Flüchtlinge ziehen in freie Wohnung ein

Ein richtiges Zuhause

Eigentlich wollte Bernd Busch seine Wohnung im Wiegbold gar nicht mehr vermieten. Doch dann wurde er von Flüchtlingshelfern aus Ottenstein auf die freie Wohnung angesprochen. Sie brauchten den Platz dringend für eine Familie aus Syrien. Busch hat sich schnell entschieden, die Wohnung doch zu vermieten. Eine Entscheidung, die er nicht bereut.

AHAUS

, 14.03.2016, 18:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Ottensteiner Bernd Busch (r.) hat inzwischen drei Wohnungen an Flüchtlingsfamilien vermietet. Mit der Familie von Walid Shek-Daher (l.) wohnt er am Wiegbold unter einem Dach.

Der Ottensteiner Bernd Busch (r.) hat inzwischen drei Wohnungen an Flüchtlingsfamilien vermietet. Mit der Familie von Walid Shek-Daher (l.) wohnt er am Wiegbold unter einem Dach.

Inzwischen hat er drei Wohnungen an Flüchtlinge vermietet. An Familien aus Serbien, Albanien und Syrien. Probleme? Nein, die habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Eher zufällig sei er anfangs dazu gekommen, Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. "Ich war bei der Stadt und da hat sich das aus einem Gespräch so ergeben. Das war reiner Zufall", sagt er. Seine Wohnung in Alstätte habe zu dem Zeitpunkt ohnehin leer gestanden. Und so habe es eben einfach gut gepasst.

Gemeinsam Wohnung renoviert

Aus der einen Wohnung wurden erst zwei in Alstätte und Ottenstein. Dann kam auch noch die Wohnung im Ortskern von Ottenstein dazu. Da habe er erst noch einen Moment gezögert. "Es ist eben doch etwas anderes, ob man irgendwo eine Wohnung vermietet oder mit fremden Menschen unter demselben Dach wohnt", sagt er. Just in dieser Wohnung hatte er nämlich zuvor noch Probleme mit einem Mieter gehabt. "Deswegen wollten wir die auch nicht mehr vermieten", sagt Busch. Doch dann sei er eben doch noch vom Gegenteil überzeugt worden. Gemeinsam mit Flüchtlingen haben die Flüchtlingshelfer die Wohnung renoviert. "Eine Hand hilft eben der anderen", sagt Ferdi Vennemann, der sich in Ottenstein ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert.

Die Zweifel an der Entscheidung haben sich bei Bernd Busch im Nachhinein als unnötig erwiesen: "Die Familie ist unproblematischer als jeder deutsche Mieter vorher", sagt er. Und sie seien so dankbar. Schon das sei für ihn Bestätigung genug, das Richtige getan zu haben.

Auch mit der Stadt sei die Zusammenarbeit völlig problemlos. "Es ist sofort Hilfe da, wenn welche gebraucht wird", sagt Busch. Die Unterstützung kommt aber nicht nur von der Verwaltung, sondern auch von den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Ottenstein: So wie von Bernd Winter und Ferdi Vennemann, die an diesem Nachmittag bei Bernd Busch mit am Esstisch sitzen. "Es ist wichtig, dass Ottenstein von selbst aktiv wird", sagt Vennemann. Damit sei der erste Schritt zu einer gelungenen Integration schon gemacht. Und nur so sei es überhaupt möglich gewesen, in kurzer Zeit Wohnungen an Flüchtlinge zu vermitteln. "Wir haben schon von vielen Flüchtlingen gehört, dass sie hier gar nicht mehr wegwollen", sagt auch Bernd Winter schmunzelnd.

Familie eingezogen

Walid Shek-Daher bestätigt das nickend. Mit seiner Familie ist er in der Etage über dem Ehepaar Busch eingezogen. Er freut sich, dass er mit seiner Frau und seinen drei Töchtern Fuß in Ottenstein fassen kann. Und er freut sich über die Hilfe, die ihm entgegengebracht wird.

Winter und Vennemann werben nun weiter darum, dass sich noch mehr Besitzer von Wohnungen dazu entschließen, leer stehende Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. Schließlich könne so für die Menschen in den Sammelunterkünften eine bessere Unterkunft geschaffen werden. Stephan.Teine@mdhl.de

In Ottenstein suchen Ferdi Vennemann, Tel. 8098, und Bernd Winter, Tel. 81807, weiter nach Wohnungen für Flüchtlinge. Vermieter aus den anderen Ortsteilen können sich auch direkt an die Stadtverwaltung wenden: Michael Nünning, Tel. 72333.

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