Flüchtlingen zur Mobilität verholfen

Fahrradwerkstatt

Mit acht alten Fahrrädern hat Daniel Bertsch im Dezember 2014 vor der Flüchtlingsunterkunft an der Fürstenkämpe gestanden – allein. Bis heute, etwas über ein Jahr später, wurden dort 246 alte Räder repariert und an Flüchtlinge in Ahaus verteilt. Bis zu 25 Flüchtlinge schrauben dort regelmäßig an den alten Rädern. Acht ehrenamtliche Helfer unterstützen sie dabei.

AHAUS

, 29.01.2016, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alte Räder stehen an der Wand im schmalen Durchgang zwischen Garage und Unterkunft. Ihre besten Zeiten haben sie lange hinter sich. Die Reifen ohne Luft, Bremszüge gerissen, von funktionierenden Lampen oder gar Reflektoren einmal ganz zu schweigen. Doch statt in einer Garage weiter zu verrosten, oder gar auf dem Sperrmüll zu landen, werden sie für die Flüchtlinge in Ahaus wieder aufbereitet.

Aus zwei mach eins

„Im Moment läuft es so, dass wir aus zwei alten Rädern ein funktionierendes machen“, sagt Bertsch beim Blick auf das Lager. Schließlich war die Spendenbereitschaft der Menschen in der Umgebung während der ganzen Zeit des Projekts enorm: „Sogar aus Dülmen oder Südlohn haben mich Menschen angerufen, die alte Räder spenden wollten“, erzählt Bertsch. Inzwischen gebe es eben schlicht nicht mehr viele alte Räder in den Garagen der Umgebung. Und auch wegen der Winterzeit gebe es im Moment etwas weniger Spenden als im Sommer. „Die Leute denken gerade einfach nicht an Fahrradfahren“, sagt er.

Er hofft, dass sich das zum Frühjahr hin wieder bessert. Dennoch freut er sich über jede Spende – auch über solche Räder, die defekt sind: Die machen sie ja in der Werkstatt wieder flott. Nur gebrochene Rahmen können sie dort nicht reparieren. „Das wäre zu aufwendig“, sagt Bertsch. Solche Räder dienen dann als Ersatzteilträger.

Freude über Hilfe

Neben alten Fahrrädern freut er sich aber auch über alle anderen Spenden: Werkzeug, ein Teil einer ganzen Fahrradwerkstatt, Regale, Helme, kartonweise Ersatzteile – die Bandbreite ist groß. Aber auch über die tatkräftige Unterstützung und die ehrenamtliche Hilfe aus ganz unterschiedlichen Richtungen freut er sich. „Dafür kann ich mich nur bedanken“, sagt er gerührt. Die Nachfrage nach den reparierten Rädern ist enorm. 69 Flüchtlinge stehen aktuell auf der Warteliste für ein Rad. Bertsch hofft, ihren Wunsch nach und nach erfüllen zu können. Ein Verkauf der Räder kommt für ihn nicht in Frage. „Die Flüchtlinge sollen für die Räder nichts bezahlen. Wenn sie die Räder selbst reparieren, bringt das viel mehr“, sagt er.  

Daniel Bertsch kann inzwischen eine ganze Reihe von Geschichten über die Räder erzählen. So wie von dem alten Hollandrad, das ihm eine 84-jährige Frau für die Fahrradwerkstatt gegeben hat. „Sie hat mir erzählt, dass sie es sich 1956 für einen ganzen Monatslohn gekauft und seitdem immer gehegt hat“, so Bertsch. Sie wollte es nicht verkaufen, sondern dem Rad ein neues „Leben“ ermöglichen. In der Werkstatt wird es gleich mehrere Besitzer bekommen: Denn wenn die Flüchtlinge Ahaus dann wieder verlassen, müssen sie die Räder zurückgeben. Die bekommen dann die nächsten Flüchtlinge. „Etliche der Räder hatten schon drei oder vier Besitzer in der kurzen Zeit, die es die Werkstatt nun gibt“, sagt Bertsch.

Im Moment werden neben weiteren Fahrrädern vor allem Zehn-Milimeter-Schraubenschlüssel, Fünf-Milimeter-Imbusschlüssel, Reifen und Schläuche in allen Größen, Kindersitze und Fahrradhelme benötigt. 
Die Spenden können montags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung an der Fürstenkämpe 45/47 abgegeben werden. www.fefa-ahaus.de
Kontakt: Daniel Bertsch, Tel. 0176 / 54 51 98 09, D.Bertsch@gmx.net

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt