Maria Bils (56) aus Alstätte hat den zweiten Preis des Betriebgshilfe-Awards erhalten. Bei dem bundesweiten Wettbewerb wurde sie als "gute Seele des Maschinenrings Ahaus" geehrt. Für die Alstätterin eine große Überraschung. Sie wusste nicht, dass sie überhaupt nominiert war. © Stephan Rape
Betriebshilfsdienst

Familienhelferin Maria Bils erhält als gute Seele bundesweite Auszeichnung

Maria Bils hat den Betriebshilfe-Award erhalten. Weil sie die „gute Seele des Betriebshilfsdienstes“ sei. In ihrem Beruf sieht die Familienhelferin mehr als einen Job: Es ist ihre Berufung.

Hohe Auszeichnung für eine Helferin aus Alstätte: Maria Bils (56) wurde vom Bundesverband der Maschinenringe mit dem zweiten Preis des Betriebshilfe-Awards ausgezeichnet. Dabei wusste sie nicht einmal etwas von der Nominierung.

Seit Jahren ist sie für den Betriebshilfsdienst unterwegs und hilft in Familien, in denen gerade Not am Mann oder der Frau ist: Wegen eines Krankheits- oder Todesfalls oder weil jemand gerade in Kur geht. Dabei ist ihr eines wichtig: „Wir sind mehr als Putzkräfte. Wir sind Familienhelferinnen mit Herz und Seele“, sagt sie.

Es gehe darum, in einer fremden Familie den kompletten Haushalt zu führen. Mit allem, was dazu gehört: Kochen, Kinderbetreuung, Einkaufen, natürlich auch Putzen und Waschen oder ein offenes Ohr für die Sorgen der Familienmitglieder haben.

„Wenn es in einer neuen Familie gut klappt, ist das einfach schön“, sagt sie. Sie sei ein wirklich glücklicher Mensch. Wer sich mit ihr unterhält, glaubt ihr das sofort.

Vater zeichnete den Weg klar vor

Dabei wäre sie früher selbst lieber Kinderkrankenschwester geworden. Doch für sie und ihre drei Schwestern hatte der Vater einen klaren Weg vorgezeichnet: „Wir mussten alle Hauswirtschaft lernen“, sagt sie mit einem leicht bitteren Unterton. 1989 legte sie ihre Meisterprüfung der ländlichen Hauswirtschaft ab. Über den Nachbarschaftshilfsdienst kam sie dann zum Betriebshilfsdienst.

Und hat sich längst mit diesem Weg arrangiert. Mehr noch: In ihrem Beruf sieht Maria Bils nicht nur einen Job, sondern ihre Berufung und Erfüllung. „Über die Familien habe ich ja trotzdem den Kontakt zu ‚meinen‘ Kindern“, erklärt sie.

162 Familien auf Zeit

In 90 Familien hat sie zwischen 1986 und 1993 geholfen. Dann startete sie in ihre eigene Familienphase und ließ die Arbeit ruhen. 2014 – die drei eigenen Kinder waren erwachsen – kehrte sie in den Dienst zurück. Seitdem sind es schon wieder 72 Familien, die sich auf sie verlassen konnten. Maria Bils hat sich die Details genau notiert. Wie lange sie in der Familie tätig war, wie die Familienmitglieder heißen, ob es besondere Essenswünsche gibt. Alles fein säuberlich in mehreren Notizbüchern niedergeschrieben.

„Ich bin so eine Buchführungstante“, sagt sie über sich selbst und lacht wieder laut. Weil sie in so vielen Familien helfe, sei es aber natürlich nach einem Einsatz schwer, den Kontakt zu halten. „Das klappt einfach nicht“, sagt sie.

Als eine von vier Preisträgern in ganz Deutschland hat Maria Bils in diesem Jahr den Betriebshilfe-Award erhalten. Der Preis wurde erst zum dritten Mal vergeben. Schon zum zweiten Mal wurde allerdings ein Helferin vom Betriebshilfedienst Ahaus ausgezeichnet.
Als eine von vier Preisträgern in ganz Deutschland hat Maria Bils in diesem Jahr den Betriebshilfe-Award erhalten. Der Preis wurde erst zum dritten Mal vergeben. Schon zum zweiten Mal wurde allerdings ein Helferin vom Betriebshilfedienst Ahaus ausgezeichnet. © Stephan Rape © Stephan Rape

Das Besondere an ihrem Dienst: „Es gibt wohl keinen Beruf, in dem man so nah in die Privatsphäre fremder Menschen kommt“, sagt sie. Schließlich blicke sie als erstes in einem neuen Haushalt in die Schränke. „Ich kriege natürlich auch viel vom jeweiligen Familienleben mit“, erklärt sie. Gerade in den Haushalten, in denen mehrere Generationen unter einem Dach leben, gebe es spannende Eindrücke. Aber darüber schweigt sie. Wegen der Schweigepflicht. Aber auch aus ganz persönlicher Einstellung. „Darüber spricht man einfach nicht“, sagt sie.

Zuhören, aber den eigenen Senf für sich behalten

Überhaupt maßt sie sich kein Urteil über die Familien an, in denen sie arbeitet. „Die Menschen sind eben so. Und wenn sie sich in ihrem Haushalt wohlfühlen, steht es mir nicht zu, darüber zu urteilen“, erklärt sie. Eines ihrer unverrückbaren Prinzipien. Natürlich höre sie zu und habe eine offenes Ohr für die Probleme. „Aber ich muss ja nicht meinen eigenen Senf dazugeben“, fügt Maria Bils hinzu.

Ein oder zwei Tage braucht sie, um sich in einer neuen Familie und deren Haushalt einzugewöhnen. „Wenn ich irgendwo hingehe, versuche ich, mich ganz auf die Familie einzustellen“, erklärt sie. Ihr Vorteil – oder wohl viel mehr ihre Gabe – ist dabei, dass sie extrem schnell mit den Leuten warm werde. Gerade mit Kindern und den älteren Leuten. „Ich spreche Platt“, sagt sie. Damit sei das Eis zu den Älteren schnell gebrochen.

Und auch mit den Kindern sei das kein Problem: „Da habe ich einfach einen Draht zu“, fügt sie hinzu. Eine Erklärung kann sie nicht liefern. „Es klappt einfach“, sagt sie lachend.

Glaube hilft Maria Bils bei ihrer Aufgabe

Dabei helfe ihr auch ihr Glaube: „Ich habe das Gefühl, dass ich nichts alleine schaffen muss“, sagt sie. Im Zwiegespräch mit Gott bitte sie um Unterstützung. „Du hast mich hier hingestellt, dann hilf mir jetzt auch“, erklärt sie ihren Standpunkt. Sie selbst hilft auch nach Feierabend weiter: Als Vertrauensfrau leitet sie den Verein Familie in Not in Alstätte. Der hilft mit 34 Helferinnen in über 60 Familien.

„Die gute Seele des Betriebshilfsdienstes“

Markus Bitter, Geschäftsführer des Betriebshilfsdienstes in Ahaus, freut sich immer noch über die gelungene Überraschung. „Maria leistet einfach tolle Arbeit“, sagt er. Deswegen habe er sie nominiert. Darin nannte er sie „die gute Seele des Betriebshilfsdienstes“. Sie gehe auf die Menschen zu und hole das Beste für sie heraus. Natürlich stehe sie gleichzeitig stellvertretend für die anderen Helferinnen und Helfer des Betriebshilfsdienstes. Insgesamt sind 50 Hilfskräfte in den Familien unterwegs.

Zwischen 75 und 90 Familien werde so pro Woche geholfen. Im ganzen Altkreis Ahaus. „Zwischen Gronau und Südlohn, Vreden und Schöppingen sind wir unterwegs“, erklärt er. Allerdings nicht nur in landwirtschaftlichen Betrieben. „Seit sieben oder acht Jahren bieten wir die Hilfe auch für Nicht-Mitglieder an. In den so genannten städtischen Einsätzen“, erklärt er. Dabei macht er eines lachend deutlich: „Jeder, der hier arbeitet, hat ein Helfersyndrom.“ Sonst würde man den Job nicht machen.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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