Fehlendes Rücklicht, fliegende Flasche, Provokationen: Ahauser prügeln sich auf Disco-Heimweg

hzAmtsgericht Ahaus

Früher Morgen auf dem Rückweg von einer Ahauser Disco: drei Männer auf der einen Seite, drei auf der anderen Seite. Erst fliegt eine Flasche, dann die Fäuste. Doch am Ende bleiben Fragezeichen.

Ahaus

, 10.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reichlich Alkohol, noch mehr Testosteron: zwei Zutaten, die kombiniert in der Vergangenheit schon häufig für körperliche Auseinandersetzungen gesorgt haben. So auch in den frühen Morgenstunden des 2. Dezember 2018, weshalb sich drei Jugendliche nun auf der Anklagebank des Amtsgerichts Ahaus wiederfanden.

Das war passiert: Auf der einen Seite drei Mittzwanziger, die nach ihrem Disco-Besuch mit dem Fahrrad noch ein Fast-Food-Restaurant ansteuern. Auf der anderen Seite drei junge Ahauser, die nach der Party mit dem Auto den Heimweg angetreten sind. Als die beiden Gruppen in jener Nacht gegen 4.30 Uhr an der Wüllener Straße aufeinander treffen, eskaliert die Situation.

Auslöser für den Streit ist das fehlende Licht am Fahrrad

Auslöser für den Streit ist nach Zeugenangaben die fehlende Beleuchtung an den Fahrrädern der ersten Gruppe. „Sie hatten kein Licht, wir mussten ausweichen, da waren wir natürlich sauer“, sagt einer der drei Angeklagten. Auf Höhe der Edeka-Filiale parken sie deshalb ihr Auto, warten dort auf die Radfahrer und stellen sie zur Rede. Eine in Richtung der Fahrradfahrer geworfene Cola-Flasche gießt weiteres Öl ins Feuer.

Schnell kommt es zu einer handfesten Schlägerei, bei der zwei der Männer, die mit dem Rad unterwegs waren, ordentlich einstecken müssen. Einer der beiden muss später im Krankenhaus an Kinn und Lippe genäht werden, sein Kumpel erleidet Prellungen an Arm und Kopf. Laut Anklageschrift traten und schlugen die jungen Männer auch dann noch zu, als beide bereits am Boden gelegen hatten.

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Obwohl Täter- und Opferrollen eigentlich klar verteilt schienen, gestaltete sich der Prozess vor dem Amtsgericht als schwierig. Denn die Erinnerungen der Beteiligten – vor allem auf Seiten der Geschädigten – waren durch Alkohol und zeitliche Distanz erheblich getrübt. Außerdem warf die Gegenseite ihnen vor, ebenfalls ausgeteilt zu haben. Zu einem großen Problem wurde auch die Aussage des dritten Fahrradfahrers, der die Situation von außen beobachtet hatte.

Zum einen konnte der 26-Jährige – der als Polizist in Düsseldorf arbeitet – nur einen der Täter zweifelsfrei identifizieren. Zum anderen lag in Augen von Staatsanwalt und Verteidiger der Verdacht nahe, dass er sich durch seine berufliche Stellung Akteneinsicht verschafft hatte. Denn er verwendete in seiner schriftlichen Aussage die Namen der Angeklagten, die er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kennen konnte. Das vom Verteidiger geforderte Beweisverwertungsverbot brauchte es an diesem Tag allerdings nicht.

Zweimal Freispruch, einmal Verfahren eingestellt

Denn der Richter ließ frühzeitig durchblicken, dass er zwei der drei Angeklagten freisprechen werde. Auch das Verfahren gegen den Dritten wurde schließlich eingestellt. Da dieser allerdings selbst eingeräumt hatte, ausgeteilt zu haben und auch von zwei Zeugen belastet wurde, muss er als Auflage 500 Euro an den Geschädigten zahlen.

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Zivilrechtlich könnte es für alle drei aber noch Konsequenzen geben. Der Richter nutzte seine letzten Worte für einen Appell: „Alle haben eine große Klappe, dann gibt’s die Keilerei. Beim nächsten Mal geht euch bitte einfach aus dem Weg. Das erspart uns allen einiges.“

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