schulunterricht getragen werden – das Schulministerium hatte alle Schulen am Donnerstagmorgen über den Wegfall der Maskenpflicht informiert.

Befinden sich die Schülerinnen und Schüler an ihrem angestammten Sitzplatz mit festem Sitznachbarn, dürfen sie ihre Masken ablegen. Diese Regel gilt auch für Lehrer, sofern sie den Mindestabstand von 1,5 Metern zu den anderen Personen im Raum einhalten können.

Stark umstrittene Entscheidung

Diese Entscheidung ist stark umstritten – sowohl unter Ärzten, als auch unter Lehrern, Eltern, Schülern und Politikern. Der Verband Lehrer NRW kritisiert die Entscheidung als „hochgradig riskant“.

„Die Infektionszahlen steigen aktuell rasant – und zwar ganz besonders unter Kindern und Jugendlichen“, sagte der Vorsitzende, Sven Christoffer. Mitten in diese gefährliche Entwicklung hinein die Maskenpflicht im Unterricht aufzuheben, setze alle am Schulleben Beteiligten einem hohen Risiko aus.

Schulministerin Yvonne Gebauer hingegen verteidigte ihren Schritt. „Wir wollen, dass die Kinder sich wieder von Angesicht zu Angesicht auch im Unterricht begegnen“, hatte sie bereits Anfang Oktober gegenüber dem WDR erklärt.

Das Ende der Maskenpflicht sei ein „weiterer Schritt zur Normalität“. Außerdem habe die bisherige Entwicklung der Pandemie gezeigt, dass die Schulen sichere Orte seien, so Gebauer am Donnerstagmorgen.

Die Stimmungslage in Ahaus

Auch in Ahaus gehen die Meinungen stark auseinander, werden Vor- und Nachteile gründlich gegeneinander abgewogen.

Michael Hilbk, Schulleiter am Alexander-Hegius-Gymnasium, begrüßt die Rückkehr zu mehr Normalität. „Es ist an der Zeit, den Menschen ihre Freiheit zurückzugeben“, so Hilbk. An seiner Schule gebe ein strenges Hygienekonzept, das jeder einzelne verinnerlicht habe. Was spreche also dagegen, die Masken in einem gut durchlüfteten Raum abzulegen? Gleichzeitig glaubt er an die Schutzwirkung der Coronaimpfung und verweist auf die hohe Impfquote im Lehrerkollegium.

Hohe Impfquote

Über eine Impfquote nahe 100 Prozent unter den Lehrkräften und eine sehr hohe Akzeptanz auch unter den Schülern, die das entsprechende Alter erreicht haben, kann sich auch Margot Brügger, Schulleiterin der Irena-Sendler-Gesamtschule, freuen.

Gleichzeitig bereiten ihr aber die aktuell rasant steigenden Infektionszahlen – auch unter Geimpften – große Sorgen. „Für viele kommt der Wegfall der Maskenpflicht zur Unzeit“, sagt sie stellvertretend für das Lehrerkollegium. Auch wenn die Masken eine Beziehungsarbeit wegen nicht sichtbarer Mimik erschwerten, seien sie doch ein adäquates Mittel gegen Ansteckungen.

Auch ein Schritt zurück?

In diesem Zusammenhang verweist auch Jenny Dalhaus vom Berufskolleg Lise Meitner auf sich daraus ergebende neue Einschränkungen, die sich paradoxerweise aus der grundsätzlich größeren Freiheit ergäben.

„Während aktuell im Falle einer bestätigten Covid-19-Infektion sich im Regelfall nur die erkrankte Person in Quarantäne begeben muss, werden zukünftig – so scheint es vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales geplant – ebenfalls die unmittelbaren ungeimpften Sitznachbarn von Quarantäne betroffen sein“, führt die Schulleiterin aus. Dies sei ein Rückschritt und führe wieder zu mehr Fehlzeiten und Unterricht aus der Distanz.

Auch sieht sie organisatorische Probleme: „Es stellt sich die Frage, wie flexibel nun kooperative Arbeits- und Sozialformen gewählt werden können.“ Wenn Schülerinnen und Schüler sich im Rahmen von selbst organisierten Lernformen mit anderen Klassenkameraden als dem festen Sitznachbarn frei im Rahm bewegen müssten, sei die Maske ja nach wie vor nötig. „Diskussionen sind hier vorprogrammiert“, ist sie sich sicher.

Appell an Eigenverantwortung

„Wir müssen das Gespräch suchen“, sagt Kollege Hilbk dazu. Er sehe die Schule auch als einen Ort mit Erziehungsauftrag.

„Wir appellieren immer an die Selbstverantwortung unserer Schüler“, so Hilbk. Daher teile er auch die Sorge vor einer wieder höheren Ansteckungsgefahr angesichts der vierten Welle nicht. „Jeder kann selbst entscheiden, die Maske trotzdem noch zu tragen“, betont er.

Dies werde den Schülern klar kommuniziert und durchweg akzeptiert. Viele Schüler machten von diesem Recht auch Gebrauch – sogar auf dem Schulhof, wo bereits heute keine Maske mehr getragen werden muss und eine Begegnung mit allen Sinnen möglich ist.

„Die Aufnahme eines weitgehend normalen Lebens mit allen sozialen Kontakten ist für das psychische Wohlbefinden unabdingbar“, findet Bärbel-Fleer von der Anne-Frank-Realschule. Die Schulleiterin gönnt den Kindern und Jugendlichen die Freiheit, sich ohne Maske im Raum aufzuhalten und „endlich“ die Mimik der Mitschüler wieder wahrnehmen zu können. Auch die Artikulation im Fremdsprachenunterricht sei nun deutlich einfacher.

Auch Michaela Tibben, Vorsitzende des Fördervereins der Realschule, begrüßt die Entscheidung des Schulministeriums. Auch für sie und ihre zwei Kinder, die beide an der Anne-Frank-Realschule unterrichtet werden, ist dies ein wichtiger Schritt im Richtung Normalität.

Die Maskenpflicht im Klassenzimmer sei für Schülerinnen und Schüler nicht verständlich und paradox gewesen. „Warum dürfen sie im Restaurant mit fremden Menschen am Nebentisch ohne Maske sitzen, müssen sie in der Klasse aber tragen?“ Dies seien doch überwiegend ihnen gut bekannte Klassenkameraden oder sogar Freunde, die sie in ihrer Freizeit auch ohne Maske träfen.

Verantwortungsvolle Schüler

Dass die Maske nicht immer angenehm ist, möchte auch Bernd Gerwing, Schülersprecher an der Irena-Sendler-Gesamtschule, nicht verschweigen. „Grundsätzlich ist das Ende der Maskenpflicht ein super Schritt in die Zukunft“, sagt der 18-Jährige.

Aber er sieht sich stellvertretend für die gesamte Schülerschaft auch in der Verantwortung, andere vor einer Ansteckung zu schützen. „Die gilt es ja zu verhindern“, so der Schülersprecher, der sich das Amt mit Schulkollege Tobias Büngeler teilt.

„Viele können sich noch nicht impfen lassen“, so der Q1-Schüler. Er appelliert daher an das Verantwortungsgefühl und die Solidarität der Schulgemeinschaft, die Maske vielleicht doch noch öfter zu tragen als es laut neuer Regel verpflichtend wäre. „Wir befinden uns an den Schulen auf einem guten Weg“, ist er überzeugt. Diese positive Entwicklung dürfe nicht wieder umschlagen.

Blick in die Zukunft

Diesen Wunsch teilt man auch am Berufskolleg Lise Meitner, wo man trotz der zitierten Sorge relativ gelassen auf die kommende Woche blickt, weil sich auch hier alle umsichtig verhalten. „Wir haben ein überragend verantwortungsbewusstes Verhalten der allermeisten am Schulleben Beteiligten während der bisherigen Pandemie beobachtet“, betont die Schulleiterin Jenny Dalhaus.

Die Zeit der „von oben zitierten sehr strengen Regeln“ gehe nun langsam zu Ende, heißt es aus dem Schulleiterbüro am Alexander-Hegius-Gymnasium: „Wir alle müssten lernen, mit dem Virus zu leben, können das gesellschaftliche Leben aber nicht auf ewig hinten anstellen“, so Michael Hilbk.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.